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Nach Obertshausen ausgewichen : Offenbach für extreme Rechte der AfD tabu

Bestellte einen Sicherheitsdienst, um die Absage an die AfD-Rechte in jedem Fall durchzusetzen: Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke Bild: dpa

Die AfD-Rechte hält ein deutschlandweit beworbenes Treffen trotz Absage in einem Vereinslokal ab. Aber nicht in Offenbach, sondern in Obertshausen. Hausener zeigen sich entsetzt. Der AfD-Landesverband distanziert sich.

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          Ursprünglich sollte das Treffen, zu der die äußerste Rechte der AfD eingeladen hatte, im Bürgerhaus im Offenbacher Stadtteil Rumpenheim stattfinden. Doch nachdem die Stadt den ahnungslosen Pächter dort darüber in Kenntnis gesetzt hatte, wem er da Räume des im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft befindlichen Hauses vermietet hat, wurde die Veranstaltung umgehend abgesagt. Zusätzlich bestellte die Stadt einen Sicherheitsdienst, um die Absage in jedem Fall durchzusetzen, wie Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) am Sonntag erläuterte.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die ahnungslose Familie Singh, die im Obertshausener Stadtteil Hausen auf dem Gelände des dortigen Turnvereins ein indisches Restaurant betreibt, hatte weniger Glück. Sie wurde am Sonntag unfreiwilliger Gastgeber des AfD-Treffens. Wie Geschäftsführer Harbinder Singh im Gespräch mit der F.A.Z. sagte, hatte am späten Samstagabend jemand angerufen und kurzfristig einen Saal für bis zu 100 Gäste gesucht. Man habe nicht gesagt, dass es sich um eine politische Veranstaltung von AfD-Mitgliedern handeln sollte.

          Durch die Hintertür

          Er habe den Anrufer für den Sonntag um 11 Uhr zu einem Gespräch über Details gebeten. Doch als er kurz nach 11Uhr an seinem Restaurant eingetroffen sei, seien etliche Personen bereits im Haus gewesen, das für Reinigungskräfte geöffnet war. Als er erfahren habe, wer da zu Gast ist, habe er die Verantwortlichen aufgefordert, die Veranstaltung zu beenden und zu gehen. Doch dieser Bitte folgten die AfD-Mitglieder nicht. Nachdem der herbeigerufene Vereinspräsident Alexander Fischer eingetroffen war und die Veranstalter abermals aufgefordert hatte, das Gelände zu verlassen, gingen die ersten Teilnehmer gegen 15.30 Uhr durch die Hintertür. Darunter war auch Andreas Handt aus Nordrhein-Westfalen. Er hatte zusammen mit dem baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Stefan Räpple und Benjamin Nolte aus Bayern zu der Zusammenkunft eingeladen. Alle drei gelten als Vertreter der äußersten Rechten in der AfD. Beworben worden war das Treffen auch von Doris von Sayn-Wittgenstein, die wegen ihrer extremen Positionen aus der Partei ausgeschlossen wurde.

          Klaus Herrmann, neben Robert Lambrou einer der zwei Sprecher des AfD-Landesverbands Hessen, sagte auf Nachfrage, dass die 60 bis 65 Männer und Frauen, die nach Hausen gekommen waren, keinesfalls repräsentativ für eine Parteiströmung von nennenswerter Größe seien. Herrmann hob hervor, dass der Landesverband seinen Mitgliedern zuvor empfohlen hatte, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Zu hören war, dass die Gemäßigten in der Partei befürchteten, das Treffen sei ein Versuch der extremen Rechten in der AfD gewesen, sich strategisch auf den nächsten Bundesparteitag vorzubereiten. Dort wollten sie die Unvereinbarkeitsbeschlüsse kippen, mit denen die AfD versucht, sich gegen die extreme Rechte abzugrenzen, beispielsweise die Identitäre Bewegung, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird.

          Hausener Einwohner zeigten sich am Sonntag entsetzt: Es sei schrecklich, dass der arme Wirt so hinters Licht geführt worden sei. Aber die Polizei habe zum Glück gleich die Straßen abgeriegelt, sagte Eva Baran. Tatsächlich hielten die vielen Beamten rund 100 Gegendemonstranten davon ab, auf das Vereinsgelände zu kommen. Und so skandierten die überwiegend sehr jungen Leute Sequenzen wie „Nazis raus“ auf der Straße vor dem Areal.

          Mit großer Sorge reagierten Einwohner mit ausländischen Wurzeln wie Abusukhen Hassan. Angesichts der Morde von Hanau habe er seinen jüngeren Brüdern verboten, wie sonst sonntags üblich auf dem Sportfeld hinter dem Lokal Fußball zu spielen.

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