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: Neue Pläne für Hanauer Freiheitsplatz

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Der Freiheitsplatz ist in einer Reihe von innerstädtischen Plätzen Hanaus der größte und, geprägt von einem Parkplatz und einem Busbahnhof, nach vieler Leute Meinung der häßlichste. Seit vier Jahrzehnten ...

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          Der Freiheitsplatz ist in einer Reihe von innerstädtischen Plätzen Hanaus der größte und, geprägt von einem Parkplatz und einem Busbahnhof, nach vieler Leute Meinung der häßlichste. Seit vier Jahrzehnten diskutieren die Politiker und Bürger über einen Umbau, jetzt soll er in die Wege geleitet werden. Stadtrat und Baudezernent Ulrich Müller (SPD) und die Juryvorsitzende, die Kasseler Architektin Barbara Ettinger-Brinckmann, haben die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs vorgestellt, in dem Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Lichtplaner und Künstler Vorstellungen entwickelt haben, wie sich die Fläche so verwandeln läßt, daß sie zum Verweilen einlädt. Bis zum Sommer will Müller daraus ein Konzept erarbeiten, das reif für die Verwirklichung ist.

          Etwa 220 Bürogemeinschaften hatten sich für den Wettbewerb beworben, von denen 13 eingeladen und weitere 37 für die Teilnahme ausgelost wurden. Eingereicht wurden insgesamt 39 Vorschläge. Die von den städtischen Gremien gemeinsam mit den Bürgern und den Anliegern des Freiheitsplatzes aufgestellten Kriterien konnte nach Meinung des Preisgerichts trotz insgesamt hoher Qualität der Arbeiten allerdings kein Team derart überzeugend umsetzen, daß man nach Müllers Worten von ihm hätte behaupten können, der Vorschlag sei das Ei des Kolumbus. Deswegen verzichtete die Jury, so Ettinger-Brinckmann, auf die Vergabe eines ersten Preises.

          Als beste Arbeit mit dem zweiten Preis bedacht und mit 16000 Euro honoriert wurde die einer Arbeitsgemeinschaft, zu der das Frankfurter Landschaftsarchitektenbüro Volker Götte, das Frankfurter Architektenbüro Albert Speer und die Hamburger Lichtplanerin Ulrike Brandi gehörten. Zwei jeweils mit 12000 Euro dotierte dritte Preise erhielten ein aus den Landschaftsarchitekten Adler und Olsch (Mainz), den AV 1 Architekten (Kaiserslautern) und dem Künstler Christoph Mancke bestehendes Team und eine Arbeitsgemeinschaft der Landschaftsarchitekten Johannes Schwarzkopf (Potsdam) und des Architekten Wolfgang Chmiel (Braunschweig).

          Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer war es, mit der Neugestaltung des Freiheitsplatzes und der durch die Neuorganisation des Busverkehrs möglich werdenden Teilbebauung mit typischer innerstädtischer Nutzung einen "wesentlichen Impuls zur umfassenden Aufwertung und städtebaulichen Entwicklung der nordöstlichen Kernstadt" zu erreichen. Zudem sollte ein öffentlicher Grünraum etabliert werden, der für die Innenstadt Aufenthalts-, Ruhe-, Spiel- und Naherholungsangebote bereithält. Gleichzeitig soll sich der Platz für verschiedene Veranstaltungen eignen. Eine weitere Vorgabe war unter anderem, etwa 400 Parkplätze unter der Erde in bis zu drei Etagen verschwinden zu lassen und geeignete Zu- und Anfahrtswege zu konzipieren.

          Ettinger-Brinckmann meinte, die Aufgabe sei ob der hohen Anforderungen für ein Areal mit der vorhandenen städtebaulichen Umgebung fast unlösbar gewesen. Die Teilnehmer konzentrierten sich durchweg auf zwei Lösungsansätze. Ein Teil ging von einer Teilung des Platzes in einen Grünraum und den Busbahnhof durch ein in der Flucht der Fahrstraße von Süd nach Nord verlaufendes Quergebäude aus. Der andere Teil behielt den Freiheitsplatz als Ganzes bei, engte ihn allenfalls durch Randbebauung etwas ein oder untergliederte ihn durch die Bepflanzung oder Wasserflächen.

          Das Siegerteam bevorzugte die zweite Variante, versteckte den Busbahnhof nicht, wie vielfach geschehen, hinter einen Gebäuderiegel. Gerade die Busfahrgäste seien eine wesentliche Gruppe, die den Grünraum und die zusätzlichen Gebäude beleben sollten, sagte Ralf Habermann, Geschäftsführer des Büros Götte. Deswegen habe man den Blick zum Grünraum offengelassen, daß dieser einlade, auf ihn zuzukommen. Die geforderten neuen Gebäude mit einer Bruttogeschoßfläche bis zu 9000 Quadratmeter plazierte die Arbeitsgemeinschaft in die Randzone und löste damit gleich die Schwierigkeit, die "zerfledderte" Nordost-Ecke des Platzes zu schließen. Hier wurde auf dem Grundriß des früheren Zeughauses ein den Dimensionen der Umgebung angepaßter Neubau vorgeschlagen, in dessen Flucht nach Westen hin bis zum Bangert vier weitere Bauten mit quadratischem Grundriß stehen, den Platz optisch von der Straße trennen und die Architektur der gegenüberliegenden Südseite des Platzes aufnehmen. Eine Esplanade entlang der neuen Häuser verbindet Grünraum und Buszone.

          Der Vorschlag besticht auch dadurch, daß er im Westteil den alten Baumbestand im wesentlichen bewahrt und durch neue Bäume ergänzt, aber das Buschwerk entfernt und so freie Blickmöglichkeiten über den gesamten Platz schafft. Kernstück des Grünraumes ist eine große, lichte Rasenfläche, die sich durch leichtes Gefälle und großzügige Treppen und Sitzblöcke an den Rändern von den sie umgebenden harten Böden abhebt. Unterschiedliche Beläge, Wasser und andere Gestaltungselemente mit wechselnden Licht- und Schattenbereichen sollen eine multifunktionale Nutzung für jedermann, Ruhen, Kinderspiel, Skaten und mehr, ermöglichen. Ein besonderes Gestaltungselement ist ein Glaskubus am Tiefgaragenausgang, durch den Tageslicht bis in die unterste Parkebene getragen werden soll.

          Müller geht davon aus, daß die endgültige Planung den Wettbewerbsgewinnern übertragen wird, aber an ihrem Modell Veränderungen vorzunehmen und Ideen anderer Teilnehmer aufzugreifen seien. Die Bevölkerung kann sich bis zum 15. Februar im ehemaligen Degussa-Gebäude, Eingang Willy-Brandt-Straße 23, ein Bild von der Ideenvielfalt machen, die der Wettbewerb gebracht hat. Die Ausstellung mit allen 39 Wettbewerbsergebnissen samt Modellen ist werktags von 14 bis 20 und an Wochenenden von 10 bis 18 Uhr geöffnet. dll.

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