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Mit hoher Durchschlagskraft : Neue Waffe für die Polizei

Ein SEK-Beamter mit einem G36-Gewehr übt auf dem Schießstand in Lorch. Bild: Marcus Kaufhold

Im Einsatz gegen Kriminelle und Terroristen setzt die Polizei in Hessen mit dem G-38 auf mehr Zielgenauigkeit und Wucht aus der Distanz. Geübt wird im sanierten Schießstand im hessischen Lorch.

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          Wenn Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) eigens in die westlichste Ecke Hessens kommt, um den Abschluss einer Schießstand-Sanierung zu würdigen, dann lässt sich die Polizei Hessen etwas Besonderes einfallen: Streifenpolizisten, die mit Dienstpistole das Vorrücken üben; Beamte des Überfallkommandos Frankfurt, die den Umgang mit ihrer neuesten Dienstwaffe, dem Gewehr G-38, demonstrieren, und nicht zuletzt das Kommando der Spezialeinsatzkräfte, deren Präzisionsschützen auch aus 300 Meter Entfernung einen nur drei Zentimeter messenden Zielpunkt treffen müssen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach einer Umbauphase von zwei Jahren und Investitionen von drei Millionen Euro bietet die Schießstätte „Hölzerner Himmel“ im Wald zwischen Lorch und Ransel der hessischen Polizei wieder beste Ausbildungsmöglichkeiten. Die Sanierung ist die Konsequenz einer waffentechnischen Um- und Aufrüstung. Die Polizei hat die alte, schon vor mehr als 50 Jahren eingeführte Maschinenpistole MP-5 vom Kaliber neun Millimeter sukzessive an den Nagel gehängt und dafür insgesamt 1500 „Mitteldistanzwaffen“ mit Zieloptik vom Waffenhersteller Heckler & Koch bestellt. Vor zwei Jahren waren schon 130 G-36-Gewehr an die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten ausgeliefert worden.

          Das G-38 wurde für die Polizei so modifiziert, dass kein Dauerfeuer, sondern nur Einzelschüsse abgegeben werden können. Es ist die neue Standardwaffe für die „Krisenintervention“, zu der möglichst jeder Polizist befähigt sein soll. Und das bedeutet intensive Ausbildung. Lorch ist dafür ideal. Zwar verfügt die Polizei über etliche Raumschießanlagen, doch dort lassen sich nur Einsatzdistanzen bis 25 Meter realistisch üben. Die abgelegene 300-Meter-Schießbahn im Rheingauer Wald, deren Betrieb niemanden stört, ist daher ein Glücksfall und ideale Bühne für die Anordnung realitätsnaher Übungen. Die 25-Meter-Bahn kann dazu sogar mit Autos befahren werden.

          „Gut angelegtes Geld“

          Der Schießstand war in den sechziger Jahren von der Bundeswehr für das damals noch in Lorch stationierte Flugabwehrregiment errichtet worden. Nach dessen Auflösung im Jahr 1993 sicherte sich die Polizei die Anlage als Trainingsgelände für Sondereinheiten und Spezialeinsatzkräfte. Zuständig ist das Polizeipräsidium für Technik, dessen Vizepräsident Michael Stork für seine Behörde in Anspruch nahm, die hessischen Polizisten besser als viele ihrer Kollegen in anderen Bundesländern ausgerüstet zu haben.

          Im Zuge der Arbeiten waren Betonwände neu errichtet, die Geschossfangkammer mit Granulat statt Sand ausgestattet, neue Zäune gegen Wild und Mensch gebaut, neue Elektrotechnik und Hochblenden über der Schießbahn installiert worden. Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sie abends und an den Wochenenden den Reservisten der Bundeswehr und den Mitgliedern der Lorcher Schützenvereine zur Verfügung steht.

          Innenminister Beuth nannte die Investition in Lorch „gut angelegtes Geld“. Die seit Jahren sinkende Zahl von Straftaten sei Ausdruck „guter Arbeit“ der Polizei, die dafür entsprechend ausgestattet und ausgerüstet sein müsse. Zu dieser Ausrüstung gehören nun auch G-36 für das SEK und das leicht modifizierte, rund vier Kilogramm schwere G-38 im Nato-Kaliber 5,56x45 Millimeter für die Interventionsteams, die gefährliche und immer besser bewaffnete Kriminelle und Terroristen wirksam auch aus größerer Entfernung und mit der notwendigen Durchschlagskraft und Präzision bekämpfen können sollen.

          Weil die Waffe größer und schwerer ist und neue Tresore in den Fahrzeugen sowie eine schwerere Schutz- und Einsatzkleidung notwendig macht, hat die Polizei überdies die alten Fahrzeuge vom Typ Opel Zafira ausgemustert und neue Mercedes-Busse vom Typ Vito angeschafft.

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