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Neues Wohnareal in Bad Nauheim : Wohnen an den Gleisen

Im Zentrum: Nördlich und südlich des Bad Nauheimer Jugendstil-Bahnhofs sollen Häuser errichtet werden. Bild: Rüchel, Dieter

Baugelände ist auch in Bad Nauheim knapp. Die Stadt will deswegen ein schmales Areal am Bahnhof zum Wohngebiet machen. Dem Investor macht sie klare Vorgaben.

          Nicht erst seit der Siedlungsdruck aus dem Zentrum des Rhein-Main-Gebiets auch im Umland immer stärker zu spüren ist, zählt Bad Nauheim zu den besonders gefragten Wohnsitzen. Vor allem die Kernstadt ist begehrt. Und das so sehr, dass selbst ein schmaler, ans Bahnhofsgelände grenzender Streifen bebaut werden soll, obwohl das aufwendige Schallschutzvorkehrungen nötig macht. Das Unternehmen Porta Real GmbH & Co KG aus dem baden-württembergischen Lörrach will auf zwei Flächen Gebäude vor allem für Wohnen, aber auch für eine gewerbliche Nutzung errichten. Die Bahn hatte das Stationsgebäude samt umliegendem Areal schon vor Jahren veräußert.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die Voraussetzung, um Häuser auf dem knapp anderthalb Hektar umfassenden Gelände an der Main-Weser-Bahn zu errichten, haben die Stadtverordneten geschaffen, indem sie die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen haben. Das allerdings unter der Maßgabe, dass der Investor mit der Stadt einen Vertrag über ein Sanierungs- und Nutzungskonzept für das ortsbildprägende Bahnhofsgebäude schließt, in dem auch festgelegt wird, wann dies realisiert wird.

          Zwar hatte sich in den vergangenen Jahren mit Fassadenrenovierungen und dem Einzug von Läden schon etwas getan, der Mehrheit der Stadtverordneten reicht das aber nicht. Sie wünschen sich ein Gesamtkonzept zur Weiterentwicklung des Stationsgebäudes als wichtiges Bauwerk am Entree zur Stadt. Als weitere Vorgabe gilt, dass der Investor 15 Prozent der Wohnungen für einen moderaten Preis von 8,50 Euro pro Quadratmeter vermietet und zwar für 15 Jahre.

          Einrahmung des Fürstenpavillons

          Der Magistrat hatte zuvor mit Porta Real vereinbart, diesen Mietpreis für fünf Jahre festzuschreiben. Die strengere Auflage soll dazu beitragen, im angespannten Bad Nauheimer Wohnungsmarkt mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der auf längere Sicht erhalten bleibt. Der Denkmalschutz hatte dem Vorhaben zugestimmt, was erforderlich war, weil das im Jugendstil errichtete Stationsgebäude mit dem Fürstenpavillon zu den bedeutenden Bauten der Stadt zählt. Zudem gilt Ensembleschutz für ein benachbartes Villenviertel, das überwiegend aus der Wendezeit zum 20. Jahrhundert stammt.

          Das Neubauareal gliedert sich in zwei Flächen. Die deutlich größere befindet sich nördlich des Bahnhofs und erstreckt sich an den Pendlerparkplätzen vorbei über ein Kleingartenareal, – dem Pächter wurde schon gekündigt –, bis zur Unterführung gegenüber dem Goldsteinpark. Dort sollen vier bis zu 16 Meter hohe Häuser mit jeweils neun Wohnungen entstehen. In dreien sieht der Investor Eigentumswohnungen, im vierten Haus sind Mietwohnungen vorgesehen. Weil auf dem Gelände kaum Raum für Parkplätze ist, sollen die Bewohner ihre Autos in einer Tiefgarage abstellen können. Das Areal soll über den Pendlerparkplatz, auf dem aber keine Plätze wegfallen sollen, an das Straßennetz angebunden werden.

          Im südlichen Teil, knapp 2000 Quadratmeter groß, will der Investor zwei Häuser mit drei Stockwerken und Dachgeschoss errichten. Beide Gebäude sollen den historischen Bau des Fürstenpavillon, der selbst nicht verändert wird, einrahmen. Beide Bauten sind für gewerbliche Nutzungen, also Büros und Praxen, konzipiert, wobei in den Erdgeschossen auch Einzelhandelsgeschäfte einziehen können. Das Freigelände vor dem Fürstenpavillon dient als Zufahrt zu den Häusern. Das Stationsgebäude, das die Neubauareale miteinander verknüpft, bezieht die Stadt in den Geltungsbereich des Bebauungsplans ein. Damit soll verhindert werden, dass es dort zu einer „unerwünschten Nutzung“ kommt, wie es heißt. Im Klartext: Wettbüros und Spielhallen sind dort nicht willkommen.

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