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Oberursel : Zwölf Quadratmeter auf zwei Etagen

Ein bisschen Alte Oper: Das früherer Trafohäuschen am Bahnhof in Oberursel ist zum Wohnhaus umgebaut worden. Bild: Wolfgang Eilmes

Große Gebäude zu erhalten erfordert großen Aufwand. Achim Schollenberger wollte es deshalb mehrere Nummern kleiner, ohne auf den großen Auftritt zu verzichten.

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          Andere bringen mit viel Geduld Segelschiffe in Flaschen unter oder erfüllen sich im Keller maßstabsgerecht den Lokführertraum ihrer Kindheit. Das Hobby von Achim Schollenberger sind Immobilien. Dafür ist im Frankfurter Umland normalerweise eine üppige Erbschaft hilfreich. Es sei denn, man übt sich in der Kunst der Beschränkung. Auf ein 22-Quadratmeter-Grundstück in isolierter Lage zum Beispiel. Denn zwischen Bahndamm dahinter und Straße davor gibt es keine Erweiterungsmöglichkeit.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Schollenberger hat eine ausgemusterte Trafostation im Oberurseler Stadtteil Stierstadt gekauft. Die bietet immerhin zwei Geschosse plus Dachboden. Nach Abzug der Treppe bleiben knapp zwölf Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Ebenen. Darin könnte man gut Gartengeräte abstellen. Mangels Garten hatte Schollenberger eine andere Idee. Er richtet gerade das kleinste Wohnhaus Oberursels her.

          Für die Nutzungsänderung in ein Wohnhaus wurde er belächelt

          Der 54 Jahre alte Architekt, der bei der Stadt Neu-Anspach in der Hoch- und Tiefbauverwaltung arbeitet, hatte länger nach einem geeigneten Objekt Ausschau gehalten. Durch seinen Beruf wusste er, was ihn erwartet. „Manche Kumpels liebäugeln mit alten Hofreiten.“ Schollenberger rät in solchen Fällen eher ab. „Irgendwann sind die Kinder weg, und man muss eine große Baumasse unterhalten.“ Die ist bei einem Trafohäuschen ziemlich übersichtlich. Was nicht heißt, dass es bei dem vermutlich aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammenden Bauwerk nicht genug zu tun gäbe. „Die Dachbalken waren faul, so dass wir die ganze Konstruktion erneuern mussten, und ein Wespennest war natürlich auch drin.“ Wie zuvor sitzt wieder ein Türmchen auf dem Satteldach. An Originalteilen blieb allerdings nur die Kugel auf der Spitze.

          Schollenberger hat sich vom hiesigen Netzbetreiber mehrere ausgemusterte Trafostationen zeigen lassen. Manche sind inzwischen abgerissen. Bei einer in Liederbach hätte er 25 Meter Entwässerungsgraben ziehen müssen. Für diejenige in Stierstadt lagen alle Anschlüsse in der Straße, die noch dazu vor zwei Jahren saniert worden war – das Startsignal für seinen eigenen Umbau. Als Schollenberger bei der Stadt Oberursel die Bauvoranfrage für die Nutzungsänderung in ein Wohnhaus stellte, wurde er belächelt. Damit hatte er gerechnet. Die städtische Stellplatzsatzung hätte das Vorhaben hingegen fast scheitern lassen, denn zu Trafostationen gehört normalerweise kein Parkplatz.

          Sich von der Verpflichtung freizukaufen kam nicht in Frage. Die 10 000 Euro Ablösesumme wäre höher als der Kaufpreis gewesen. Also suchte Schollenberger in der Umgebung. „Ich wollte auf dem nahen Supermarktgelände einen Parkplatz mieten, aber die Eigentümergesellschaft sitzt in London.“ Wie sich herausstellte, hatte er einen Trumpf in der Hand: „Der Bürgersteig gehört mir.“ Nach vielen Verhandlungen fand sich eine Lösung, deren Komplexität umgekehrt proportional zur Größe des gesamten Objekts ist. Schollenbergers Parkplatz besteht aus drei Teilen: Ein Drittel gehört ihm, ein weiteres hat er von der Deutschen Bahn gemietet und für den Rest eine Dienstbarkeit mit der Stadt Oberursel vereinbart.

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