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Niederwalddenkmal : Schönheitskur für die Germania wird verschoben

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Besuch der alten Dame: Demnächst beginnen die Arbeiten zur Sanierung der Germania auf dem Niederwalddenkmal. Bild: Kristina Ahrens

Die Sanierung des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim wird teuer als geplant: Rund 1,8 Millionen Euro sollen bis 2011 ausgegeben werden.

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          Die vor zwei Jahren begonnene Sanierung des Niederwalddenkmals wird deutlich teurer und langwieriger als geplant. Wegen der unerwartet großen Schäden an der samt Sockel 38 Meter hohen Bronzestatue werden die Arbeiten erst nach der Frostperiode im Frühjahr 2011 beginnen können. Mit geschätzt 1,8 Millionen Euro wird die vom Land Hessen spendierte Schönheitskur für die 1883 errichtete Germania dann um mehr als die Hälfte teurer als bislang gerechnet, berichtete der Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Karl Weber, jetzt bei einem Ortstermin der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU).

          Zum 125. Geburtstag der Germania waren vor zwei Jahren in einem ersten Bauabschnitt für mehr als 1,5 Millionen Euro das Umfeld des Denkmals grundlegend neu geordnet sowie eine neue Beleuchtungsanlage installiert worden. Die maroden Freitreppen und Geländer sowie die Mauern wurden saniert, das Wegenetz neu angelegt und das Areal neu bepflanzt. Dafür erhielt das Land Hessen als Bauherrin sogar einen Architekturpreis. 2009 sollte dann eigentlich der Bronzekorpus der alten Dame an der Reihe sein. Doch Schwierigkeiten mit der Finanzierung durch das Land und bei der Abstimmung aller Beteiligten verzögerten das Vorhaben. Dass es auch in diesem Jahr nichts mit der Schönheitsoperation wird, begründet Weber mit den großen Schäden am Denkmal aus der Schlussphase der Kriegszeit, als das Denkmal Zielscheibe für Schießübungen war.

          Die Germania sei ein „ziemliches Monster“

          Im Frühjahr 2011 aber soll es los gehen. Dazu werden einige „Begleitfiguren“ und Bronzeplatten abgenommen und in spezialisierte Werkstätten gebracht. Die 32 Tonnen schwere Germania mit dem Gardemaß von 12,35 Metern und einem Hüftumfang von sieben Metern muss dafür aber nicht von ihrem sechs Meter hohen und 6,5 Tonnen schweren Thron steigen. Auch ihr sieben Meter langes und 1,4 Tonnen schweres Schwert muss sie wohl nicht aus der Hand legen, und die 600 Kilogramm wiegende Kaiserkrone nicht abnehmen.

          Nach der Überarbeitung werde sie nicht wie neu aussehen, dämpft Weber entsprechende Erwartungen. Die Germania sei ein „ziemliches Monster“, und sie werde auch ihre Patina behalten. Die Ausbesserung der teils gravierenden Schäden werde optisch kaum wahrnehmbar sein. Weber spricht von einem „Facelift“, das nach 127 Jahren nun dringend notwendig sei. Dazu werde die Germania eingerüstet und verhüllt. Wenn alles gutgehe und das Wetter mitspiele, könne die Sanierung bis Jahresende 2011 beendet sein.

          International bekannt, in Südhessen unbekannt

          Eine bedeutsame Nachricht brachte Weber im Hinblick auf den dritten Bauabschnitt mit nach Rüdesheim. Ursprünglich war geplant, für rund eine Million Euro ein kleines Besucherzentrum mit Kiosk und Toilettenanlage zu erreichen. Nun reichen die Pläne der Verwaltung der Schlösser und Gärten weit darüber hinaus. Rüdesheim hat in Abstimmung mit Weber beim Bund aus der zweiten Tranche des Sonderprogramms für die Aufwertung der deutschen Unesco- Welterbestätten bis zu acht Millionen Euro beantragt.

          Mit diesem Geld soll nicht nur das Besucherzentrum gebaut werden. Vielmehr soll der gesamte, im 18. Jahrhundert angelegte und rund 250 Hektar große Landschaftspark zwischen Denkmal und Jagdschloss Niederwald saniert und aufgewertet werden. Der von Graf Karl Maximilian von Ostein gestaltete, romantische Landschaftspark, der im Kern ein Waldareal mit Sichtachsen, Wegenetz und Aussichtspunkten war, hatte Weber zufolge eine große romantische Anziehungskraft und eine Ausstrahlung weit ins Mittelrheintal hinein. Zu den großen und kleinen Bauten gehören bis heute das Jagdschloss Niederwald, die Zauberhöhle, der Rittersaal und die künstliche Burgruine „Rossel“, eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Einbezogen in das Projekt wird auch die Burgruine Ehrenfels oberhalb von Rüdesheim. Bis August erwartet Weber eine Entscheidung aus Berlin, ob der hessische Antrag erfolgreich war. Falls ja, müsse das Vorhaben dann binnen vier Jahren durchgezogen werden.

          Kühne-Hörmann sagte, Hessen sei stolz auf seine Teilhabe am Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal und wolle die Standorte aufwerten. Den Welterbestätten komme ein besonderer Rang zu. Allerdings sei die Germania national und international bekannter als beispielsweise in Südhessen. Dass die Germania in Verbindung mit der Drosselgasse nach dem Kölner Dom eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Deutschland sei, wisse kaum jemand. Das müsse sich ändern.

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