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Waffenverbot in Wiesbaden : „Niemand muss nachts mit einem Messer herumlaufen“

  • -Aktualisiert am

Eine Waffenverbotszone und höhere Polizeipräsenz würden auch Paul Ernst und David Sölling begrüßen. Bild: Frank Röth

In Wiesbaden wird über eine Waffenverbotszone diskutiert. Wiesbadens Jugend findet das gut – und wünschen sich mehr Polizei auf der Straße.

          WIESBADEN. „Ich fühle mich in der Fußgängerzone nachts immer unsicher. Ab Mitternacht wird es unangenehm, dann werde ich regelmäßig aggressiv angesprochen.“ Paul Ernst macht eigentlich nicht den Eindruck eines verschüchterten Menschen. Der blonde Zwanzigjährige ist groß und wirkt eloquent. Trotzdem geht der junge Mann größeren Gruppen in der Wiesbadener Innenstadt aus dem Weg. Er sei schon häufig nur knapp einer Schlägerei entgangen, erzählt er.

          Ernst und sein Freund David Sölling sind Wiesbadener. Sie kennen sich in der Innenstadt aus und wissen, wann man den Rückzug antreten sollte. „Ich gehe einfach weiter, wenn mich plötzlich andere umringen und nach Zigaretten fragen. Wenn die mir dann folgen, dann laufe ich weg“, sagt Ernst, und sein Kumpel nickt. „Ich bin für eine Waffenverbotszone. Niemand muss nachts mit einem Messer herumlaufen.“ Auch jetzt nickt David.

          In Wiesbaden ist die Diskussion um ein Waffenverbot in der Innenstadt entbrannt. Nach einem Vorstoß der CDU-Jugendorganisation Junge Union wird das Thema kontrovers diskutiert. Während der Weiße Ring und die Senioren-Union den Vorschlag goutieren, sind CDU und SPD eher zurückhaltend. Die Wiesbadener Polizei bereitet derzeit in Absprache mit der Stadt Statistiken über Körperverletzungen und Raubüberfälle in der City auf, um die Datenbasis für eine Entscheidung zu liefern.

          Für Paul Ernst spielt die Statistik nur eine untergeordnete Rolle. „Da hinten, vor dem McDonald’s, ist es immer schlimm“, erzählt er. Einen Freund hätten Fremde in den Bauch geboxt. Der Täter habe danach gesagt, dass die Freundin des anderen nun mit ihm gehen würde. Wer sind die Täter, wer macht so etwas? Jetzt wird der junge Mann schmallippig. Er möchte keine bestimmte Gruppe benennen und sagt: „Es gibt immer irgendwelche Deppen.“

          So zurückhaltend ist Amo Xalas nicht. „Das sind immer die Flüchtlinge, die hier Stress machen“, behauptet der 24Jahre alte Mann. Vier Freunde grinsen und nicken bestätigend. Die Gruppe macht nicht den Eindruck, als gehöre sie zu denen, die Opfer der nächtlichen Gewalt werden. Aber das täuscht. „Ich bin selbst schon mit dem Messer in der Fußgängerzone angegriffen worden“, sagt Amo Xalas und ergänzt: „Aber wer mich angreift, dem haue ich auf die Nase.“ Wieder grinsen seine Kumpel. Messer hätten sie keine dabei, sagen alle übereinstimmend. Einige heben ihre Winterjacken hoch, um zu beweisen, dass sie keine Waffen einstecken haben.

          „Mir kann nichts passieren, ich mache Kampfsport“, sagt Cagli Alperen. Der Einundzwanzigjährige ist ein Freund von Amo. Die beiden halten zusammen, wie sie erklären. Auch er behauptet, dass die Flüchtlinge nachts aggressiv seien. „Die gehen um 16Uhr in den Kurpark billigen Wodka trinken und kiffen. Später machen sie dann Ärger“, sagt er. Cagli Alperen ist etwa 1,90 Meter groß und Kickboxer. Aber auch er schützt sich, indem er bei seiner Gruppe bleibt. Und dann verblüffen die jungen Männer mit einer unerwarteten Aussage: Die fünf – einige mit Migrationshintergrund – sagen übereinstimmend, dass sie gerne mehr Polizei in der Fußgängerzone hätten. Das, so ihre Meinung, erhöhe auch ihre Sicherheit. Auch eine Waffenverbotszone fänden sie gut.

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