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: Nordhessen: Unternehmen mit Spitzenposition

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Wer hat es in diesen Tagen schon leicht? Deutschland ist seit langem kein Wachstumsland mehr. Seit Mitte der siebziger Jahre verharrt Deutschland in einem lang anhaltenden Abschwung mit einer stets steigenden Arbeitslosenquote und immer flacheren Wachstumsepisoden.

          Wer hat es in diesen Tagen schon leicht? Deutschland ist seit langem kein Wachstumsland mehr. Seit Mitte der siebziger Jahre verharrt Deutschland in einem lang anhaltenden Abschwung mit einer stets steigenden Arbeitslosenquote und immer flacheren Wachstumsepisoden. Die vergangenen Jahre waren ökonomisch die bittersten. Doch wer genau hinsieht, entdeckt, zumal dort, wo er es beim ersten Hinsehen nicht vermutete, Inseln des Erfolges. Dahinter steht harter Einsatz.

          Thilo von Trott zu Solz, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung (WFG) für Stadt und Landkreis Kassel, schwärmt nicht vom Subventionsregen, der ohnehin seit dem Mauerfall nicht mehr auf Nordhessen rieselt. Nüchtern wie ein Banker breitet er ein Bündel Zeitungsausschnitte der vergangenen Tage vor sich aus und läßt die Erfolge der Wirtschaft sprechen, nicht die der Subventionsjäger in Politik und Unternehmen: Bode, der Spezialist für Bus- und Zugtüren, hat die Wende geschafft und 2004 wieder schwarze Zahlen geschrieben.

          Das zweitgrößte Volkswagenwerk der Welt in Baunatal bei Kassel hat die Aggregateaufbereitung an den alten, traditionsreichen AEG-Standort in Kassel-Bettenhausen verlegt. 90 "AEGler", die mit dem Niedergang der einst großen Marke ihre Arbeit verloren hatten, erhielten eine neue Chance. Der Autozulieferer Wegu, der noch vor zehn Jahren um seine Existenz bangte, denkt an Zukäufe. Der Holz- und Heimtextil-Großhändler Jordan, ein Kasseler Familienunternehmen, wächst seit mehr als einer Dekade in Deutschland gegen den Branchentrend. Das Achswerk von Daimler-Chrysler übertrifft alle seine noch so optimistischen Prognosen und weitet die Fertigung aus. Kassel ist im internationalen Konzerngeflecht das Kompetenzzentrum für Lastwagenachsen des weltweit größten Nutzfahrzeugherstellers.

          Die AKG-Gruppe aus Hofgeismar, ein Hersteller von Autokühlern und Ladeluftkühlern, wächst weiter aus eigener Kraft. Im vorigen Jahr waren es 11,7 Prozent Umsatzwachstum. SMA, ein Hersteller von Leistungselektronik, verdoppelte gar den Umsatz im vergangenen Jahr gegenüber 2003 auf 180 Millionen Euro. SMA ist der größte Arbeitgeber in Deutschland auf dem Gebiet der Photovoltaik und Weltmarktführer mit seinen Wechselrichtern, die Strom aus Photovoltaikanlagen zur Einspeisung in das Wechselstromnetz umwandeln. Das Lokomotivwerk von Bombardier, international führend im Lokbau des Schienenfahrzeugherstellers, ist bis 2009 ausgelastet. Piper, die Niederlassung des Flugzeugherstellers für den deutschsprachigen Raum mit ihrem Sitz in Kassel-Calden, steigerte Umsatz und Ertrag.

          Die Kasseler Wintershall AG bleibt die strahlendste Tochter in der BASF-Gruppe. Regelmäßig kommen ein bis zwei Drittel des Gewinns des größten Chemie-Konzerns der Welt aus Kassel, während der Kasseler Düngemittelspezialist K+S zu den erfolgreichsten Unternehmen im M-Dax zählt.

          Es gibt noch Dutzende weitere Unternehmen, auf die von Trott zu Solz verweisen könnte, auf Gummi-Hübner, der Züge in aller Welt mit Fensterdichtungen ausstattet, oder auf den Logistikspezialisten Rudolph in Baunatal, der zum Beispiel die Fertigung des Audi TT in Ungarn für den Autohersteller organisiert. Die Region ist voller Unternehmer und Unternehmen, die im Weltmarkt eine Spitzenposition besetzen, aber sie sprechen nicht gern darüber, denn im calvinistischen Kassel ist Bescheidenheit die höchste Tugend.

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