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Offenbach nach der Wahl : Internet-Dialog und Straßengespräche

  • -Aktualisiert am

Schüler der Offenbacher Leibnitzschule diskutierten vor der Kommunalwahl rege mit Politikern - wie viele von ihnen nun an der OB-Wahl teilgenommen haben? Bild: Michael Kretzer

Offenbachs neuer Rathauschef ist der alte. Doch nach der Stichwahl wird über die erbärmliche Wahlbeteiligung diskutiert. Und darüber, wie wieder mehr Wähler gewonnen werden können.

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          Die auf einen historischen Tiefstand gesunkene Beteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag in Offenbach hat eine Diskussion darüber ausgelöst, wie künftig Wähler zur Stimmabgabe bewegt werden könnten. So schlägt Reinhard Knecht, Leiter des Referats Ehrenamt, eine länger dauernde Informationskampagne vor, deren Träger die Stadtverordnetenfraktionen sein könnten. Der Rhein-Main-Zeitung sagte Knecht, es komme darauf an, mit den Bürgern unabhängig von Wahlkämpfen in den Wohnvierteln zu sprechen, sie über ihre staatsbürgerlichen Rechte und Einflussmöglichkeiten zu unterrichten.

          An der Stichwahl, in der Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) mit deutlichem Abstand vor dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Freier erfolgreich war, beteiligten sich nur 24,3 Prozent der Wahlberechtigten – 19.578 Bürger. Beim ersten Durchgang waren es noch 664 Wähler mehr gewesen (25,3 Prozent der Berechtigten), die ihre Stimme abgaben.

          Seit 1993 immer weniger Wähler

          Seit der ersten Direktwahl für das Oberbürgermeisteramt 1993 ist die Wahlbeteiligung in Offenbach nahezu kontinuierlich zurückgegangen. Lag damals im ersten Wahlgang die Beteiligung noch bei 44,2 Prozent, so sank sie in der Stichwahl, bei der Kämmerer Gerhard Grandke (SPD) und Sozialdezernent Stefan Grüttner (CDU) antraten, auf 37,1 Prozent. In der Wahl 1999 betrug die Wahlbeteiligung 36,2 Prozent. Damals schlug Grandke den CDU-Fraktionsvorsitzenden Günther Hammann. 2005 stieg die Wahlbeteiligung auf 38,9 Prozent. Zum Oberbürgermeister wurde der Sozialdemokrat Schneider gewählt, der knapp vor dem CDU-Kandidaten Alfred Kayser lag.

          In Wahlbezirken mit einem hohen Anteil von Migranten betrug die Wahlbeteiligung bei der aktuellen Stichwahl zum Teil nur etwa zehn Prozent. Mit 4,9 Prozent war der Wahlbezirk 7, der Teile der Andréstraße und der Bettinastraße im nachindustriellen Stadtteil Nordend umfasst, das Schlusslicht. Die höchste Wahlbeteiligung weist der Wahlbezirk 77 mit 37,7 Prozent auf. Im Stadtteil Rumpenheim gelegen, ist das Gebiet zwischen Kurhessenstraße und Schlossgartenstraße eines der bürgerlichen Viertel Offenbachs.

          Grüne: Soziale Netzwerke nutzen

          Nun regte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Peter Schneider an, künftig stärker die elektronischen Medien und sozialen Netzwerke zu nutzen, um junge Wähler für die Teilnahme an den Wahlen zu gewinnen. Mit Blick auf den Erfolg der Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sagte Schneider, auch in Offenbach müsse nach neuen Wegen gesucht werden, um junge Leute für die demokratischen Wahlen zu interessieren: „Für viele junge Menschen ist das Internet nicht eine virtuelle, sondern eine reale Welt. So nutzen und verstehen sie diese.“

          Unterdessen warnte Ralf Theisen, Sozialplaner der Stadt Offenbach, davor, aus der Wahlbeteiligung in den einzelnen Wahlbezirken und der dortigen Sozialstruktur vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Aus Besonderheiten in Offenbach wie etwa dem hohen Anteil an Migranten, Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern ließen sich noch keine Verbindungen zur Wahlbeteiligung herstellen. Es fehlten wissenschaftliche Untersuchungen.

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