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Teststrecke : Opel dreht in Dudenhofen auf

Klein, aber wendig: Auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen bestaunen Autofans die rasanten Rallye-Vorführungen der Fahrer, zum Beispiel im Opel Adam. Bild: Michael Kretzer

Opel betreibt sein Testzentrum in Rodgau-Dudenhofen seit fünf Jahrzehnten und erweitert die Anlage. Die dortige Mitarbeiterzahl wird kräftig steigen.

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          Das Elektroauto Ampera-e, das der Autohersteller Opel im Oktober auf dem Pariser Autosalon vorstellen will, wird nach den Worten von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann „Maßstäbe setzen“ und das Unternehmen weiter nach vorne bringen. Beim Tag der offenen Tür im Opel-Testzentrum in Rodgau-Dudenhofen, das 1966 eröffnet wurde, machte Neumann schon einmal neugierig auf das neue Modell. Auch der Ampera-e wurde auf dem 2,8 Quadratkilometer großen Gelände im Wald zwischen Dudenhofen und Babenhausen getestet. Neumann trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Life is too short to drive a boring car“: Das Leben ist zu kurz, um ein langweiliges Auto zu fahren.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Mit seiner privaten Chevrolet Corvette C1, Baujahr 1957, führte der Opel-Chef die Klassik Tour Kronberg an, die zum Tag der offenen Tür im Testzentrum Station machte. Die Teilnehmer absolvierten dort eine Wertungsprüfung auf der 2012 schon zum zweiten Mal erneuerten Hochgeschwindigkeits-Rundbahn. Die Opel-Testfahrer, die meist handgemachte Prototypen und Vorserienautos erproben, können in der um 40 Grad geneigten Steilkurve der Bahn mit mehr als 250 Stundenkilometern rasen und dabei theoretisch die Hände vom Steuer nehmen, ohne dass etwas passiert. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) sagte mit Blick auf sein Geburtsjahr 1966, er sei besonders gerne zum Jubiläum nach Rodgau gekommen. Den Ausbau des Testzentrums bewertete Schäfer als „Zeichen, dass Opel in die Zukunft investiert“.

          Opel investiert in den Standort Dudenhofen

          In Rodgau-Dudenhofen steht das größte und wichtigste Testzentrum von Opel in Europa. Bei strahlendem Sonnenschein nahmen mehr als 20 000 Besucher die Gelegenheit wahr, einen Blick auf das ansonsten nicht öffentlich zugängliche Gelände zu werfen. Zuletzt hatte es dort vor 25 Jahren einen Tag der offenen Tür gegeben. 2012 begann Opel mit dem bisher größten Erweiterungs- und Modernisierungsprojekt in Dudenhofen. Bis 2020 wird dort ein hoher zweistelliger Millionenbetrag investiert. Auf der neuen Schleuderplatte mit einem Durchmesser von 300 Metern werden künftig Tests etwa für automatisiertes Fahren ablaufen. Auch die „lange Gerade“, die 1,7 Kilometer parallel zur angrenzenden Landstraße verläuft, ging erst kürzlich in Betrieb. Ob auf der Dauerteststrecke, bei Steigungen und Gefällen von acht bis dreißig Prozent oder auf Marterstrecken: Opel-Fahrzeuge müssen einiges ertragen, ehe sie in Serie gehen.

          Auf insgesamt 70 Kilometer bringen es die Teststrecken in Rodgau, in den nächsten Jahren werden sie auf 90 Kilometer ausgebaut. Früher waren 150 Menschen im Testzentrum beschäftigt. Nach Angaben von Matthias Schollmaier, dem Direktor des Testzentrums, der auch für die anderen Opel-Testgelände in Europa zuständig ist, sind es derzeit rund 400. Werkstätten und Büros für 300 weitere Mitarbeiter entstehen gerade neu. Der Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) würdigte die gute Kooperation zwischen Opel und der Stadt: Man sei jetzt wirklich ein Opel-Standort. Der Dudenhofener Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Kapsreiter sagte, man werde in Dudenhofen „die Zukunft für Opel entwickeln“.

          Reichhaltiges Programm am Tag der offenen Tür

          Lange Schlangen bildeten sich am Samstag an den Haltestellen der Pendelbusse, die durch das Gelände fuhren. Mit einem Teleskopmast der Werkssicherheit Kaiserslautern konnten sich die Besucher in eine Höhe von 24 Metern befördern lassen. Derweil röhrten Astras und Adams, die bei der VLN-Langstreckenmeisterschaft, Rallyes und der Touring Car Racer Series zum Einsatz kommen, über einen mit Pylonen markierten Parcours. Opel präsentierte rund 150 aktuelle Fahrzeugmodelle. Die Alt-Opel-Interessengemeinschaft war mit rund 200 Opel-Fahrzeugen aus zurückliegenden Jahrzehnten vertreten. Dirk Potthast aus Hofheim etwa zeigte seinen ziegelroten Manta A, Baujahr 1971, den er im vergangenen Jahr gekauft hatte. Der Oldtimer habe 140000 Kilometer hinter sich und laufe astrein, verriet Potthast, der als Ingenieur im Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim tätig ist. Er hole den Manta aber nur bei schönem Wetter aus der Garage.

          Arg ramponiert sah der weiße Opel Kadett, Baujahr 1965, aus, als Katja und Sebastian Härtner aus Mühltal das Fahrzeug um die Jahrtausendwende erwarben: „Ein klassischer Scheunenfund“, sagte Katja Härtner. Drei Monate nach der Erstzulassung war das Auto einst bei einem Hochwasser mitgeschwommen. Der Eigentümer habe das Fahrzeug danach in einer Scheune abgestellt und vergessen. Katja Härtner, ihr Mann und ihr Vater restaurierten das Auto, ließen es verzinken und neu lackieren. Rechtzeitig zur Hochzeit 2008 sei der Wagen fertig und zu diesem Anlass mit angehängten Blechdosen erstmals wieder gefahren worden.

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