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Offenbach : Im Bernardbau eröffnet das "Haus der Stadtgeschichte"

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Am Wochenende ist es soweit: Nach einer Vorbereitungszeit von mehreren Jahren wird das neue Stadtmuseum in Offenbach eröffnet. Neues Domizil des Museums ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der ...

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          Am Wochenende ist es soweit: Nach einer Vorbereitungszeit von mehreren Jahren wird das neue Stadtmuseum in Offenbach eröffnet. Neues Domizil des Museums ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der ehemaligen Schnupftabakfabrik "Gebrüder Bernard" in der Herrnstraße 61, die Offenbachs erste Fabrik war. Die Stadt nutzte den Umzug aus der ehemaligen Villa im Dreieich-Park in den 1896 errichteten sogenannten Bernardbau, um das Museum neu zu gestalten. Dabei arbeitete Museumsleiter Jürgen Eichenauer mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) zusammen. Bereits vor einiger Zeit war das Stadtmuseum mit dem Stadtarchiv zum "Haus der Stadtgeschichte" vereinigt worden. Das von Hans-Georg Ruppel geleitete Archiv ist seit mehr als einem Jahrzehnt im Bernardbau untergebracht. Nach Angaben des Kulturdezernenten Stephan Wildhirt (SPD) hat der in Zusammenarbeit mit einem Bauunternehmen aus Regensburg ausgeführte Umbau des Gebäudes zirka 1,2 Millionen Euro gekostet; für den Umzug habe die Stadt 40000 Euro ausgegeben.

          Im Bernardbau verfügt das Stadtmuseum über eine 576 Quadratmeter große Fläche, fast 170 Quadratmeter mehr als bislang. Das Museum erstreckt sich auf zwei Ebenen, wie Eichenauer erläuterte. Die Grundidee sei, die "Stränge der Stadtgeschichte bis in die Gegenwart zu führen". So wird im Erdgeschoß die Geschichte Offenbachs chronologisch dargestellt: von der Vor- und Frühgeschichte über das Fischerdorf zur Industriestadt bis zur Gegenwart mit dem Wandel zum Dienstleistungszentrum.

          Mit der "Industriehalle" ist ein Raum vorhanden, der für Wechselausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden soll. Im ersten Stockwerk wurde eine Gemäldegalerie untergebracht, die bislang nicht gezeigte Werke aus dem Museumsbesitz präsentiert, zum Beispiel Arbeiten von Georg Oswald May und Georg Heinrich Hergenröder. Der größte Teil des Raumes wird von einem "Thementableau" gefüllt, das den Blick auf "verlorene Geschichten" und "vergessene Orte" lenken soll: Goethes Besuche in Offenbach, die Schriftstellerin Sophie von La Roche, den Sport in der Stadt, das jüdische Leben, das Wirken der Hugenotten. Eichenauer zufolge sollen die auf Stelen angebrachten Texttafeln dem Besucher eine "Erstinformation" vermitteln. Wer mehr zu einem Thema wissen will, kann am Bildschirmterminal im ersten Stockwerk weitere Informationen aus dem Computer abrufen.

          Für die Gestaltung verantwortlich war eine Projektegruppe der HfG unter Leitung der Professoren Siglinde Spanihel und Dieter Lincke. In der Gruppe arbeiteten die Studenten Saira Hussain, Rosaria Messina, Annette Pfisterer und Daniel Weitenauer mit, hinzu kamen Absolventen wie Wolfgang Hofbauer und Marc Dörsam, die die interaktive PC-Präsentation erstellt haben. Leitidee der Gestaltung ist nach Aussage Spanihels, "die Exponate in den Vordergrund zu stellen". Statt eine Reizüberflutung zu erleben, komme der Besucher in einen ruhigen Raum, in dem Design und Erklärungen zurückträten: "Wir können mit den Exponaten nur Anregungen geben. Alles andere spielt sich im Kopf des Besuchers ab." Die Farben, die von Studenten für die Wände und Böden gewählt wurden, sind verhalten: Weiß, Grau und Beige überwiegen. Die Möblierung ist sparsam: wenige Vitrinen in großen Räumen und in den Vitrinen oft nur wenige Objekte. Im Erdgeschoß wurden durch Exponate Akzente in der Raumgestaltung gesetzt, zum Beispiel mit dem in einem durchsichtigen Sarg aufbewahrten Skelett eines fränkischen Mädchens aus dem 6. Jahrhundert nach Christi oder dem in einer Nische aufgestellten "Rumpenheimer Wagengrab", der Stangenpresse von Alois Senefelder, Erfinder der Lithografie, und einer Wand mit Lithografie-Steinen. Im ersten Stockwerk prägen die Podeste des "Thementableaus" den Raum. Der Besucher kann sich auf die Podeste setzen, die Exponate betrachten und die Informationsblätter lesen. Spanihel, Lincke und Wildhirt halten dieses "modular aufgebaute" Ausstellungssystem, das einen Wechsel der Themen und Objekte ermöglicht, für vorbildlich und in der Rhein-Main-Region "einmalig".

          Für Rosaria Messina und ihre Kommilitonen war die sechsmonatige Arbeit an dem Projekt ein gutes Training für den Beruf. Die 30 Jahre alte Studentin, die bald ihr Diplom als Produktgestalterin machen will, hat nicht nur gelernt, wie man ein Gestaltungskonzept entwirft, sie hat auch einiges über ihre Geburtsstadt Offenbach erfahren. "Vieles ist verschwunden, zum Beispiel das Parkbad. Wir wollen, daß die Leute mit ihren Fragen hierherkommen und im Museum die Antwort finden."

          Offiziell eröffnet wird das "Haus der Stadtgeschichte" am Sonntag. Zwischen 17 und 22 Uhr können die Besucher bei freiem Eintritt das Museum besichtigen. Mitarbeiter erläutern jede halbe Stunde bei Führungen die Gestaltung des Museums. ajw.

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