https://www.faz.net/-gzg-10b1y

Opel-Zoo : Auge in Auge mit dem Braunen Sichler

Schwarzkopfibisse in der neuen Vogelvoliere Bild: F.A.Z. - Marcus Kaufhold

Schwarzstörche, Schwarzkopfibisse, Braune Sichler: Der Opel-Zoo hat eine neue Attraktion bekommen. Dort wurde eine Freiflugvoliere eröffnet, die viertgrößte ihrer Art in Deutschland. Rund 1,5 Millionen Euro hat die Anlage gekostet.

          Kein Zaun, sondern nur noch eine Glasscheibe oder ein Graben mit versteckten Elektrodrähten zwischen Mensch und Tier: Auf diese Weise präsentieren zoologische Gärten heute ihre Bewohner, wenn sie neue Anlagen errichten. Noch direkter ist die Begegnung nur noch, wenn man gleich in das Gehege hineingeht. Das können Besucher seit dem Wochenende im Opel-Zoo. Über den Hardtweiher spannt sich die nach Worten von Direktor Thomas Kauffels viertgrößte Voliere Deutschlands. In den vergangenen zehn Jahren sei keine mehr in dieser Größenordnung errichtet worden. Auf einer Grundfläche von knapp 1800 Quadratmetern leben Schwarzstörche, Schwarzkopfibisse, Braune Sichler sowie zehn einheimische Entenarten. Auch Waldrapp-Ibisse sind zu sehen, die in kurzer Zeit auf der großen Eiche in der Voliere ihren Lieblingsplatz gefunden haben.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          1,5 Millionen Euro hat die neue Attraktion gekostet. Dabei hat Kauffels lieber etwas mehr ausgegeben und beim Netz auf schwarz eloxiertes Metall zurückgegriffen. Das erstmals in Europa für diesen Zweck verwendete Material habe einen entscheidenden Vorteil: Vor dunklem Hintergrund wie dem angrenzenden Wald wirke es fast unsichtbar, und der Blick könne sich auf die Tiere konzentrieren. Die Sorge, auch die Vögel könnten das zwölf Meter hoch reichende Netz womöglich übersehen, habe sich als unbegründet herausgestellt, sagte Kauffels. Obwohl sie gleich losgeflogen seien, hätten sie rechtzeitig abgedreht. Die Mehrkosten würden auch durch die bessere Haltbarkeit gerechtfertigt, weil man nicht nachstreichen müsse. Das Netz sei so fest, dass es oben begehbar sei, um notfalls Äste entfernen zu können.

          Opel-Zoo setzt auf Spenden

          Durch zwei Schleusen, die noch von Efeu überwuchert werden sollen, führt der Weg für Besucher jetzt direkt durch die Freiflugvoliere. Dabei warnen Schilder vor der größten Gefahr, die von oben droht. Denn wo Vögel fliegen, lassen sie gelegentlich etwas fallen. Die großzügige Anlage ersetzt die in die Jahre gekommene Sichlervoliere. Sie ist aber auch eine Reaktion auf europaweite Vorschriften, wonach Entenvögel nicht mehr auf Dauer flugunfähig gemacht werden dürfen. „Dann sind sie aber weg“, sagte Kauffels. Durch die Voliere könne man sie auch weiterhin halten. Die hier lebenden Waldrapp-Ibisse sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, und auch der Nachwuchs der bedrohten Schwarzstörche wird mit einem zentral geführten Zuchtbuch überwacht.

          Klaus Rheinberger, Gregor von Opel (rechts) eröffnen die Voliere

          Zoodirektor Kauffels bezeichnete die Freiflugvoliere als erste Investition, die eine Kür und nicht die Pflicht sei. Ermöglicht habe sie zum jetzigen Zeitpunkt eine Spende in Höhe von 300.000 Euro aus dem Privatvermögen von Klaus Rheinberger. Der Ehemann der VDO-Inhaberin Liselott Schindling, die als Liselott Linsenhoff die erste Einzelgoldmedaille einer Dressurreiterin gewann, entstammt einer Pirmasenser Familie von Schuhfabrikanten. „Schon als Kinder durften wir Tiere im Garten halten“, sagte der einst selbst als Dressurreiter aktive Mäzen zu seinen Beweggründen. Vor allem, dass der Zoo den Kindern Tiere wieder näherbringe, habe ihn begeistert. Noch dazu fühle er sich seiner alten und neuen Heimat verbunden. Zu Ehren seiner 1999 gestorbenen Frau hat Rheinberger 2003 die Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung gegründet, die soziale, kulturelle und gemeinnützige Projekte in Kronberg und Pirmasens unterstützt.

          Für den inzwischen ebenfalls in die Rechtsform einer Stiftung überführten Zoo sei jemand wie Rheinberger ein Vorbild, sagte Stiftungsvorstand Gregor von Opel: „Für einen großen Wurf wie die Voliere oder das geplante Elefantenhaus brauchen wir Unterstützung.“ Schließlich komme der Opel-Zoo als einziger in Deutschland ohne staatliche Zuschüsse aus. Anders als in Amerika sei die Spendenkultur hier noch nicht so ausgeprägt. Zudem würden dort erheblich höhere Eintrittspreise verlangt. „Hier aber stehen wir in Konkurrenz zu einem Zoo wie jenem in Frankfurt, der durch die staatliche Unterstützung die Preise niedriger halten kann“, sagte Opel. Elefanten und Flusspferde höben das Kronberger Freigehege für Tierforschung gegenüber anderen heraus und seien unverzichtbar. Doch für das neue „Rüsselsheim“ der Dickhäuter habe er noch keine Finanzierungsvorstellung. In den vergangenen Jahren habe der Opel-Zoo mit Projekten wie der Afrika-Savanne Schwung aufgenommen. Dieser dürfe jetzt nicht verlorengehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte der dreimalige Weltmeister Erfolge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.