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Oberbürgermeister-Wahl : Ein Abend mit Überraschung: „Das ist der Hammer“

So sehen Sieger aus: Michael Korwisi von den Grünen, der als Unabhängiger antrat, neben seiner Frau Bild: Michael Kretzer

Nach dem ersten Wahlgang in Bad Homburg strahlt der vorläufige Sieger Michael Korwisi. Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr ist „erstaunt“. Nun wird die Stichwahl entscheiden.

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          „Das ist wie bei einem Marathonläufer, der sich dem Ziel nähert“, sagt Michael Korwisi (Die Grünen). „Deshalb bin ich auch schon um fünf nach sechs gekommen.“ Obwohl von einem Ergebnis zu diesem Zeitpunkt im Saal 133 des Rathauses noch lange nichts zu sehen war, schüttelte Korwisi Hand um Hand und nahm Glückwünsche entgegen. Das musste selbst für Abergläubische kein schlechtes Omen sein, denn der ehemalige Stadtrat ist gestern 57 Jahre alt geworden. Als eine knappe halbe Stunde später tatsächlich die ersten Prozentwerte an die Wand projiziert wurden, deutete sich an: Der Geburtstag könnte nicht der einzige Anlass zum Feiern bleiben.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Das erste Ergebnis aus der Humboldtschule bescherte Korwisi 51,8 Prozent und Gejohle seiner Anhänger aus der Grünen Jugend, die sich um den Stehtisch geschart hatten. Nicht weniger erstaunlich waren die beiden anderen Werte. Mit 24,9 Prozent kam SPD-Kandidat Karl Heinz Krug auf den zweiten Platz, während Amtsinhaberin Ursula Jungherr (CDU) nur an dritter und damit letzter Stelle lag. Das immerhin sollte nicht so bleiben. Am Ende wurde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Korwisi und Jungherr, das der Herausforderer knapp mit 39,3 Prozent gewann, während die Oberbürgermeisterin 0,3 Prozentpunkte dahinter lag. Blau war die Farbe des Abends, nicht nur wegen der Tischdecken, sondern vor allem wegen der T-Shirts mit der Aufschrift „So geht’s“. Um seine Rolle als Unabhängiger zu unterstreichen, hatte Korwisi statt Grün das Blau aus dem Stadtwappen für seinen Wahlkampf gewählt.

          Fair gekämpft

          Nicht weniger zufrieden als die Korwisi-Wahlkämpfer gaben sich die Sozialdemokraten. Zufrieden lächelnd gratulierte Krug, der erst im Januar von der SPD als Kandidat nominiert worden war und jetzt 21,7 Prozent holte, dem Spitzenreiter. „Da sind einige im vierten Stock wohl vom Stuhl gefallen“, sagte der Unternehmensberater – dort befindet sich das OB-Büro. Er habe es als zuvor Unbekannter in drei Monaten geschafft, die SPD aus dem Tief von Landtagswahl und den Diskussionen um Andrea Ypsilanti wieder nach oben zu kämpfen. „Das ist in Bad Homburg kein Thema mehr“, sagte Krug, der sich „weitere Perspektiven bei der SPD im Hochtaunuskreis“ verspricht. Seine Lebensgefährtin, die SPD-Parteivorsitzende Elke Barth, ergänzte: „Das ist der Hammer. Schließlich hat die SPD als einzige alleine gekämpft.“ Denn wie die Neue Homburger Union (NHU) hatte auch die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) Korwisi unterstützt. Deren Fraktionsvorsitzende Beate Fleige strahlte: „Mein Favorit liegt vorn.“

          Es war weit nach 19 Uhr, als Jungherr den Saal betrat – im blauen Kostüm. Die Oberbürgermeisterin zeigte sich „erstaunt“ ob des Wahlausgangs, aber zuversichtlich für den zweiten Versuch. Direkt hinter ihr folgten der ernst dreinblickende Parteivorsitzende Thorsten Bartsch und Fraktionschef Alfred Etzrodt. Sie hatten sich im Dezember vergeblich an ihrem Sturz versucht, doch Etzrodt war der Amtsinhaberin in der Kandidatenfrage knapp unterlegen. Parteitage wie solche seien in einem demokratischen System nötig, sagte Bartsch, und anschließend habe man fair gemeinsam gekämpft. Etzrodt sprach von einer Protestwahl am gestrigen Sonntag. Nachdem der Ärger abgelassen sei, wählten die Bürger bei der Stichwahl hoffentlich wieder „politisch“. Ein „funktionierendes Team“ sei für die Stadtentwicklung wichtig, sagte Etzrodt. „Alles andere wäre eine Katastrophe.“

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