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Neuer Weihbischof: Ulrich Boom : Ein erfahrener Seelsorger mit Zivilcourage

  • -Aktualisiert am

Ulrich Boom Bild: Anja Keilbach

Miltenbergs Pfarrer Ulrich Boom wird neuer Würzburger Weihbischof. Als „Don Camillo vom Untermain“ ist er bekannt geworden, nachdem er 2006 bei einer Kundgebung der „Jungen Nationaldemokraten“ auf dem Marktplatz so lange die Glocken geläutet hatte, bis diese abzogen.

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          Der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom ist von Papst Benedikt XVI. zum neuen Weihbischof von Würzburg ernannt worden. Der Einundsechzigjährige ist Nachfolger von Helmut Bauer (75), dessen Amtsverzicht aus Altersgründen der Papst im März dieses Jahres angenommen hatte. Bischof Friedhelm Hofmann hatte die Entscheidung des Papstes am Samstag beim Mittagsgebet im Würzburger Kiliansdom mitgeteilt. Heute wird Ulrich Boom beim Pontifikalamt im Kiliansdom konzelebrieren. Anschließend besteht die Möglichkeit, dem neuen Weihbischof im Sankt Burkardushaus zu begegnen. Die Bischofsweihe findet am 25. Januar statt.

          Glocken gegen „Junge Nationaldemokraten“

          Mit Boom wurde ein Geistlicher zum Weihbischof berufen, der wie kaum ein anderer für Zivilcourage steht. Im Jahr 2006 war der Miltenberger Pfarrer bundesweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem er während einer Kundgebung der „Jungen Nationaldemokraten“ auf dem Marktplatz so lange die Glocken geläutet hatte, bis diese abzogen. Die Partei hatte ihn deshalb wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz angezeigt. Das Verfahren wegen Störung einer genehmigten Versammlung wurde nach monatelangen Ermittlungen schließlich ohne Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) hatte die Entscheidung selbst getroffen, nachdem die Opposition im Bayerischen Landtag sowie die jüdischen Kultusgemeinden im Freistaat gegen das Verfahren protestiert hatten.

          Für seine Zivilcourage erhielt der Pfarrer den Aschaffenburger „Mutig-Preis 2006“. Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) betonte damals, jeder Staat brauche Menschen, die der Stimme ihres Gewissens folgten. Zeitungen bezeichneten den Geistlichen wegen seines „himmlischen Geläuts“ als „Don Camillo vom Untermain“. Persönlich sehe er sich nicht so, hatte Boom damals im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Aber die Figur des schelmischen italienischen Dorfpfarrers sei ihm sehr sympathisch, da Don Camillo etwas Politisches an sich habe. Zudem gefalle ihm die Gestalt, weil sie eine sehr gute und menschliche Beziehung zum obersten Herrn, zu Jesus Christus, habe. Das Glockenläuten sei eine „spontane Reaktion“ gewesen, bekannte der Geistliche, der jedoch auch meinte, er könne sich vorstellen, sich in einer ähnlichen Situation wieder zu äußern. Boom sagte jedoch auch, dass das Glockenläuten allein nichts gegen solches Gedankengut ausrichten könne. Er forderte deshalb die Gesellschaft auf, sich mit den Rechtsextremen auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie sie jungen Menschen helfen könne, damit diese nach Schule und Lehre ihr Leben mit Sinn gestalten könnten.

          Freude und Trauer in Miltenberg

          Die Ernennung Booms zum Weihbischof hat in Miltenberg Freude und Trauer zugleich hervorgerufen. Man verliere einen begeisterten Seelsorger, sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Schwab. Miltenbergs Bürgermeister Joachim Bieber (CSU) gab zu, dass er den Pfarrer vermissen werde. Boom ist am 25. September 1947 in Ahaus/Alstätte im Münsterland geboren worden. Nach einer Ausbildung als Bauzeichner holte er sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte Theologie, später auch Kunstgeschichte. Bischof Paul-Werner Scheele weihte ihn 1984 zum Priester.

          Spirituellen Rückhalt findet er in der Gemeinschaft von Taizé und der Priestergemeinschaft Jesus Caritas, die Gott mitten in der Welt entdeckt und brüderliche Nähe mit den Menschen sucht. Zu den Lieblingsbeschäftigungen des künftigen Weihbischofs zählt der Sport. Boom wandert und klettert gerne. Außerdem hält er sich auf dem Fahrrad fit. Mit dem Rad pilgerte er nach Santiago de Compostela, besuchte Osteuropa und schaffte gar den Weg ins Heilige Land. Entspannung sucht er bei Kunst und klassischer Musik, bekennt aber auch, dass er ab und an auch mal die „Toten Hosen“ oder „Pur“ höre. Boom ist Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Katechetenvereins und in der Kunstkommission der Diözese Würzburg.

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