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Offenbach : Die Tage des Toys“R“Us-Gebäudes sind gezählt

Bis zu 13 Obergeschosse soll das neue Gebäude, in dem jetzt Toys“R“ Us untergebracht ist, erhalten. Bild: AP

Ein Vorhabenbezogener Bebauungsplan soll den Weg für neues Wohn- und Geschäftshaus in der Offenbacher Innenstadt bereiten. Das Spielwarengeschäft soll in dem Gebäude bleiben.

          Das aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Toys“R“Us-Gebäude in der Offenbacher Innenstadt mit dem in den Obergeschossen untergebrachten unansehnlichen Parkhaus soll einem attraktiven Neubau weichen: Nach den Plänen des Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler möchte die Wase GmbH ein aus zwei Gebäudeteilen bestehendes Wohn- und Geschäftshaus mit bis zu 13 Obergeschossen auf dem Areal zwischen Berliner Straße, Schlossstraße, Ziegelstraße und Großer Biergrund errichten. Hinter dem Unternehmen steht der Investor Michael Dietrich, der in unmittelbarer Nachbarschaft schon das Projekt „Wohnen am spitzen Eck“ verwirklichte. Der Name der Wase GmbH leitet sich daraus ab.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Vorgesehen ist, dass der Investor das städtische Grundstück erwirbt, auf dem das Toys“R“Us-Center steht. Das im Erbbaurecht entstandene Gebäude gehört ihm schon seit einiger Zeit. Die Stadtverordneten beschlossen am Donnerstagabend, dass für Abriss und Neubau ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wird. Der kurzfristig eingebrachten Magistratsvorlage verhalfen die Koalitionsfraktionen CDU, Die Grünen, FDP und Freie Wähler gemeinsam mit der SPD zur Mehrheit.

          Kindertagesstätte im Neubau geplant

          Auf Toys“R“Us werden die Kunden an der gewohnten Stelle auch künftig nicht verzichten müssen. Die Machbarkeitsstudie für das Projekt, dessen Investitionssumme bei etwa 80 Millionen Euro liegen dürfte, weist eine Brutto-Grundfläche von rund 39600 Quadratmetern aus. Davon sind 13200 Quadratmeter für Wohnen vorgesehen. Zur Ziegelstraße hin könnte etwa ein „Boarding House“ oder Hotel plaziert werden. 3125 Quadratmeter sind für Büros, 6100 Quadratmeter für Geschäfte gedacht. Außerdem sollen innerhalb des östlichen Baublocks 390 Auto-Stellplätze entstehen, von denen 187 öffentlich zu nutzen sind.

          Der sogenannte Feldherrenhügel an der Berliner Straße mit dem an Hollywood erinnernden Schriftzug „Offenbach“ wird bebaut und daher verschwinden. Auf dem Dach des Toys“R“Us-Gebäudes befand sich früher eine vom Internationalen Bund betriebene Kindertagesstätte, die schon ausgelagert wurde. Eine Kindertagesstätte soll es auch in dem Neubau geben: Die Machbarkeitsstudie sieht dafür rund 430 Quadratmeter vor. Wichtig sei, dass im Zentrum der Stadt nicht wieder ein Parkhaus mit darunter angeordnetem Einzelhandel und einem „nicht definierten Straßenraum“ entstehe, sondern ein Gebäude, „das Städtebau macht“, hob Mischa Bosch, Partner von Mäckler, gestern hervor.

          Von Anfang an habe man mit dem Neubau für städtebauliche Ordnung sorgen wollen: Mit den beiden Gebäudeteilen werde der Ort städtebaulich sortiert und bereinigt. Das heutige Gebäude unterbreche die Nord-Süd-Verbindung zwischen Zentrum und Main. Mit einem Durchgang zwischen den beiden geplanten Gebäudeteilen werde die Sandgasse zum Wilhelmsplatz hin geöffnet. Damit werde auch eine Entwicklung zur Sandgasse hin möglich.

          Als „Grund zur Freude“ bezeichnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Roland Walter am Donnerstag, dass das trennende und hässliche Toys“R“Us-Bauwerk verschwinde. Walter kritisierte allerdings, dass monatelang Vorschläge und Planungen kursiert seien, die „nicht genehmigungsfähig“ gewesen seien. Die Koalition habe sich in monatelanger Arbeit „mit Entwürfen beschäftigen müssen, die nicht unserem Qualitätsanspruch genügten.“ Man habe erreicht, dass es einen Durchbruch zur Sandgasse gebe, der wichtig sei, um den Baukörper nicht zu groß werden zu lassen, sagte Walter. Zur Ziegelstraße hin werde der Neubau nicht höher als die bestehenden Gebäude. Der höchste Gebäudeteil werde wie schon bisher an der Sandgasse stehen, nicht an der Schlossstraße, Ecke Berliner Straße. Nach dem Willen der Koalition sollen 500000 Euro vom Kaufpreis des Grundstücks dafür verwendet werden, die Versiegelung des Feldherrenhügels mit einer anderen Grünfläche etwa an der Domstraße zu kompensieren.

          25 Monate Bauzeit: harte Belastungsprobe für die Innenstadt

          Auch nach Ansicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Oliver Stirböck wurde der erste Investorenvorschlag gemeinsam verbessert; es sei eine „gute Lösung“ herausgekommen. Sybille Schumann (Die Grünen) sagte, der Verlust an öffentlichem Freiraum bereite Schmerzen. Allerdings sei der Feldherrenhügel nicht wirklich zu nutzen gewesen. „Der Erfolg hat viele Väter“, machte Ulla Peppler (SPD) deutlich; das sehe man an diesem Projekt. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) habe sich seit langem bemüht, „dass der Klotz wegkommt“; nun sei ein Investor dafür gefunden. Sie sei froh, dass ein gutes und vorzeigbares Projekt herausgekommen sei. Alles nur auf die Fahne der Koalition zu heften, sei „etwas dreist“.

          Bosch, der die gute Kooperation mit der Stadt hervorhob, rechnet damit, dass der Bebauungsplan etwa in einem Jahr vorliegt. Sobald die Baugenehmigung erteilt sei, werde mit Abriss und Neubau begonnen. Im Sommer 2018 könnte es so weit sein. Die Bauarbeiten dürften zwei Jahre in Anspruch nehmen. Bosch hält es für sinnvoll, den geplanten Umbau des Marktplatzes und die Arbeiten für den Neubau auf dem Toys“R“Us-Areal gleichzeitig vorzunehmen. Die Einzelhändler hätten dann nur mit einer statt mit zwei Großbaustellen hintereinander zu tun.

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          Die Stadtverordneten nahmen am Donnerstag die bisher vorliegenden Pläne zum Umbau des Marktplatzes zur Kenntnis und stimmten mit großer Mehrheit zu, weitere Planungsleistungen zu vergeben. Der sogenannte Projektbeschluss soll im August folgen. Wichtig sei, die Erreichbarkeit der Innenstadt zu gewährleisten, sagte Stirböck. Die Aufenthaltsqualität des Marktplatzes solle sich durch den Umbau erhöhen.

          Die Industrie- und Handelskammer Offenbach hatte schon vor einigen Tagen ein umfassendes und professionelles Baustellenmanagement gefordert. Dafür müsse die Stadt 200000 Euro und zwei Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Mindestens 25 Monate Bauzeit seien eine harte Belastungsprobe für die Innenstadt, da gleichzeitig auch der Kaiserleikreisel umgebaut und das Toys“R“Us-Gebäude abgerissen und neu gebaut würden.

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