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Corona-Fälle in Offenbach : Land will noch nicht eingreifen

Appelliert an die Einhaltung der Hygieneregeln: Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) geht mit Alltagsmaske und guten Beispiel voran. Bild: Marcus Kaufhold

Die Corona-Fälle in Offenbach häufen sich, aber die hessische Regierung hält die Füße still – und appelliert an die Bürger, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und Alltagsmasken zu tragen.

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          Nach einem sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen am Wochenende sind in Offenbach am Dienstag nur fünf neue Corona-Fälle hinzugekommen. Dennoch nimmt die Stadt beim Sieben-Tage-Vergleich landesweit weiterhin den Spitzenplatz ein: mit 39 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (Vortagswert: 36). Zudem meldete das Stadtgesundheitsamt am Dienstagabend, dass ein vierjähriges Kind, das bis vor einer Woche eine Offenbacher Kita besucht habe, positiv getestet worden sei, ebenso seine ganze Familie. Da alle Kontaktpersonen bekannt und in Quarantäne seien, müsse die Einrichtung aber nicht komplett geschlossen werden.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Wegen der jüngst stark gestiegenen Zahlen, für die allen voran Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie Teilnehmer einer Ausflugsfahrt und deren Angehörige verantwortlich gewesen sind, hat Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) alle Bürger um Rücksichtnahme gebeten. Das gelte umso mehr für Besuche in Alten- und Pflegeheimen, die man ausdrücklich nicht verbieten wolle. Gleichwohl sollten sich Besucher und Besuchte möglichst im Freien oder in großen Räumen treffen.

          Polizei und Ordnungsamt sollen laut Schwenke zudem stärker darauf achten, dass Vorschriften eingehalten werden, etwa das Tragen von Mund-Nase-Schutz. Außerdem seien Plakate und Flugblätter in Arbeit, mit denen die Bevölkerung informiert werden solle. Einiges wurde in Offenbach aber schon verboten: zum Beispiel Grillfeste und Picknicks auf öffentlichen Flächen. Auch Sport darf vorerst nur in kleineren Gruppen und kontaktlos gemacht werden.

          Nach Angaben der Stadt befinden sich drei Covid-19-Patienten, deren Zustand stabil ist, im Krankenhaus. Weitere 61 positiv Getestete habe man in häusliche Quarantäne geschickt. Deutlich mehr, nämlich 377 Männer, Frauen und Kinder, müssten als potentiell gefährdete Kontaktpersonen vorsorglich ebenfalls bis auf weiteres zu Hause bleiben.

          12.199 offizielle Corona-Fälle in ganz Hessen

          Für ganz Hessen wurden am Dienstag 12.199 bestätigte Corona-Fälle (plus 57) gemeldet. Die Zahl der durch die Pandemie verursachten Todesfälle erhöhte sich laut Statistik um einen Fall auf 521. Trotz der Infektionsfälle in Offenbach, aber auch in Wiesbaden und Niedernhausen sieht die Landesregierung keinen Anlass zum Eingreifen. Am Beispiel Offenbach zeige sich, dass das vom Land vorgegebene Stufenkonzept für den Umgang mit lokal begrenzten Ausbrüchen „gut funktioniert“, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Nach wie vor entwickelten sich die Infektionszahlen in den Städten und Kreisen unterschiedlich. Darum sei es richtig, dass die Behörden an Ort und Stelle entsprechend reagierten – jeweils in Absprache mit dem Planungsstab im Ministerium und mit Blick auf die konkreten Sieben-Tage-Infektionswerte.

          Auch im Kultusministerium beschränkt man sich momentan darauf, das Infektionsgeschehen zu beobachten. Der Schulunterricht beginnt in Hessen am 17. August. „Wir müssen da jetzt keinen Schnellschuss machen“, sagte ein Sprecher. Der Corona-Hygieneplan sieht vor, dass es im Unterricht keinen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Schülern, Lehrern und Betreuern geben muss. Lehrer können sich zudem in der letzten Ferienwoche auf eine Infektion testen lassen. Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in den Klassenzimmern soll weiterhin nicht verpflichtend sein; auf dem Pausenhof etwa kann die Schulleitung das allerdings verlangen.

          In Wiesbaden und Niedernhausen appellieren die politisch Verantwortlichen nach vielen Infektionsfällen bei einem privaten Sommerfest und in einem Altenheim an die Bürger, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sowie die Maskenpflicht wieder stärker zu beachten. Herbert Koch (CDU), Kreisbeigeordneter im Rheingau-Taunus-Kreis, sagte nach der jüngsten Sitzung des Krisenstabs, das Tragen einer Maske werde leider immer öfter als Qual empfunden. In Supermärkten, Geschäften und Restaurants seien mehr Gäste, Kunden und Mitarbeiter ohne Maske zu sehen. Der Stab habe seinen Fokus auf die Reiserückkehrer gerichtet. An sie appelliert die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, Renate Wilhelm, sich nach dem Urlaub auf das Coronavirus testen zu lassen. „Denn eine Garantie, dass man sich in einem bestimmten Urlaubsland nicht anstecken kann, gibt es nicht.“

          Wie berichtet, lag für den Landkreis die Infektionszahl des Robert-Koch-Instituts für die zurückliegenden sieben Tagen bei 22 Neu-Ansteckungen je 100.000 Einwohner. Allerdings gebe es im Kreis „kein unkontrolliertes Infektionsgeschehen“, weil die erhöhte Zahl in Verbindung mit einem Pflegeheim in Niedernhausen und mit Urlaubsreisen in Verbindung stehe, heißt es.

          In Wiesbaden appellierten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Bürgermeister Oliver Franz (CDU) ebenfalls an die Bürger, sich an die Hygieneregeln zu halten und Alltagsmasken zu tragen. Beide forderten ferner dazu auf, die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts zu installieren.

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