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Notfallübung : Rettung aus einem verrauchten Bahntunnel

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Das Unglück findet im verborgenen statt. Die Schaulustigen, die am Sonntag vormittag von der Alicenbrücke und dem Parkhaus CityPort aus die Notfallübung vor Inbetriebnahme des Neuen Mainzer Tunnels verfolgen wollen, bekommen lange Zeit nicht viel zu sehen.

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          Das Unglück findet im verborgenen statt. Die Schaulustigen, die am Sonntag vormittag von der Alicenbrücke und dem Parkhaus CityPort aus die Notfallübung vor Inbetriebnahme des Neuen Mainzer Tunnels verfolgen wollen, bekommen lange Zeit nicht viel zu sehen. Der Zug mit den 300 freiwilligen Unfallopfern ist schon vor Beginn der Übung im Tunnel verschwunden. Zwischen dem nördlichen Eingang am Hauptbahnhof und dem Rettungsstollen, der in der Mitte des 1300 Meter langen Bauwerks zum Einschnitt neben dem Eisgrubweg führt, steht die Diesellok mit vier Personenwaggons. Um 10.15 Uhr meldet der Lokführer, daß ein Brand ausgebrochen sei.

          Was sich in einem solchen Fall abspielt, schildert der Mainzer Feuerwehrchef Rolf Wachtel vor Beginn der Übung, mit der das Notfallkonzept für den Tunnel vor seiner Eröffnung am 27.Juli überprüft werden soll. "Nach kurzer Zeit, etwa 15Minuten, ist der Tunnel von giftigem Brandrauch erfüllt, der die Sicht nimmt. Dazu entsteht Hitze von bis zu 1200 Grad Celsius", erklärt Wachtel. Ohne Schutzgerät könne folglich niemand in den Tunnel vordringen. Den beiden Sanitätern der Johanniter, die fünf Minuten nach dem Alarm als erste mit ihrem Rettungswagen am Nordportal eintreffen, bleibt deshalb nicht viel mehr, als in die Röhre zu blicken.

          Angesichts der Schreie und Pfiffe, die aus dem Dunkeln dringen, scheinen die zwei Minuten bis zum Ertönen der nächsten Sirene sehr lang. Die Einsatzleitung findet sich ein. Noch immer ist kein Feuerlöscher in Sicht, da kommen die ersten Fahrgäste aus dem Tunnel, die sich selbst retten konnten. Weitere Minuten vergehen, ein zweiter Rettungswagen trifft ein; aus dem Tunnel strömen immer mehr Menschen. 13 Minuten sind vergangen, als der Katastrophenschutzwagen der Feuerwehr heranbraust und die Wehrleute beginnen, Wasserschläuche zu montieren. Inzwischen haben alle Insassen, die laufen konnten, den Zug verlassen. Aber 30 Schwerverletzte warten noch im Innern auf Hilfe.

          Inzwischen ist der Rettungstrupp am Tunneleingang eingetroffen und macht sich bereit. Die Männer schnallen sich flache Tornister mit abgerundetem Metalldeckel auf den Rücken. Diese für den Bergbau entwickelten Langzeit-Atemschutzgeräte versorgen sie notfalls vier Stunden lang mit Luft. Aber die Wehrleute müssen vor dem Eingang warten, bis die Oberleitung keinen Strom mehr führt. Das Minutenzählen hat längst aufgehört. Es wird 11Uhr, bis sie Tragen und Gerät auf zwei Rollwagen gepackt haben und in die Röhre vordringen. Nach 300 Metern beginnt die eigentliche Arbeit. Von Helm, Atemschutz und Ausrüstung behindert, schnallen die Retter in den engen Zugabteilen Verletzte in den Korbtragen fest und stülpen ihnen orangerote Fluchthauben über den Kopf, deren Luftfilter die schlimmsten Rauchgase abhalten sollen. Vier Verletzte, quer über den Rollwagen gelegt, werden eine Stunde nach dem Unglück als erste nach draußen gerollt. Um diese Zeit treffen auch Wiesbadener Wehrleute ein, die durch den Rettungsstollen einsteigen. Klaus Bohland von der Mainzer Berufsfeuerwehr ist erleichtert, als er die Hilfe aus der Gegenrichtung sieht. Die Frankfurter Feuerwehr schließlich nimmt den längsten Weg vom Südeingang her.

          Der Mainzer Feuerwehrchef ist hinterher mit der Übung weitgehend zufrieden. Im Tunnel sei die Bergung eben nur in Handarbeit möglich, da gebe es nichts zu beschleunigen, sagt Wachtel. Das Abschalten und Erden der Oberleitung lasse sich automatisieren, um wenigstens diese Zeit zu verkürzen. Die Deutsche Bahn AG setzt nach den Worten von Notfallmanager Klaus-Jürgen Bieger auf die Verhinderung einer solchen Katastrophe. Feuerfestes Material soll dem Feuer erst gar keine Chance geben. Und 15 Minuten müssen die Wagen auch in einem Flammenmeer weiterrollen können, um den Tunnel zu verlassen. Die Rettung aus der Röhre jedenfalls wäre im Ernstfall wohl für viele zu spät gekommen. BERNHARD BIENER

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