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Opel-Zoo : Die schnellsten Jäger im Taunus

Hessen im Blick: „Mara” ist neun Jahre alt, Gepardin und seit kurzem Bewohnerin des Opel-Zoos in Kronberg. Bild:

Ein Platz für Katzen: Im Opel-Zoo haben zwei Raubkatzen Quartier genommen. Die beiden Geparden stammen aus Irland - und da es ihre Art im Frankfurter Zoo nicht gibt, sind sie nun die einzigen in Hessen.

          Geparden können nur in den ersten Lebenswochen klettern. Und ihre biegsame Wirbelsäule erlaubt ihnen zwar, in Riesenschritten über die Steppe zu jagen. Aber im Hochsprung sind die schnellsten Landtiere keine Meister. Es waren beruhigende Auskünfte, die Direktor Thomas Kauffels gestern über das Leben der neuen Bewohner des Opel-Zoos preisgab. Zum ersten Mal leben Großkatzen in dem Freigehege für Tierforschung, doch dort ist man vorbereitet.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Länger als geplant haben Kauffels und seine Mitarbeiter auf die Tiere warten müssen, die vom Fota Wildlife Park im irischen Cork stammen. Zuerst hat der Frost verhindert, dass die früheren Gehege der Hirschziegenantilopen am Philosophenweg raubtiergerecht umgebaut werden konnten. Wobei damit auch menschengerecht gemeint ist, denn die massiven, bis in den Boden reichenden Zäune sind vor allem zu deren Schutz gedacht. Dann war der Flug gebucht, aber die Vulkanaschewolke hielt Flugzeug und Geparden am Boden.

          Strauße als Nachbarn

          Vergangene Woche sind die neun Jahre alte „Mara“ und die zwei Jahre alte „Malawi“ dann endlich in Frankfurt gelandet. Am Montag wurde das Tor des Stalls zum ersten Mal geöffnet, und „Mara“ begann die Erkundung im Freien. Anfangs geduckt, den Rücken abwehrbereit zum Buckel gekrümmt. „Aber nach einer halben Stunde wurde sie immer sicherer und der Gang aufrechter“, sagte der Leiter der Zoopädagogik, Martin Becker.

          Im Gehege auf der gegenüberliegenden Seite des Wegs haben Strauße und Kudus wegen der Neuankömmlinge erst einmal die Hälse gereckt. In freier Wildbahn könnten sich die Zoobewohner durchaus begegnen. Von Aufregung hingegen keine Spur, zumal Geparden es kaum mit dem großen Laufvogel aufnehmen würden.

          Einzelgängerische Katzen

          „Mara“ und „Malawi“ bekommen zwei getrennte Gehege, 660 und 840 Quadratmeter groß. Besucher können sie durch den Zaun oder in einem Unterstand mit Glasscheibe beobachten. Da Geparde sich gerne auf einem kleinen Hügel niederlassen, wurden die Erhebungen in fotogerechter Entfernung angelegt.

          Die Raubkatzen seien Einzelgänger, erklärte Kauffels. Auch in dem irischen Wildpark, wo es insgesamt 40 Tiere gebe, seien sich „Mara“ und „Malawi“ bisher nicht begegnet. In ein bis zwei Jahren könnte durchaus ein Kater nach Kronberg kommen. Doch derlei Entscheidungen werden innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms getroffen.

          Erinnerung an Grzimek

          Auch die Geparden sind in ihrer Heimat im Bestand bedroht. Nachdem es im Frankfurter Zoo die Raubkatzen nicht mehr gibt – bekanntlich nahm Bernhard Grzimek seine gefleckte „Mausi“ gerne mit ins Fernsehstudio –, sind die Geparden im Opel-Zoo die einzigen in Hessen. Der Vorstandsvorsitzende der Von Opel Hessischen Zoostiftung, Gregor von Opel, dankte dem Main-Taunus-Kreis für seine erste Patenschaft, die er für die Großkatzen übernommen hat.

          Der Zoo sei schließlich eine weit in die Region und über sie hinausstrahlende Attraktion, sagte Landrat Berthold Gall (CDU) zur Begründung des Engagements. Da die mehr als 100 Stundenkilometer erreichenden Geparden ein Symbol für Schnelligkeit sind, fand der Landrat die Wahl für seinen Kreis natürlich besonders passend: „Wir sind immer einen Tick schneller.“

          Sprinter ohne Ausdauer

          Der ganze Körperbau der hochbeinigen Katzen, deren nicht mehr einziehbare Krallen wie die Spikes an den Schuhen von Leichtathleten wirken, ist auf Geschwindigkeit ausgelegt. Allerdings halten sie das Tempo nur kurze Zeit durch, und weil die großen Atemwege mit Luft versorgt werden müssen, haben sie keine kräftigen Kieferknochen.

          Sie bringen ihre Opfer zu Fall und ersticken sie mit einem Biss in die Kehle. Außerdem sind Geparden nach dem Jagdsprint derart erledigt, dass sie oft tatenlos zusehen müssen, wie Löwen oder Hyänen ihnen die Beute wegschnappen.

          Sonntags wird gefastet

          Kauffels hat in seiner Tierpflegerlehre noch gelernt, dass Geparden im Gehege aus der Hand gefüttert werden. „Schließlich wurden sie seit 5000 Jahren in Asien und Arabien als Haustiere zur Jagd gehalten“, sagte der Zoodirektor. Auf derlei Traditionen kann man sich in Kronberg gleichwohl nicht mehr einlassen. Sie bekommen tote Kaninchen und Hühner durch den Zaun gereicht – die Vorschriften verbieten, den Jagdtrieb der Großkatzen zu befriedigen. Und sonntags wird gefastet.

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