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Neues Messel-Zentrum : Vom Vulkanausbruch zur Fossilienfundstätte

  • -Aktualisiert am

Ute Wedmann, Grabungsleiterin der Senckenberg-Forschungsstation in der Grube Messel, mit einem Abguss eines präparierten Urpferdes Bild: dpa

Das Besucherzentrum an der Grube Messel ist fertig. Das Land als Eigentümer vermarktet mit dem neuen Gebäude das Weltnaturerbe.

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          Am Rande der Grube Messel wird an diesem Donnerstag das neue Besucherzentrum für das Weltnaturerbe eröffnet. Es löst einen provisorischen Container ab, der bisher als Anlaufstelle für Besucher der Fossilienfundstätte diente. Das Land Hessen investierte 7,5 Millionen Euro in das Gebäude sowie 2,1 Millionen Euro für den Innenausbau samt Szenografie. Hinzu kamen 2,6 Millionen Euro für die Sicherung und den Ausbau der Deponiestraße, wobei das Land zwei Drittel übernahm, der Bund ein Drittel.

          Ein Museum sei das Besucherzentrum gerade nicht, sagte die Geschäftsführerin der Welterbe Grube Messel gGmbH, Marie-Luise Frey, bei der Vorstellung des Neubaus. Es handele sich vielmehr um ein Begegnungszentrum mit den Geowissenschaften mit dem Titel „Zeit und Messel Welten“. Frey: „Wir wollen Fragen aufwerfen sowie zum Dialog und eigenen Entdecken anregen.“ Doch wolle das Besucherzentrum zuerst faszinieren, dann erst informieren und dem Besucher viele Fakten geben.

          Schatzkammer mit Originalfossilien

          Die Architekten Landau + Kindelbacher, München, hatten in ihrem Grundriss die Schichtung von Ölschieferplatten aufgegriffen und sie um 90 Grad gedreht, was die unterschiedlich zugeschnittenen Räume ergab: große und kleine, enge und weite, helle und dunkle. Sie habe sich dabei eng an das Ausstellungskonzept angelehnt, sagte die Architektin Constanze Linke. Auffallend ist die Einbindung des Baus in Landschaft und die Geschichte der Grube Messel. So integrierten die Architekten eine Winkelstützwand, die vor 20 Jahren schon errichtet worden war, um von dort aus Müll in die Grube abzuwerfen. Damals war verhindert worden, dass die Grube zur Deponie wurde, was die Fossilienfundstätte zerstört hätte.

          Die einzelnen Räume nehmen nun die Vergangenheit der Grube Messel auf und verschweigen auch nicht die Industriegeschichte. Denn erst beim Ölschieferabbau im 19. Jahrhundert stießen die Menschen auf Fossilien. Die Faszination der Forschung und die künstlerische Wahrnehmung verbindet ein langgezogener enger Raum. Dort ist ein 20 Meter langer Bohrkern ausgestellt. 2001 wurde er in eine Tiefe von 433 Metern abgeteuft, was die zweittiefste Bohrung in Deutschland bedeutete. Aus der Bohrung zogen die Geologen ihre Erkenntnisse über das Entstehen der Fossilienfundstätte nach einem Vulkanausbruch. Tiere und Pflanzen, die in dem sich bildenden See untergingen, verwesten nicht, sondern blieben in dem sauerstofflosen Wasser erhalten – und dann füllte sich der See Schicht um Schicht, konservierte Pflanzen und Tiere, wurde zu Ölschiefer.

          Um diese für Geologen wichtige, aber teure Methode zu verdeutlichen, zeigen sie in einem rund Filmraum das Eintauchen eines überdimensionierten Bohrers in die Gesteinsschichten und fahren damit in ein virtuelles Bohrloch. Wenige Schritte weiter stoßen die Besucher auf den Regenwald, wie er vor 47 Millionen Jahren in Messel wuchs. Dekorationen an den Wänden, Geräusche, ferner Spiegel- und Beamerprojektionen mit vorbeihuschenden Fledermäusen, Libellen und Urpferdchen deuten feuchtes warmes Klima an. Im nächsten Raum thematisieren die Ausstellungsmacher die Evolution, nehmen die Hand von Säugetieren und das Innenohr von Fledermäusen als Beispiele. Endpunkt des Rundgangs ist die Schatzkammer mit Originalfossilien aus dem Senckenberg-Museum oder dem Hessischen Landesmuseum.

          Nebeldüsen sorgen für Tautropfen

          Es sei ihr darum gegangen, die Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung einem breiten Laienpublikum zu vermitteln und auch zu übersetzen, was Wissenschaftler meist in langen Texten formulierten, sagte Barbara Holzer von Holzer Kobler Architekturen in Zürich, die auf Szenografie spezialisiert sind und für den Innenausbau verantwortlich waren. Die Besucher wolle sie mit rein ästhetischen Bildern anrühren, ihre Empfindungen treffen, sie „anfixen“ mit Informationen, so dass sie sich darauf einlassen könnten. Grafiken, Exponate, Texte, Filme oder Lichtprojektionen nutzte sie für die Gestaltung.

          Die Außenräume gestalteten die Münchner Landschaftsarchitekten Keller & Damm. Sie präsentieren dort verschiedene Substrate der Grube wie Sand, Stein, Ton, Ytongbruch, Schotter, ferner in einem Steingarten Terrassen aus Ölschiefer, Granit und Buntsandstein, ein Regenwald-Beet mit Frauenmantel, auf dessen Blättern Nebeldüsen Tautropfen entstehen lassen.

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