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Online-Gutscheinportale : In der Gruppe günstiger kaufen

Schnitzeljagd: Ein Angebot aus Rhein-Main am Mittwoch Bild: Florian Manz

Portale für Rabattgutscheine sind die neue Attraktion im Internet. Groupon etwa hat alleine in Rhein-Main rund registrierte 300.000 Nutzer. Doch man muss vergleichen und mitrechnen. Nicht jedes Angebot ist ein Schnäppchen.

          Mitunter kann die Rabattschlacht im Internet ins Dilemma führen. So war es auch am Mittwoch vergangener Woche. Wer für den Online-Gutscheindienst Groupon in Frankfurt registriert ist, bekam an diesem Tag ein fast schon unmoralisches Angebot: Zum einen wurde von einem Anbieter aus dem Westend eine um 75 Prozent preisreduzierte Ultraschall-Fettreduktion angepriesen („entspannt und ohne Anstrengung zum Traumbody“). Als Kontrastprogramm obendrauf gab es einen sogenannten Extra-Deal: einen 10-Euro-Gutschein zum Preis von fünf Euro. Damit konnte man Produkte eines Bagel-Bäckers kaufen, der allerdings auch auf seine „gesunden Salate“ verwies.

          Dieses Beispiel steht exemplarisch für die Art, wie Online-Gutscheinportale funktionieren. Der Nutzer registriert sich zuerst auf Internetseiten wie groupon.de, dailydeal.de oder cooledeals.de, indem er dort seine E-Mail-Adresse angibt und die Stadt oder Region, in der er lebt. Fortan erhält er täglich mehrere regionale Rabattangebote per Mail. Bei groupon.de, mit 3,5 Millionen angemeldeten Nutzern das größte Gutscheinportal in Deutschland, sind es in Frankfurt zum Beispiel ein bis zwei „Deals“ pro Tag.

          Händler, Gastronomen und andere Dienstleister

          Wenn sie richtig kalkulieren, kommen die Anbieter der Gutscheine - das sind Einzelhändler, Gastronomen und andere Dienstleistungsunternehmen - auch mit dem Rabatt auf ihre Kosten, weil sie den Gutschein für eine Mindestanzahl von Käufern ausschreiben und so Kunden in ihr Geschäft lotsen, die sie sonst womöglich nie gesehen hätten und die mit ein bisschen Glück auch über den Rabatt hinaus einkaufen und konsumieren.

          Sollte sich ein Nutzer für ein Angebot entschließen, kauft er den Gutschein mit einem Klick und bezahlt ihn später in der Regel per Kreditkarte. Doch nur wenn sich innerhalb einer bestimmten Frist genügend andere Interessenten für das selbe Angebot finden, wird der Gutschein auch aktiv. In diesem Fall bekommt der Käufer den Coupon per Mail zugeschickt und kann ihn beim Anbieter einlösen. Die Einlösefristen variieren von Rabattangebot zu Rabattangebot.

          300.000 Newsletter-Abonnenten in Rhein-Main

          Die Gutscheine bei Groupon könnten unterschiedlicher nicht sein. An einem Tag wird den Newsletter-Abonnenten - rund 300.000 im Rhein-Main-Gebiet - angeboten, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Am anderen Tag bietet eine Fahrschule Führerscheinkurse günstiger an oder ein Restaurant das Schnitzelessen für zwei. „Wir achten auf eine gute Mischung“, sagt Daniel Glasner, Geschäftsführer der deutschen Tochter des amerikanischen Unternehmens. Das Geschäftsmodell sieht so aus, dass sich Groupon die Erlöse der Gutscheine mit den Anbietern teilt.

          Ebenso verschieden wie die Angebote sind die Höhen der zu erzielenden Rabatte. In der vergangenen Woche schwankten sie bei Groupon zwischen 51 und 92 Prozent. Verbraucherschützer mahnen jedoch zur Vorsicht, was die Rabattversprechen betrifft. Die Verbraucherzentrale Hessen hat kürzlich mehrere Gutscheinangebote getestet und dabei unter anderem festgestellt, dass mancher Anbieter seine Preise verschleiert und bei den Rabattangaben übertreibt. Ein Reiseveranstalter etwa habe einen Gutschein im Wert von 100 Euro für acht Euro angeboten und mit einer Einsparung von 92 Prozent geworben. Diesen Rabatt gibt es nach Angaben der Verbraucherzentrale jedoch nur für eine Reise, die exakt 100 Euro kostet. Bei teureren Reisen sinkt der Rabatt. Auch bezog sich in manchen Fällen die Rabattangabe auf teurere Wochenendpreise, obwohl die erworbenen Gutscheine an Wochentage gebunden waren, an denen günstigere Tarife gelten. Generell sei Vorsicht angebracht, wenn es um die Einlösung und Gültigkeit der angebotenen Gutscheine gehe, schreiben die Verbraucherschützer (siehe auch Info-Kasten).

          „80 Prozent der Gutscheinkäufer waren vorher nie im Laden“

          Andere Anbieter achten jedoch darauf, dass sie ihre Offerten transparent gestalten und die Kunden mit Coupon auch ansonsten gut behandeln - schon aus eigenem Interesse. Die Frankfurter Heilpraktikerin Yasmin Kreuzer etwa hat schon zweimal Gutscheine bei Groupon angeboten. So eine Aktion bringe zwar viele Neukunden in ihre Praxis, sagt sie, „aber die kommen nur dann wieder, wenn sie auch zufrieden waren“. Sie behandle deshalb die Gutscheinkunden nicht anders als ihre anderen Patienten.

          Für Barbara Schadeberg von der Frankfurter Confiserie Schokolädchen war der Werbeeffekt der Antrieb, zwei Mal Coupons bei Groupon anzubieten. „80 Prozent der Gutscheinkäufer waren vorher noch nie in unserem Laden“, sagt Schadeberg. Um die Rabattkunden in Zukunft wiederzusehen, habe sie sich ganz bewusst für eine kundenfreundliche Laufzeit ihrer Coupons entschieden: Sie gelten zwölf Monate lang.

          Tipps für den Kauf von Online-Gutscheinen

          -Verbraucher sollten die Angebote vorab genau prüfen und Preise vergleichen. Gibt es womöglich Einschränkungen? Auch auf Zusatzkosten, etwa für den Versand, sollte man achten.

          -Grundsätzlich kommt der Gutscheinkauf erst dann zustande, wenn die vorgebene Mindestkäuferzahl erreicht ist. Ist dies der Fall, wird der jeweilige Betrag zur Zahlung fällig.

          -Auch wenn es zum Geschäftsabschluss kommt, kann der Vertrag innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt des Gutscheins widerrufen werden.

          -Nutzer sollten kritisch prüfen, welche Daten zur Vertragsabwicklung nötig sind, und auf eine sichere Verbindung, das heißt eine verschlüsselte Datenübermittlung achten.

          -Die Verbraucherzentrale Hessen hat die wichtigsten Punkte in der Broschüre „Augen auf beim Gruppenkauf“ zusammengestellt. Sie steht im Internet unter www.verbraucher.de. (magr.)

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