https://www.faz.net/-gzg-9eo17

Offener Brief an Seehofer : „Kein Geld für NS-Verharmloser“

Offener Brief an Seehofer: Leiter von Gedenkstätten warnen in einem Brief vor der Erasmus-Stiftung der AfD. Bild: dpa

Mehrere Leiter von Gedenkstätten warnen in einem Brief an Innenminister Seehofer vor der Erasmus-Stiftung der AfD: Sie verbreite ein revisionistisches Geschichtsbild.

          Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem offenen Brief aufgefordert, der Desiderius-Erasmus-Stiftung der AfD keine Zuschüsse aus seinem Haushalt zu gewähren. „Wir wehren uns entschieden dagegen, dass aus Steuergeldern eine Stiftung finanziert wird, die ein Geschichtsbild proklamiert, das NS-Verbrechen verharmlost“, heißt es darin.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter den Erstunterzeichnern des Briefs sind namhafte Wissenschaftler, Gedenkstätten-Leiter und Vertreter von Bildungsorganisationen. So unterschrieben etwa Andreas Eberhardt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Hans-Christian Jasch, der Direktor der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“, und Ruediger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland.

          Anlass für den Brief ist laut Mendel eine Twitter-Nachricht von Max Otte, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Erasmus-Stiftung: „Werden die medial völlig verzerrt dargestellten Vorfälle von Chemnitz zum neuen Reichstagsbrand, zum Auftakt der offiziellen Verfolgung Andersdenkender?“ Mit dieser rhetorischen Frage setze Otte Rechtsradikale und Neonazis, die in Chemnitz Menschen anderer Hautfarbe, Migranten und Journalisten bedroht und gewaltsam angegriffen hätten, mit den Verfolgten des Nationalsozialismus gleich, heißt es in dem Brief.

          Muss Programm der Erasmus-Stiftung geprüft werden?

          Es sei dringend geboten, das Programm der Erasmus-Stiftung, die von der früheren Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordneten und mittlerweile aus dieser Partei ausgetretenen Erika Steinbach geleitet wird, im Hinblick auf ihre politische Bildung, die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und der Erinnerungskultur kritisch zu prüfen.

          Die Relativierung des Holocausts und die Verhöhnung von NS-Opfern geschähen inzwischen auch an Orten des Erinnerns, wie zuletzt der Besuch einer AfD-Gruppe in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gezeigt habe. Dabei hätten Teilnehmer die Existenz von Gaskammern in Zweifel gezogen, lassen die Unterzeichner Innenminister Seehofer wissen.

          Falls die AfD wieder in den Bundestag einziehen würde, bekäme die Erasmus-Stiftung Geld vom Staat. Mit einer solchen Förderung würde das zweifelhafte Geschichtsbild, welches das Führungspersonal der Stiftung vertrete, nicht nur eine offizielle Anerkennung finden, sondern perspektivisch weite Teile der Bevölkerung erreichen, heißt es in dem offenen Brief.

          Weitere Themen

          Revival der Föhnfrisur

          „Saturday Night Fever“ : Revival der Föhnfrisur

          Am Premierenabend riss es bei der Zugabe mit „Stayin’ alive“ alle in der Wasserburg von den Sitzen. „Saturday Night Fever“ bei den Burgfestspielen Bad Vilbel.

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Die Große Koalition erzielt in der Nacht auf Montag einen Kompromiss bei der Grundsteuer (Archivbild von Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD)).

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Schon beim ersten Koalitionsausschuss mit neuer Besetzung erzielt die Bundesregierung einen Kompromiss. Ist das Ausdruck einer neuen Handlungsfähigkeit? Etliche Streitpunkte können jedenfalls nicht gelöst werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.