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Offener Brief an Seehofer : „Kein Geld für NS-Verharmloser“

  • -Aktualisiert am

Offener Brief an Seehofer: Leiter von Gedenkstätten warnen in einem Brief vor der Erasmus-Stiftung der AfD. Bild: dpa

Mehrere Leiter von Gedenkstätten warnen in einem Brief an Innenminister Seehofer vor der Erasmus-Stiftung der AfD: Sie verbreite ein revisionistisches Geschichtsbild.

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          Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem offenen Brief aufgefordert, der Desiderius-Erasmus-Stiftung der AfD keine Zuschüsse aus seinem Haushalt zu gewähren. „Wir wehren uns entschieden dagegen, dass aus Steuergeldern eine Stiftung finanziert wird, die ein Geschichtsbild proklamiert, das NS-Verbrechen verharmlost“, heißt es darin.

          Unter den Erstunterzeichnern des Briefs sind namhafte Wissenschaftler, Gedenkstätten-Leiter und Vertreter von Bildungsorganisationen. So unterschrieben etwa Andreas Eberhardt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Hans-Christian Jasch, der Direktor der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“, und Ruediger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland.

          Anlass für den Brief ist laut Mendel eine Twitter-Nachricht von Max Otte, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Erasmus-Stiftung: „Werden die medial völlig verzerrt dargestellten Vorfälle von Chemnitz zum neuen Reichstagsbrand, zum Auftakt der offiziellen Verfolgung Andersdenkender?“ Mit dieser rhetorischen Frage setze Otte Rechtsradikale und Neonazis, die in Chemnitz Menschen anderer Hautfarbe, Migranten und Journalisten bedroht und gewaltsam angegriffen hätten, mit den Verfolgten des Nationalsozialismus gleich, heißt es in dem Brief.

          Muss Programm der Erasmus-Stiftung geprüft werden?

          Es sei dringend geboten, das Programm der Erasmus-Stiftung, die von der früheren Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordneten und mittlerweile aus dieser Partei ausgetretenen Erika Steinbach geleitet wird, im Hinblick auf ihre politische Bildung, die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und der Erinnerungskultur kritisch zu prüfen.

          Die Relativierung des Holocausts und die Verhöhnung von NS-Opfern geschähen inzwischen auch an Orten des Erinnerns, wie zuletzt der Besuch einer AfD-Gruppe in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gezeigt habe. Dabei hätten Teilnehmer die Existenz von Gaskammern in Zweifel gezogen, lassen die Unterzeichner Innenminister Seehofer wissen.

          Falls die AfD wieder in den Bundestag einziehen würde, bekäme die Erasmus-Stiftung Geld vom Staat. Mit einer solchen Förderung würde das zweifelhafte Geschichtsbild, welches das Führungspersonal der Stiftung vertrete, nicht nur eine offizielle Anerkennung finden, sondern perspektivisch weite Teile der Bevölkerung erreichen, heißt es in dem offenen Brief.

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