https://www.faz.net/-gzg-a1wnb

Zitadelle in Mainz : Logenplatz für Antikenfreunde

Sollen aufgewertet werden: die Ruinen und Mauerreste der Ausgrabungsstätte Römisches Theater in Mainz Bild: Maximilian von Lachner

Die Zitadelle in Mainz bekommt einen Infopunkt. In den Containern sollen Besucher unter anderem erfahren, warum in der Stadt am Rhein das größte römische Bühnentheater nördlich der Alpen erbaut wurde.

          2 Min.

          Diese Geschichte wartet noch immer darauf, anschaulich erzählt zu werden. Denn viel zu sehen ist nicht mehr von dem römischen Bühnentheater, das in Mogontiacum, der Hauptstadt der Provinz Germania superior, vor rund 1700 Jahren Platz für bis zu 10.000 Besucher bot. Einen kleineren Vorgängerbau soll es gar schon Anfang des ersten Jahrhunderts nach Christus gegeben haben. Aus Sicht der Archäologen dürfte es sich bei der „neueren Spielstätte“ mit einem Durchmesser von 116 Metern und einer Bühnenbreite von 42 Metern seinerzeit um das größte römische Bühnentheater nördlich der Alpen gehandelt haben.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Vor mehr als 20 Jahren wurden die am Jakobsberg unterhalb der Zitadelle im Erdreich liegenden Reste aus der Römerzeit, vor allem Pfeilerstümpfe, ein wenig Mauerwerk und Teile der Sitzreihen, in einer Gemeinschaftsaktion mit Hilfe vieler engagierter Bürger zwar wieder ans Tageslicht geholt. Ein wirklich sehenswerter Ort ist daraus aber bis heute nicht geworden.

          Seit Dienstag stehen oberhalb des von Bahngleisen begrenzten Geländes nun immerhin einige, wenngleich noch leere Container, die im August in einen zirka 70 Quadratmeter großen Infopunkt mit Teeküche und Besuchertoilette verwandelt werden sollen. Auch wenn das Ganze nur als Provisorium gedacht ist, können Besucher dort bis auf weiteres mehr über das Römische Theater, den Drususstein und die Zitadelle erfahren.

          Ein stimmiges Konzept

          Noch müssen sich Neugierige allerdings mit den über einen Bildschirm flimmernden Filmbeiträgen zur laufenden Sanierung der Festungsmauer und den bisherigen Versuchen der Theaterrettung begnügen. Ein stimmiges Konzept für das komplette Areal am Zitadellenweg unterhalb der Lutherkirche erhofft sich die auch in diesem Fall finanziell limitierte Stadt von einem Freiraumwettbewerb für Landschaftsarchitekten, die Gestaltungs- und Nutzungsvorschläge machen sollen. Man suche nach einem Gesamtkonzept für die Konservierung, Präsentation und künftige Verwendung des Hanggeländes, sagte Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD).

          An den Auslobungsunterlagen wird nach Angaben ihres Dezernats noch gearbeitet. Parallel dazu werde es wie bisher in kleinen Schritten weitergehen. So sollen die einst ersatzweise eingebauten hölzernen Sitzreihen, die inzwischen größtenteils schon wieder verrottet sind, beseitigt werden. Auch ein schon länger geplantes und von privaten Spendern unterstütztes Beleuchtungskonzept für den früheren Theaterraum will man möglichst noch in diesem Jahr in die Tat umsetzen.

          In altem Glanz erstrahlen wird das antike Areal, wenn überhaupt, aber wohl frühestens in ein paar Jahren. Bis dahin soll es auch ein neu gestaltetes Informationszentrum mit dazugehörigem Ausstellungskonzept geben, um fortan alle Fragen zum Alltag in Mogontiacum, zu dem Leben in der einstigen Hauptstadt Obergermaniens und zur Bedeutung des Römischen Theaters von Mainz kompetent und anschaulich beantworten zu können.

          Weitere Themen

          Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm Video-Seite öffnen

          Wahrzeichen steht wieder : Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm

          Er erstrahlt fast wieder in seinem alten Glanz - der Frankfurter Goetheturm. Und gäbe es Corona nicht, würde Frankfurt dieses Wochenende zu einer Eröffnungsfeier einladen. Zumindest ein kleiner Kreis konnte das Wahrzeichen am Freitag schon mal genauer in Augenschein nehmen.

          Wie ein Vogel den Taunus sieht

          Blick aus der Höhe : Wie ein Vogel den Taunus sieht

          Was heute der Taunus ist, nannte man früher schlicht die Höhe. Daran erinnert zum Beispiel der Name Bad Homburg vor der Höhe. Nach ganz oben schafft es der Fotograf Axel Häsler. Er besteigt das Flugzeug und sorgt für den Blick aus der Höhe.

          Topmeldungen

          Nordkoreas Machthaber Kim : Stalinist mit PR-Qualitäten

          Tausendsassa, Basketballfan und Trumps Männerfreund: Seit zehn Jahren ist Kim Jong-un der starke Mann in Nordkorea – seit knapp neun an der Spitze des Regimes. Dabei ist der skurrile Diktator Projektionsfläche für Wünsche und Erwartungen. Doch als Reformer enttäuscht er auf ganzer Linie.

          Migrationspolitik : Franzosen denken anders über Flüchtlinge als Deutsche

          In Frankreich herrscht angesichts der Bilder aus griechischen Flüchtlingslagern eine vollkommen andere Stimmung als in Deutschland. Aufrufe, mehr Menschen aufzunehmen, verhallen ungehört. Eine Mehrheit fordert die Abschottung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.