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Offenbacher Prügelopfer : Ärzte und Pfleger schnüffelten in Tugces Akte

  • Aktualisiert am

Trauer: Der Tod von Tugce löste großes Mitgefühl aus. Bild: dpa

Das Schicksal der Offenbacher Studentin Tugce Albayrak bewegte Tausende. Offenbar auch das Klinikpersonal. 90 Mitarbeiter lasen die Krankenakte der bekannten Patientin - jetzt drohen Konsequenzen.

          Tausende Menschen hatten sich vor dem Klinikum versammelt, Kerzen und Plakate mitgebracht, Musik gespielt, als drinnen das Offenbacher Prügelopfer Tugce Albayrak um ihr Leben kämpfte. Zehntausende, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, bekundeten Solidarität, als die Studentin schließlich starb.

          Tugces Schicksal machte auch im Sana-Klinikum Offenbach die Runde. 90 Mitarbeiter lasen illegal die Krankenakte. Dies bestätigte das Krankenhaus am Freitag. Rechtlich gesehen ist es Ärzten und Pflegern nicht erlaubt, Akten von Fällen einzusehen, mit denen sie nicht direkt zu tun haben.

          Geschäftsführer Sascha John erklärt, dass die Klinikmitarbeiter, „emotional sehr angegriffen“ gewesen seien. „Das war die Hauptmotivation.“ Menschlich sei das nachvollziehbar - zu entschuldigen sei es aber nicht. Derzeit werde mit allen Beschuldigten gesprochen. Ihnen drohen Ab- oder Ermahnungen, Kündigungen wurden bisher nicht ausgesprochen.

          Doch wie kam das Ganze heraus, rund zwei Monate nach dem Tod der jungen Frau? Das Datensystem der Klinik meldete für November 2014 überdurchschnittlich viele Zugriffe auf Krankenakten. Das machte die Klinikleitung stutzig und fand den Grund der Häufung in Tugces Unterlagen.

          Die Studentin war Mitte November in Offenbach von einem 18-Jährigen niedergeschlagen worden. Knapp zwei Wochen lang lag sie im Koma, bevor die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet wurden. Ihr wurde besonderes Mitgefühl zuteil, weil sie vor dem Angriff zwei Mädchen geholfen haben soll, die von jungen Männern bedrängt worden sein sollen.

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