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Klimagerechter Verkehr : Offenbach wird Modellstadt

Klimagerecht mobil: zu Fuß, per Bus, möglichst nicht per Auto Bild: Frank Röth

Gemeinsam mit der Hochschule für Gestaltung betreibt die Stadt Offenbach das Projekt InterMoDe. Es soll überregional Beispiel sein für klimagerechte Mobilität in Kommunen.

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          Nicht weniger als ein Modell der kommunalen Mobilität für ganz Deutschland soll das Ergebnis des Projekts InterMoDe sein, das die Stadt Offenbach und die Hochschule für Gestaltung betreiben. Das Vorhaben, das in die zweite Phase tritt, hat das Ziel, den Weg zu einer Kombination verschiedener Verkehrsträger auf Straße und Schiene in einer Kommune zu weisen, die so reibungslos funktioniert, dass der klassische, vom jeweils eigenen Auto dominierte Individualverkehr der Gegenwart überflüssig wird.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Das Offenbacher Projekt hat sich im deutschlandweiten Wettbewerb gegen 45 Konkurrenzvorhaben durchsetzen können. Es wird aus dem Programm MobilitätsWerkStadt des Bundesforschungsministeriums gefördert. Alles in allem beträgt die Fördersumme eine Million Euro.

          Die Notwendigkeit, den Verkehr in den Städten auch auf lange Sicht zu planen, gehört seit jeher zu den wichtigsten Aufgaben von Kommunen. Aber das zentrale Thema des Klimaschutzes stellt zeitlich wie auch qualitativ neue Anforderungen an die Planenden. Dem will die Stadt mit einem Verkehrsentwicklungsplan gerecht werden, der langfristig eine grundlegende Verkehrswende zum Ziel hat.

          Es geht aber auch darum, möglichst schnell die Belastung der Luft durch CO2 und andere Schadstoffe aus Verbrennungsmotoren zu reduzieren. Schließlich ist Offenbach nur einem drohenden Dieselfahrverbot entgangen, weil erste Schritte zur Verkehrswende beschlossen wurden. Dabei ergänzt das Projekt die städtischen Beschlüsse zum Verkehrsentwicklungsplan ideal. Denn was im Detail unter einer Verkehrswende zu verstehen ist, die alle relevanten Gruppen mittragen können, wurde in der ersten Phase des InterMoDe-Projekts im Dialog mit Vertretern der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft definiert.

          Kombi von Radfahren, öffentlichem Nahverkehr und Auto

          Gewollt ist demnach ein gleichermaßen leistungsfähiges wie umweltschonendes Mobilitätssystem in Offenbach. Das Hauptgewicht soll dabei vor dem Hintergrund der Klimakrise auf umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln liegen, also auf der Kombination von Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, öffentlichem Nahverkehr und Auto, wobei dabei vor allem an Carsharing-Angebote gedacht ist.

          In der zweiten Phase des Projektes, die bis 2024 laufen soll, werden auf der Basis dieser Zielvorgaben Mobilitätslösungen schrittweise erarbeitet und ausprobiert. Es geht auch darum, die Akzeptanz immer wieder zu prüfen und zu erhalten. Zudem sieht die zweite Phase des Projekts vor, die kommunale Verwaltung so zu stärken, dass eine Implementierung des neuen Mobilitätssystems geleistet werden kann.

          Projektziel sind aber nicht die intermodale Mobilität, eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs und eine Reduzierung der verkehrsbedingten Schadstoffemissionen. Parallel soll auch allen Bevölkerungsgruppen der Zugang zur neuen Mobilität erleichtert werden. Dazu zählt auch eine verbesserte Aufenthaltsqualität, mehr Sicherheit, eine hohe Verlässlichkeit, Komfort und Gestaltungsqualität.

          Mobilitätsszenarien in 3-D-Simulationen erlebbar machen

          Eine Verkehrssystemdatenbank soll dabei helfen, intermodale Schnittstellen zu identifizieren. Es ist auch daran gedacht, Mobilitätsszenarien in 2-D- und 3-D-Simulationen erlebbar zu machen. Und schließlich sollen in Reallaboren potentielle Nutzerinnen und Nutzer einbezogen werden. Zudem ist vorgesehen, Gestaltungsleitlinien für den Aufbau eines intermodalen Mobilitätssystems zu erarbeiten.

          „Die Schaffung intermodaler Mobilitätssysteme – also von Systemen, die mehrere Verkehrsmittel reibungslos kombinieren – ist ein sehr wichtiges und zukunftsweisendes Thema. Gut zu wissen, dass die Stadt mit der Hochschule einen kompetenten Kooperationspartner hat“, kommentierte Planungs-Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) den Eintritt in die Phase zwei.

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