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Neues Einkaufszentrum in Mainz : Planspiele im Schatten des Domes

Neubau in Sicht: Das geplante neue Einkaufszentrum zwischen Weißliiengasse und Gutenbergplatz wird auch das Bild der Mainzer Ludwigstraße verändern. Bild: Michael Kretzer

Kleckern oder Klotzen: An Form und Größe des neuen Einkaufszentrums an der Ludwigsstraße in Mainz scheiden sich die Geister.

          3 Min.

          Es ist die Zeit der Gespräche. Doch über Grundstücksfragen, das machte ECE-Manager Gerd Wilhelmus im Gespräch mit dieser Zeitung gleich zu Beginn deutlich, äußere sich das Unternehmen grundsätzlich nicht. So etwas werde im Stillen verhandelt. Bis Ende August sollen aber die Pläne für eine moderne Einkaufspassage an der Mainzer Ludwigsstraße so weit gediehen sein, dass die Hamburger, die europaweit Shopping-Center bauen und betreiben, dem Stadtrat schon etwas mehr Informationen über das vorgesehene 250-Millionen-Euro-Projekt liefern können. Tags darauf will der Investor, der das umzugestaltende Karstadt-Gelände bereits erworben hat, dann auch bei dem für interessierte Bürger ins Leben gerufenen „Ludwigsstraßen-Forum“ seine Vorstellungen öffentlich präsentieren.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Schließlich gilt es, Ängste und Bedenken abzubauen. Denn obwohl man in Mainz seit langem darauf wartet, dass das noch immer den Charme der sechziger Jahre verbreitende Karstadt-Kaufhaus endlich modernisiert wird, fürchten viele jetzt, dass der auswärtige Investor über das Ziel hinaus schießen könnte. So ist für Montag die Gründung einer Bürgerinitiative angekündigt, die unter dem Motto „Mainz braucht keins!“ vor dem Bau „eines gigantischen Einkaufszentrums“ warnt. Zwar sehen sich die Organisatoren, die für 18.30 Uhr zu einem ersten Treffen im Untergeschoss des Rathauses eingeladen haben, nicht als Totalverweigerer. Damit Mainz nicht verwechselbar werde, bedürfe es aber „der Bewahrung und Aufwertung unserer Altstadt durch qualitätsvolle Stadterneuerung“.

          Diskussion um Lage und Gestalt des Neubaus

          Vorhandene Strukturen und Gebäude zu erhalten sei ECE andernorts durchaus gelungen, versicherte die für Mainz zuständige Projektentwicklerin, Sandra Harms: etwa in Braunschweig und Saarbrücken, wo Teile eines Schlosses respektive die alte Bergwerksdirektion in Neubauten integriert wurden. In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt macht sich die Kritik derzeit vor allem an der vorgesehenen Verkaufsfläche von 30 000 Quadratmetern und der Zahl von etwa 90 neuen Läden fest – was vor allem den in der City vorhandenen Einzelhändlern Sorgen zu bereiten scheint. Mitbewerber Multi Development, dessen Pläne jedoch ebenfalls nie öffentlich geworden sind, galt vielen mit „nur“ 25 000 Quadratmetern als der für Mainz passende Partner.

          Nach Ansicht der Hamburger muss ein Einkaufszentrum eine Mindestgröße haben und den Kunden zudem exklusive Läden bieten, damit tatsächlich zusätzliche Kaufkraft in die Stadt geholt werden kann. Mainz stehe im Wettbewerb mit anderen Standorten und müsse sich entscheiden, was es denn wolle. Nicht kleckern, sondern klotzen scheint zumindest in puncto Ausdehnung der Shopping-Mall die ECE-Devise zu sein. Eine auch als Abfolge von Höfen vorstellbare Einkaufspassage sollte sich nach Ansicht der Projektentwickler vom Gutenbergplatz aus entlang der Ludwigsstraße bis zur Polizeiwache an der Weißliliengasse erstrecken: mit Karstadt und Karstadt-Sport als Magneten sowie viel Gastronomie und Markengeschäften. Die Höhenvorgaben der Stadt, die maximal 12,50 Meter an der Ludwigsstraße und sonst bis zu 18 Meter erlauben will, passten zu dem Konzept, sagte Wilhelmus. Denn anders als bei Kaufhäusern, wo der Kunde sich auch noch in das vierte oder gar fünfte Obergeschoss begebe, funktioniere ein Einkaufszentrum in der Regel mit den drei Ebenen Basement, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss.

          Areal zwischen Ludwigsstraße und Weißliliengasse

          In die Diskussion um Lage und Gestalt des Neubaus hat sich nun auch der ehemalige Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft, Arnold Hagen, eingeschaltet, der daran erinnerte, dass die in den neunziger Jahren entworfenen Pläne eine Fortführung der Einkaufspassage bis zum Schillerplatz vorsahen. Andernfalls werde das bisher stimmige Straßenbild, das zwischen Theater und Fastnachtsbrunnen von kleinen Höfen und Pavillons geprägt ist, zerstört. Offen ist derzeit auch die Zukunft des noch von der Bundeswehr genutzten Osteiner Hofes am Schillerplatz, der verkauft werden soll, für den es bisher aber kein tragfähiges Nutzungskonzept zu geben scheint. Für solche Gedankenspiele scheint sich ECE nicht zu interessieren. Vielmehr gilt das Augenmerk der Planer ausschließlich dem Areal zwischen Ludwigsstraße und Weißliliengasse, das Harms zufolge im Idealfall bis 2015 oder 2016 umzugestalten wäre.

          Dass man als Bauherr in Mainz immer auch mit langwierigen Grabungen rechnen sollte, hat Landesarchäologe Gerd Rupprecht kürzlich noch einmal klargestellt. So wurde in der Baugrube für die „Römerpassage“ 1999 das Isis-Heiligtum entdeckt, das erst nach langem Hin- und Her und für viel Geld im Untergeschoss dieser Mainzer Einkaufsgalerie untergebracht werden konnte – wo es bis heute ein Besuchermagnet ist.

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