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Wegen Angriffen von Wölfen : Schäfer und streiten über Schutz von Weidetieren

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In diesem Jahr gab es bereits neun Angriffe durch Wölfe auf Nutztiere in Hessen. Schäfer fordern nun bessere Unterstützung beim Schutz ihrer Herden. Bild: AP

Immer öfter werden Wölfe mitten in Deutschland gesichtet. Deshalb gerät der Schutz von Nutztieren verstärkt ins Blickfeld. Nutztierhalter und Behörde sind sich aber uneinig, was richtig ist und was nicht.

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          Wölfe in Hessen sorgen seit Monaten immer wieder für Aufregung. Besonders die Schäfer im Land sind in großer Sorge und sensibilisiert. Das zeigt sich etwa in Nordhessen bei zwei Schäfern, die von Angriffen und toten Tieren berichten. Hobby-Schäfer Karl-Heinz Meckbach holt sich Rat bei Berufsschäfer Anton Göbel in Spangenberg-Herlefeld. Als er ihm Fotos seiner getöteten Tiere zeigt, kommen ihm die Tränen. Auf einem Bild ist ein Schaf mit zerfleischter Kehle zu sehen. „Als ich das Tier entdeckt habe, brachen Panik und Wut in mir aus“, sagt Meckbach, „in bin immer noch völlig mitgenommen.“ Er verlor an dem Tag zwei Schafe, zwei weitere mussten verletzt eingeschläfert werden, sagt er.

          Der Riss am 23. Oktober in Malsfeld-Sipperhausen ist in Hessen einer der aktuellsten Fälle, für den ein Wolf verantwortlich ist. Das haben Experten mit einem genetischen Test nachgewiesen. Es ist aber nur ein Fall von mehreren in einer Auflistung des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Die dort tätige Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch ist derzeit eine gefragte Frau. Denn Canis Lupus, so der wissenschaftliche Name, macht ihr viel Arbeit.

          Sichtungen sprunghaft gestiegen

          Die Zahl der Sichtungen und Nachweise von Wölfen in Hessen ist sprunghaft gestiegen, erklärt Jokisch. In diesem Jahr wurden bis Mitte November bereits rund 30 Nachweise erbracht. Entweder wurden sie von Fachleuten auf Fotos zweifelsfrei identifiziert. Oder es gab Beweise durch Genetikproben. Die meisten Wölfe wurden in Nord-, Ost- und Mittelhessen nachgewiesen. Im Vorjahr gab es landesweit keinen Nachweis, 2017 waren es fünf gewesen.

          Etwa 30 Nachweise bedeuten aber nicht, dass auch 30 Wölfe durch Hessen streifen. Die Tiere fallen natürlich unter Umständen mehrfach auf. Nachgewiesen sind bisher acht verschiedene Individuen, sechs Weibchen und zwei Männchen, wie Jokisch sagt. Sesshaft geworden sei aber bislang kein einziger Wolf. Die Experten sprechen davon erst, wenn ein individuell bekannter Wolf über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals in einer Region sicher nachgewiesen wird. Einen Wolf mit eigenem Territorium in Hessen gab es zuletzt im nordhessischen Reinhardswald 2008 bis 2011. Dann wurde der Rüde tot gefunden.

          Die Wölfe kommen in der Regel aus dem Norden und Osten Deutschlands nach Hessen, sagt Jokisch. Die Bundesländer mit den größten Wolf-Vorkommen seien Brandenburg und Sachsen. Aber auch aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wandern die Tiere in die Mitte Deutschlands ein. Derzeit gibt es etwa 110 Wolfsrudel in Deutschland mit einigen Hundert Tieren. Und auch in Hessen wird sich die Situation entwickeln: „In verschiedenen ländlichen Regionen Hessens werden in den kommenden Jahren einzelne Wolfsterritorien entstehen“, lautet die Prognose von Jokisch.

          Die Wölfe haben in diesem Jahr laut Nachweisen bereits in neun Fällen Nutztiere verletzt oder getötet, etwa Schafe oder Kälber. Die häufigste Beute sind aber weiterhin Wildtiere, insbesondere Rehe, so Jokisch. Zu den Rissvorfällen sagt die Biologin: „Jeder Fall ist schrecklich und bedauernswert. Ich kann die Sorgen der Schafzüchter gut verstehen.“

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