https://www.faz.net/-gzg-7z7d8

Offenbacher Prügelopfer : Ärzte und Pfleger schnüffelten in Tugces Akte

  • Aktualisiert am

Trauer: Der Tod von Tugce löste großes Mitgefühl aus. Bild: dpa

Das Schicksal der Offenbacher Studentin Tugce Albayrak bewegte Tausende. Offenbar auch das Klinikpersonal. 90 Mitarbeiter lasen die Krankenakte der bekannten Patientin - jetzt drohen Konsequenzen.

          1 Min.

          Tausende Menschen hatten sich vor dem Klinikum versammelt, Kerzen und Plakate mitgebracht, Musik gespielt, als drinnen das Offenbacher Prügelopfer Tugce Albayrak um ihr Leben kämpfte. Zehntausende, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, bekundeten Solidarität, als die Studentin schließlich starb.

          Tugces Schicksal machte auch im Sana-Klinikum Offenbach die Runde. 90 Mitarbeiter lasen illegal die Krankenakte. Dies bestätigte das Krankenhaus am Freitag. Rechtlich gesehen ist es Ärzten und Pflegern nicht erlaubt, Akten von Fällen einzusehen, mit denen sie nicht direkt zu tun haben.

          Geschäftsführer Sascha John erklärt, dass die Klinikmitarbeiter, „emotional sehr angegriffen“ gewesen seien. „Das war die Hauptmotivation.“ Menschlich sei das nachvollziehbar - zu entschuldigen sei es aber nicht. Derzeit werde mit allen Beschuldigten gesprochen. Ihnen drohen Ab- oder Ermahnungen, Kündigungen wurden bisher nicht ausgesprochen.

          Doch wie kam das Ganze heraus, rund zwei Monate nach dem Tod der jungen Frau? Das Datensystem der Klinik meldete für November 2014 überdurchschnittlich viele Zugriffe auf Krankenakten. Das machte die Klinikleitung stutzig und fand den Grund der Häufung in Tugces Unterlagen.

          Die Studentin war Mitte November in Offenbach von einem 18-Jährigen niedergeschlagen worden. Knapp zwei Wochen lang lag sie im Koma, bevor die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet wurden. Ihr wurde besonderes Mitgefühl zuteil, weil sie vor dem Angriff zwei Mädchen geholfen haben soll, die von jungen Männern bedrängt worden sein sollen.

          Weitere Themen

          Ein Leichnam für die Wissenschaft

          FAZ Plus Artikel: Nach dem Tod : Ein Leichnam für die Wissenschaft

          Nach dem Tod will Brigitte Leistikow ihren Körper der Forschung zur Verfügung stellen. Die Entscheidung ist ihr nicht schwergefallen. Doch in die Kartei für Körperspender aufgenommen zu werden ist nicht so einfach.

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Trump und die Demokraten : Loben, um zu tadeln

          Die Demokraten seien zwar eine „lausige“ Partei, aber immerhin hielten sie zusammen, sagt der amerikanische Präsident. Mit seiner Bemerkung zielt Trump auf die eigenen Republikaner.
          Allgemeinmediziner betreuen die „teuersten“ Patienten.

          Profitstreben in Kliniken : Das fatale Sterben „der Inneren“

          Hauptsache lukrativ: Immer mehr Kliniken schließen ihre Allgemein-internistischen Stationen zugunsten von Spezialisten. Leidtragende sind multimorbide Patienten – ausgerechnet deren Zahl aber wächst weiter. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.