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Opel-Zoo : Die Zebras trotzen dem Frost

Standhaft: Die Zebras im Opel-Zoo trotzen der Kälte Bild: Wolfgang Eilmes

Die Vielfalt macht’s: Trotz Sommersturm und Straßenbau kamen 530.000 Besucher im vorigen Jahr in den Opel-Zoo. Auch im Winter gibt es dort viel zu sehen. Nur den Pinguinen ist es zu kalt.

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          Sie sind Einzelgänger. Der Futterneid macht sie aggressiv. „Die beißen wie die Berserker“, sagt Thomas Kauffels über die Tiere, die deswegen in Einzelboxen gehalten werden müssen. Nur ausnahmsweise kommen sie mit ihresgleichen zusammen, schließlich würde es sonst mit der Zucht nichts. Der Direktor des Opel-Zoos macht sich trotzdem keine Illusionen, der bevorstehende Artenzuwachs könnte in Scharen Besucher anlocken, die den wohligen Schauer der Gefahr spüren wollen, von der sie nur eine Glasscheibe trennt. Was nicht nur am Kampfgewicht von 600 Gramm und dem Längenmaß von 30 Zentimetern liegt, die den gemeinen Feldhamster auszeichnen. Ohne Schwanz, versteht sich. Sondern auch an dessen Lebensgewohnheiten. „Die Leute können den Tieren beim Schlafen zusehen.“

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die neue Feldhamsteranlage, die im April fertig sein soll, ist ein typisches Beispiel für die Naturschutzarbeit des Zoos, die sich nicht am erwarteten Publikumserfolg orientiert. „Tiere ohne Charisma“, die weder groß noch possierlich seien, nennt Kauffels Arten wie den unauffälligen Habichtskauz, den an 46 von 52 Wochen im Jahr in seinem Gehege praktisch nicht zu sehenden europäischen Nerz, die europäische Sumpfschildkröte oder die Moorente. Sie werden allein deshalb gehalten, weil ihre Arten bedroht sind und Jungtiere aus Kronberg in Wiederansiedlungsprojekten ausgesetzt werden. Das geschieht auch international: Der Mesopotamische Damhirsch wäre ohne den Kronberger Bestand vermutlich ausgestorben, sagt der Direktor. Voriges Jahr wurden zwei Exemplare nach Israel gebracht, wo sie für Nachwuchs sorgen sollen.

          Ein gutes Jahr

          Die 530.000 Besucher des vergangenen Jahres kamen vermutlich eher wegen der Elefanten, Giraffen und Zebras. Von einem „guten Jahr“ sprach deshalb Gregor von Opel, Vorstandsvorsitzender der von Opel Hessische Zoostiftung. Die Zahl lag zwar um etwa 7000 unter der von 2016. „Aber das sind Schwankungen, die vom Wetter an einem wichtigen Tag wie Karfreitag abhängen“, sagte Kauffels. Dass darunter 20.000 Kinder waren, die in der Zooschule sachkundig betreut wurden, freut die Verantwortlichen besonders. Denn die Zoopädagogik hat 2017 ihren 20. Geburtstag gefeiert. Der Förderverein, der sich jetzt zum Beispiel für die Feldhamsteranlage engagiert, wurde zehn Jahre alt. Zu leiden hatte der Opel-Zoo nicht nur unter der Sanierung der vorbeiführenden Bundesstraße, die in den Sommerferien vier Wochen lang die Zufahrt aus Richtung Autobahn 661 blockiert hat. Kaum war die Bauphase vorbei, riss der Sommersturm etliche Bäume um. Die Luchse blieben verschreckt in ihrem zerstörten Gehege, die Roten Pandabären konnten schnell wieder eingefangen werden.

          Sind die Kosten für Feldhamster überschaubar, so zögert der Zoo noch mit dem nächsten wirklich großen Projekt: der Rückkehr der Flusspferde. Nach dem Tod von Tana vor vier Jahren war der verbliebene Bulle Max nach Hannover gebracht worden, damit er nicht allein ist. Der Standort einer neuen Flusspferd-Anlage ist zwar im gültigen Bebauungsplan für den Zoo schon vorgesehen. Doch nicht nur die Investitionskosten von 15 bis 20 Millionen Euro sind eine beachtliche Hürde. „Die Besucher erwarten, den Tieren beim Schwimmen zuzusehen“, sagte der Direktor. Wenn man eine Gruppe von vier Tieren halte, hinterlasse jedes von ihnen im Wasser täglich 70 Kilogramm Kot. Um das Wasser klar zu halten und fast 300 Kilo Mist herauszufiltern, brauche es eine „etwas größere Schwimmbadtechnik“. Für die fielen jährlich 150.000 bis 200 000 Euro laufende Kosten an. „Das entspricht fünf Arbeitsstellen, das will gut überlegt sein.“ Der Plan für eine Flusspferdanlage sei noch nicht abgeschrieben, versicherte Kauffels.

          Gefahren für Giraffen

          Um die laufenden Kosten zu finanzieren, müssten sich die Tageskarten um 50 Cent verteuern. „Das klingt nicht viel, aber unsere Preise liegen schon jetzt über den der Frankfurter Kollegen.“ Anders als der Frankfurter Zoo, der zwölf Millionen Euro Betriebskostenzuschuss erhalte, müsse der Opel-Zoo als einziger in Deutschland ohne Subventionen auskommen. „Nach drei guten Jahren können wir noch mal über das Vorhaben reden“, sagte Kauffels. Falls sich nicht doch ein Großspender finde, wie Opel ergänzte.

          Zu den erfreulichen Ereignissen im vergangenen Jahr zählte die Geburt des ersten Kükens bei den Brillenpinguinen. Die in Afrika heimischen Tiere sind derzeit nicht zu sehen: Ihnen ist es viel zu kalt, sie vertragen kein Eis. Auch die Elefanten bleiben aus Sorge um die empfindlichen Ohren und Rüsselspitzen derzeit im Stall, während die Giraffen auf glattem Boden schlicht in Gefahr sind, „sich die Haxen zu brechen“, wie der stellvertretende Direktor Martin Becker erläuterte.

          Den Zebras hingegen machen die Temperaturen nichts aus, zumal sie die Eisnächte im Warmen verbringen können. „Alle Tiere der Savanne kennen leichten Frost“, sagte Becker. Als Freigehege achte der Opel-Zoo bei der Tierauswahl ohnehin darauf, keine wirklich wärmebedürftigen Arten anzuschaffen. So zählen auch die Berberaffen aus Nordafrika zu denjenigen, die mit Frost aus freier Natur vertraut sind.

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