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Offenbach : Schulleiter rufen Land zu Hilfe

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Die Leiter der 30 Offenbacher Schulen haben die Landesregierung aufgefordert, den Schulen zusätzliche Lehrer und Fördermittel bereitzustellen. Zur Begründung verwiesen die seit 1994 in der "Interessengemeinschaft ...

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          Die Leiter der 30 Offenbacher Schulen haben die Landesregierung aufgefordert, den Schulen zusätzliche Lehrer und Fördermittel bereitzustellen. Zur Begründung verwiesen die seit 1994 in der "Interessengemeinschaft Offenbacher Schulleitungen" (Igos) zusammengeschlossenen Leiter auf die "schwierige Sozialstruktur Offenbachs und die schlechte Finanzlage der Stadt". Für den Igos-Vorstand sagte Renate Stiebing, Leiterin der Leibnizschule, die Vereinigung trete erstmals an die Öffentlichkeit, weil sie mit einer Entwicklung konfrontiert sei, die sie nicht gutheißen könne. Sie werbe bei der Landesregierung dafür, daß sie die besonderen Bedingungen an den Offenbacher Schulen künftig berücksichtige.

          Zu den Forderungen der Schulleiter gehört außerdem, daß die Stadt als Schulträger und das Staatliche Schulamt, das für die Zuweisung der Lehrer zuständig ist, sowie die Schulleiter sich an einen Tisch setzen, um über die Entwicklung an den Schulen zu beraten. Ein solches Treffen hat nach Angaben von Volker Stürzer, Leiter der Edith-Stein-Schule, noch nie stattgefunden. Die Schulleiter kritisierten zudem, daß in den vergangenen Jahren häufig die Zuständigkeiten bei den städtischen Gesellschaften für die Schulsanierung gewechselt hätten.

          Empört äußerten sich die Pädagogen, daß das Kultusministerium für das nächste Schuljahr noch keine Lehrerzuweisung vorgenommen habe. "Ich weiß, welcher Lehrer abgeht, aber ich weiß nicht, welcher Lehrer nach den Sommerferien die Klasse führt", sagte Gerd Beitler von der Beethovenschule. "Wir können keine Stundenpläne machen und werden zum Nichts gezwungen", betonte Stiebing. Für die Berufsschulen sagte Heinrich Kößler, die besten Bewerber würden derzeit von Bayern und Baden-Württemberg schon abgeworben.

          Nach Ansicht der Schulleiter verschärft die Ungewißheit über die Lehrerzuweisung die Lage an den hiesigen Schulen. Nach Angaben Eckhart Hengels von der Mathildenschule sollten zuerst die Klassen verkleinert werden. Statt 28 Kindern sollten künftig nur noch 22 in einer Grundschulklasse unterrichtet werden, was dem Landesdurchschnitt entspräche. Das setze aber voraus, daß genügend Klassenräume vorhanden seien, was gegenwärtig schon nicht mehr zutreffe. Ohne eine Verkleinerung der Klassen könnten die Kinder von Zuwanderern aber nicht wirklich gefördert werden. In der Innenstadt seien in einigen Schulklassen bis zu 90 Prozent der Kinder ausländischer Herkunft. Beitler machte zudem deutlich, daß die bisher eingerichteten Vorlaufkurse zum Erlernen der deutschen Sprache nicht ausreichten. Für 13 Grundschulen gebe es nur sechs Klassen. Wenn man nun der Anweisung des Kultusministeriums folge und Kinder wegen fehlender Deutschkenntnisse zurückstelle, dann könnten sie in keiner Klasse aufgenommen werden.

          Ulla Rühl von der Ludwig-Dern-Schule, einer Sonderschule, sagte, daß es immer schwieriger werde, an der Schule zu unterrichten. Man habe bereits zwei Klassen wegen des Mangels an Lehrern zusammenlegen müssen. Für die Berufsschulen appellierte Kößler an die Offenbacher Stadtverordneten, die Erweiterung des Berufsschulzentrums auf dem Buchhügel bis 2005 vorzunehmen. Angesichts fehlender Klassenräume gebe es jetzt schon Wartelisten, zum Beispiel für das Berufsgrundbildungsjahr. (ajw)

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