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Investition von 100 Millionen Euro : Neues Tagungshotel in Seeheim

  • -Aktualisiert am

Das frühere Schulungszentrum war 35 Jahre alt und wurde inzwischen abgerissen Bild: F.A.Z. - Sick

Die Lufthansa errichtet in Seeheim für rund 100 Millionen Euro eines der größten Seminar- und Tagungshotels in Deutschland. Die neuen Tagungsräume sollen auch extern vermarktet werden, wovon sich die Lufthansa internationale Kunden verspricht.

          Zu einem der zehn größten Seminar- und Tagungshotels in Deutschland soll das „Lufthansa Training & Conference Center Seeheim“ von 2009 an werden. Seit Sommer wird über dem Bergstraßenort neu gebaut. Das alte Schulungszentrum wurde komplett abgerissen. Dafür hatte das Luftfahrtunternehmen seinen Ausbildungsbetrieb verlagern müssen.

          Dass die Lufthansa sich zum Standort Seeheim bekennt und dort jetzt 100 Millionen Euro investiert, war nicht unumstritten. Es gab auch Bestrebungen und Vorschläge von Beratungsunternehmen, den Standort an der Bergstraße aufzugeben. Doch der Vorstand versprach sich vom „Geist von Seeheim“ positive Auswirkungen.

          30 Minuten vom Frankfurter Flughafen entfernt

          Nach 35 Jahren war das frühere Schulungszentrum unmodern geworden und vor allem für die Erfordernisse eines neuen Seminarbetriebs und den Einsatz neuer Medientechnik ungeeignet. Neue Brandschutzrichtlinien verlangten darüber hinaus ohnehin nach einer grundlegenden Sanierung. Künftig will das Unternehmen seine Tagungsräume auch extern vermarkten, verspricht sich davon viele nationale und internationale Kunden und wirbt damit, dass der Frankfurter Flughafen bei durchschnittlichen Verkehrsverhältnissen in 30 Minuten zu erreichen ist.

          Das neue Lufthansa-Gebäude wird weit größer sein als das frühere. Zwei gegeneinander versetzte, L-förmige Kuben werden derzeit hochgezogen. Mit ihrer filigranen Fassade aus Glas und Metall setzen sie sich von der natursteinverkleideten Basis ab. Dieser Teil wiederum fügt sich terrassenförmig in die Landschaft des Naturparks Odenwald und den Bergstraßenhang ein.

          Zwar baut die Lufthansa auf ihrem eigenen Gelände, doch die neue Einrichtung verbraucht weit mehr Fläche als die alte. 175 Meter breit, 120 Meter tief und 54,50 Meter hoch wird sich das Schulungscenter auf dem Bergstraßenhang ausbreiten. Acht Obergeschosse ragen auf, fünf reichen in die Tiefe, wo es eine Garage mit 530 Plätzen geben soll.

          Bisher sind sechs Geschosse des Rohbaus errichtet

          483 Zimmer wird der Gebäudekomplex haben. Auch gibt es einiges Neuerungen. Man will auch mehr Komfort bieten und auf dem Hotelmarkt vertreten sein. Deshalb richtet die Lufthansa auch 60 sogenannte Business-Zimmer ein mit einer Größe von jeweils 24 Quadratmetern, die als Doppelzimmer vermietet werden. Hinzu kommen weitere 24 Räume mit gehobener Ausstattung und 32 Quadratmeter Fläche. Im Gegensatz zu der spartanischen Zimmerausstattung in der Vergangenheit bekommen die 393 „Economy“- Einzelzimmer nun alle ein Fernsehgerät. Gleichwohl bleibt es bei den grundlegenden Konzept für Seminare und Tagungen, dass die Zimmer eigentlich nur zum Schlafen dienen sollen. Ansonsten, so die dahinter stehende Leitidee, sollten sich die Lufthanseaten, möglichst viel miteinander unterhalten, um sich besser kennenzulernen. Auch eine 21 Meter breite Treppe im Foyer soll der Kommunikation dienen. Rund 80 Trainingsräume in Größen von zwölf bis 100 Quadratmetern sind jeweils flexibel miteinander zu verkoppeln und können bei Bedarf mit offenen „Kommunikationszonen“ und sogenannten Coffeepoints verbunden werden. Der 600 Quadratmeter große Konferenzsaal lässt sich in drei Sektionen teilen.

          Das gastronomische Angebot in dem neuen Gebäudekomplex ist nicht allein Tagungsgästen vorbehalten, sondern steht jedermann offen. 400 Plätze bietet das Hauptrestaurant, 100 weitere der Bierkeller – für diesen ist noch kein Name gefunden, er läuft in der Planung als „getränkeorientierte Gastronomie“. Hinzu kommen eine Loungebar mit Bibliothek und Kaminzimmer. Weil die Lufthansa Kollegen aus aller Welt auch in ihrer Freizeit zwischen den Weiterbildungsstunden zusammenbringen will, bekommt das Trainingscenter darüber hinaus zwei Kegelbahnen, Räume für Darts, Kicker, Poolbilliard, ferner einen Swimmingpool mit Sauna und Fitnessraum.

          Für sportlich Engagierte, die sich lieber im Freien betätigen, schafft das Unternehmen Joggingpfade und verleiht Mountainbikes. Die Lufthansa bleibt somit einer Maxime treu, die Gerhard Schölzel, der Geschäftsführende Direktor, bei einer öffentlichen Vorstellung des Projektes in Seeheim so erläuterte: Es gehe darum, „Identität und Kultur zu stiften, zu verbinden und Zusammengehörigkeit zu fördern“. Die Baufirma Bilfinger Berger hat inzwischen etwa sechs Geschosse des Rohbaus errichtet. Man liege nunmehr in der Hälfte der Bauzeit und somit im Zeitplan.

          220 Menschen finden im Hotel Arbeit

          Schölzel sagte weiter, dass sich in Seeheim selbstverständlich auch künftig Lufthansa-Mitarbeiter aus aller Welt zu Schulungen einfänden. Als Beispiel nannte er die Kollegen beim Check-in in St. Petersburg. Nur die großen Niederlassungen in Frankfurt oder München bewältigten Teile ihrer Weiterbildung eigenständig.

          Für Seeheim und Umgebung bedeutet das neue Trainings- und Konferenzzentrum, dass dort künftig 220 Menschen dauerhaft im Hotelbetrieb eine Arbeit finden. Zu einem großen Teil müssen sie noch rekrutiert werden. Schölzel teilte weiter mit, dass in der Küche des Schulungsgebäudes pro Tag bis zu 1200 Mittagessen in drei Schichten ausgegeben werden könnten.

          Zeitweise, auch in Phasen terroristischer Bedrohungen durch die RAF in den achtziger Jahren, nutzte der damalige Kanzler Helmut Schmidt den leicht abzuschirmenden Komplex gerne für Besprechungen. Einen hohen Bekanntheitsgrad hat das Schulungszentrum in Seeheim aber vor allem auch durch die 1984 nach ihm benannte Gruppe konservativer Sozialdemokraten erlangt. Doch in den vergangenen Jahren ließ sich der Seeheimer Kreis in Seeheim nicht mehr blicken. Es fehlte schlichtweg an dem erwarteten Komfort. Doch das soll von 2009 an grundlegend anders werden. Schölzel hofft daher darauf, dass sich der Kreis zu den namensverwandten Politikern wieder schließt.

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