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Oldtimer-Rennen : Pioniere der Straße

Daimler-Chef Dieter Zetsche im Mercedes Simplex, Baujahr 1904 Bild: F.A.Z. - Bergmann

Im Zeichen von Schmuckstücken auf vier Rädern stand am Wochenende der Taunus. Beim „Kaiserpreis-Rennen“ gingen fast 50 Oldtimer an den Start. Das älteste Auto stammte aus dem Jahr 1900.

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          Mit dem kraftvollen Drehmoment von 135 PS kann Klaus Schildbach mühelos an seinen Konkurrenten vorbeifliegen. Er sitzt am Steuer eines Autos, das fast ein Jahrhundert alt ist: Der offene Mercedes von 1909 braucht vier mächtige Zylinder mit zusammen 13,6 Litern Hubraum, um die 135 PS zu erzeugen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Pulk mit fast 50 anderen Oldtimern fährt er an diesem Samstag 118 Kilometer weit durch den Taunus. Manche von ihnen haben nur 20 oder 30 PS, wenige verfügen über mehr als 100. Beim „Kaiserpreis-Rennen“ fahren Autos mit, die gebaut wurden, als Deutschland noch einen Kaiser hatte. Das älteste Auto stammt aus dem Jahr 1900, die jüngsten Wagen aus den zwanziger Jahren.

          Zwischengas beim Runterschalten

          Gestartet wird nach dem Senioritätsprinzip: der Älteste zuerst. Schildbachs Mercedes hatte am Start bei Wehrheim die Nummer 13. Nach der Tour über Königstein nach Weilburg und zurück über Grävenwiesbach biegt Schildbach als Erster auf den Schlossplatz in Usingen ein, wo die Rennteilnehmer eine Kontrollstelle passieren müssen. Doch um die betagten Wagen nicht zu arg zu strapazieren, gewinnt bei dem Rennen nicht der Schnellste. Die Fahrer müssen auf einer Teilstrecke eine vorgegebene Geschwindigkeit möglichst genau einhalten.

          Gekauft hat Schildbach das weinrote Cabriolet mit Ledersitzen, geschwungenen Kotflügeln und Speichenrädern aus Holz vor 15 Jahren. Fünf Jahre brauchte der Maschinenbauingenieur, um das Auto zu restaurieren. Der Mercedes wurde zerlegt, um jedes Einzelteil reinigen zu können. Weil Ersatzteile nicht mehr zu finden sind, mussten einige Teile angefertigt werden. Zum Beispiel wurde ein neuer Behälter für die Wasserpumpe gegossen. Weil das Holz der Speichen morsch war, mussten auch die Räder erneuert werden.

          Wenn er sich ans Steuer setzt, fühlt der Ingenieur sich wie in einem historischen Theaterstück. Neue Autos reizen ihn nicht: „Die sind zu leicht zu bedienen, das ist keine Herausforderung.“ Bei seinem Mercedes muss er mit einem Hebel am Lenkrad den Zündzeitpunkt einstellen, der bei modernen Autos von der Elektronik geregelt wird. Beim Runterschalten muss er Zwischengas geben, um den Gang einlegen zu können. Unter dem Armaturenbrett ist ein kleiner Messingkolben mit Öl angeschraubt. Ihn muss der Fahrer von Zeit zu Zeit betätigen, um die Wasserpumpe zu schmieren.

          Ein Holzdach schützt vor Regen

          Nach einer halben Stunde Pause bringt Schildbach die vier Zylinder wieder in Bewegung und macht sich der Wagen auf die letzte Etappe, durch Wehrheim und vorbei an der Saalburg nach Bad Homburg. Er bleibt vorne und rollt als Erster durchs Ziel im Hof des Landgrafenschlosses. Der Mercedes hat durchgehalten. „Zum Glück liegen heute keine Hufnägel mehr auf der Straße“, sagt Schildbach. Als sein Auto gebaut wurde, gehörten Reifenpannen zum Alltag, weil die Pferde die Nägel aus ihren Hufen verloren. Wie vor 100 Jahren üblich, hat der Ingenieur gleich zwei Reservereifen an der Seite seines Autos festgeschnallt.

          Im Minutentakt fahren die anderen Autos im Schlosshof ihre Runde um den Weißen Turm. Darunter ein Bugatti von 1925 mit acht Zylindern und 140 PS, der erfolgreichste Rennwagen seiner Zeit. Als das Auto auf dem roten Teppich am Ziel anhält, drängeln sich schon Autofans mit Fotoapparaten vor der Motorhaube. Im Schlosshof reihen sich die Wagen vor den zahlreichen Schaulustigen auf, darunter auch der offene Mercedes Baujahr 1904, in dem der Chef des Daimler-Konzerns, Dieter Zetsche, mitgefahren ist.

          Die Oldtimer, die als Rennwagen gebaut wurden, wirken spartanisch. Beim roten Fiat 501 Corsa von 1924 oder beim weißen Opel Grand Prix aus dem Jahr 1914 besteht die Karosserie fast nur aus der langgezogenen, tonnenförmigen Motorhaube, dahinter zwei Sitze ohne Windschutzscheibe. Andere Wagen bieten ihren Passagieren viel Komfort, wie der Delaunay Belleville von 1911. Den Fahrer schützt ein Holzdach vor Regen. Der Fond, vom Fahrer durch eine Scheibe getrennt, ist geräumig. Der kastenförmige Aufbau lässt noch erahnen, dass das Automobil von der Kutsche abstammt.

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