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Offenbach : Spekulation um MAN-Konzern trifft Roland-Tochter

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Der Betriebsratsvorsitzende der MAN Roland Druckmaschinen AG, Günter Schuster, hält den Standort Offenbach des Unternehmens derzeit nicht für gefährdet. Angesichts der bekanntgewordenen Absicht des VW-Konzerns, ...

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          Der Betriebsratsvorsitzende der MAN Roland Druckmaschinen AG, Günter Schuster, hält den Standort Offenbach des Unternehmens derzeit nicht für gefährdet. Angesichts der bekanntgewordenen Absicht des VW-Konzerns, die Lastwagensparte von MAN zu kaufen und damit die Zerschlagung des Münchener MAN-Konzerns einzuleiten, sagte Schuster auf Anfrage, gegenwärtig sei der Verkauf der Druckmaschinensparte durch die Muttergesellschaft wenig wahrscheinlich. Eine Veräußerung der noch rentablen Teile an dem weltgrößten Hersteller, der Heidelberger Druckmaschinen AG, sei aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich, auch wenn es immer wieder derartige Gerüchte gebe. Das gleiche gilt nach Ansicht von Werner Dreibus, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Offenbach, auch für den Mitbewerber Koenig & Bauer in Würzburg. Allenfalls seien eine "Filetierung" der noch lukrativen Geschäftsteile und deren Verkauf vorstellbar.

          Der Vorstand der MAN Roland AG wollte zu den Vorgängen bei der Muttergesellschaft und den Folgen für das eigene Unternehmen nicht Stellung nehmen. Auch zur Verlegung des Firmensitzes von Offenbach nach Augsburg äußerte sich der Vorstand nicht.

          Für die zirka 3000 Offenbacher Beschäftigten von MAN Roland, der Nummer zwei in der Branche, sieht Schuster vorerst keinen Grund zur Panik. Die Geschäftsleitung verwirkliche derzeit ein mehrere Millionen Euro teures Umstrukturierungsprogramm, wozu unter anderem die Konzentration der Werke an der Mühlheimer Straße gehöre.

          Besorgt äußerte sich Schuster jedoch zu der Absicht der Geschäftsleitung, den Firmensitz von Offenbach, wo Bogenmaschinen hergestellt werden, nach Augsburg zu verlegen. Dort werden Rollenmaschinen produziert. Bei der vorletzten Betriebsversammlung, so Schuster weiter, sei von einem Vertreter der Geschäftsleitung die Verlegung des Firmensitzes angekündigt worden. Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) habe jedoch den Mitarbeitern bei der jüngsten Betriebsversammlung Mut gemacht und gesagt, daß die Stadt Offenbach sehr stark daran interessiert sei, den Firmensitz zu erhalten.

          Auf Anfrage sagte Grandke hierzu, die Stadt habe ein "außerordentlich großes Interesse" daran, den Firmensitz des größten privaten Arbeitgebers in Offenbach zu sichern. Die Kommune habe alle denkbaren Vorleistungen erbracht, um MAN Roland die Entwicklung zu ermöglichen. So gebe es für den seit Ende der achtziger Jahre geplanten Bau eines neuen Südwerks auf dem Gelände hinter den Bahngleisen an der Mühlheimer Straße einen rechtsgültigen Bebauungsplan. Auch unterstütze die Stadt die Verlagerung des Werks von der Christian-Pleß-Straße an die Mühlheimer Straße, damit MAN Roland effizienter arbeiten könne. "Wir wollen, daß sich das Unternehmen in Offenbach entwickelt", sagte Grandke. Mit dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung habe er schon über die Verlegung des Firmensitzes gesprochen; die Gespräche würden fortgesetzt.

          Schuster machte zudem darauf aufmerksam, daß der 1988 zwischen der Stadt Offenbach und MAN Roland geschlossene Kaufvertrag für die Grundstücke zur Errichtung des Südwerks die Beibehaltung des Geschäfts- und Steuersitzes in Offenbach festlege. Allerdings gebe es eine Ausnahmeregelung, die vorsehe, daß der Firmensitz aus "wichtigen Gründen" verlegt werden könne. "Solche ,wichtigen Gründe' können wir nicht erkennen", sagte der Betriebsratsvorsitzende. Dreibus bezeichnete die Entscheidung der Geschäftsleitung, den Firmensitz zu verlegen, als falsch. In der jetzigen Lage sei das sehr ungeschickt, da so die Unruhe in der Belegschaft und in der Öffentlichkeit erhöht werde. Derzeit baut die Geschäftsleitung nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat mehr als 500 Arbeitsplätze ab (ajw)

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