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Menetekel der Vernichtung : Feldmann warnt vor wachsendem Antisemitismus

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Erhellendes Gedenken: In Erinnerung an die Pogromnacht wurde die Westend-Synagoge illuminiert. Bild: Lucas Bäuml

Wie in der ganzen Welt wurden auch in Frankfurt Gebäude erleuchtet als Zeichen gegen Antisemitismus. Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann spricht sich gegen Wegschauen aus. Der Gemeindevorsitzende Salomon Korn schöpft derweil auch Hoffnung.

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          Weltweit haben am Abend des 9. November engagierte Menschen Gotteshäuser und Privatgebäude beleuchtet als Zeichen ihres Engagements gegen Hass und Antisemitismus. Auch die Jüdische Gemeinde Frankfurt entzündete am Jahrestag der Pogromnacht von 1938 am Montag ein solches Licht der Hoffnung, indem sie ihre Westend-Synagoge illuminierte. Das Gotteshaus selbst blieb aber wegen Corona leer. Auch der geplante Gedenkakt vor dem Bunker an der Friedeberger Anlage, der auf den Grundmauern der in der Pogromnacht zerstörten orthodoxe Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft steht, musste wegen der Pandemie ins Internet verlegt werden.

          Vier Mal innerhalb von zwei Tagen haben Nazischergen damals Feuer in der Synagoge gelegt und vier Mal rückte die Feuerwehr aus. Jedoch nicht zum Löschen, wie Salomon Korn, der Gemeindevorsitzende, in seiner Internet-Ansprache hervorhob, sondern nur um das Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude zu verhindern. Der Gipfel der Gemeinheit bestand schließlich darin, dass nach der vollständigen Zerstörung der Synagoge Juden als Brandstifter verfolgt wurden und die Gemeinde die Kosten des Abbruchs der Überreste zu tragen hatte. Die Feuersäulen aus der Synagoge an der Friedberger Anlage und aus anderen jüdischen Gotteshäusern in Deutschland wurden nach den Worten Korns zum Menetekel der schon bald darauf in Gang gesetzten Verbrennungsöfen in den Vernichtungslagern. Kantor Yoni Rose hat einige in seinem gesungenen Gedächtnisgebetes genannt: „Auschwitz, Treblinka, Sobibor“. Vielen Zuhörern dürfte bei seinem gemeinsam mit dem Countertenors Andreas Scholls vorgetragenen Gesang denn auch ein Schauer über den Rücken gelaufen sein. 49 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft schlugen wieder Flammen aus einer Synagoge, nämlich jener in Lübeck, wo am 25. März 1994 vier Attentäter Molotowcocktails in das Gotteshaus warfen. Korn erinnerte an diese Schandtat und natürlich auch an den Anschlag von Halle vor etwas mehr als einem Jahr.

          In Parlamenten angekommen

          Die Situation sei besorgniserregend, sagte der Gemeindevorsitzende. Doch immerhin: „Der demokratische Rechtsstaat hat den Schutz jüdischen Lebens zum Staatsziel erhoben.“ Und dann sind da auch noch die vielen Blumen, die nach Anschlägen wie jenem von Halle am Tatort niedergelegt wurden. Korn schöpft Hoffnung aus diesen Blumen. Hoffnung dürfte ihm zudem der Umstand geben, dass Frankfurt von einem Oberbürgermeister mit jüdischen Wurzeln regiert wird. Peter Feldmann hat darüber nie viel Aufsehen gemacht, doch jüngst bei der Wiedereröffnung des Jüdischen Museums hat er sich ausdrücklich zu seiner Herkunft bekannt.

          Auch Feldmann verwies am Montagabend in seiner Internet-Rede auf den wachsenden Antisemitismus. Der Juden- und Völkerhass sei sogar wieder in Parlamenten angekommen. Der Weg in die Barbarei, warnte Feldmann, beginne mit vielen kleinen Schritten: mit Wegschauen, mit Weghören, mit klamm heimlicher Zustimmung. Dem müsse sich jeder entgegenstellen.

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