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F.A.Z. exklusiv : Neue Hinweise auf Mängel bei Notruf in Hanau

Tatnacht: Mit diesem Auto verfolgte Vili Viorel Paun den Attentäter, dann wurde er erschossen. Bild: Reuters

Noch immer steht ein „Organisationsversagen“ in der Tatnacht des Hanauer Anschlags im Raum. Nun gibt es Hinweise, dass Polizisten schon seit längerem auf Mängel beim Notruf hingewiesen haben.

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          Gravierende Missstände bei der Organisation der Wache I der Hanauer Polizei hat die Staatsanwaltschaft Hanau beschrieben. Die Defizite sollen schon seit vielen Jahren bestehen und sowohl bei der Polizeiführung und dem Land Hessen bekannt gewesen sein. Zahlreiche Beschwerden der dort eingesetzten Beamten gingen offenbar ins Leere, jedenfalls wurde von der Polizeiführung und dem Innenministerium nicht für Abhilfe gesorgt. Diesen Eindruck hinterlassen die Schilderungen der Staatsanwaltschaft Hanau, die nach Berichten über eine mögliche Unterbesetzung der Wache und des polizeilichen Notrufs am Abend des Terroranschlags vom 19. Februar 2020 umfangreiche Vorermittlungen vorgenommen hat.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Dabei ging es auch um die Vorwürfe von Niculescu Paun, der Strafanzeige gegen Angehörige der Polizei erstattet hatte wegen fahrlässiger Tötung. Sein Sohn Vili Viorel war dem Täter von dem ersten Anschlagsort am Heumarkt zum zweiten am Kurt-Schumacher-Platz gefolgt und hatte unterwegs mehrmals versucht, den Notruf telefonisch zu erreichen. Am Kurt-Schumacher-Platz erschoss der Amokläufer den jungen Mann in seinem Auto. Nach Abschluss ihrer Untersuchungen lehnte die Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Nichterreichbarkeit des Notrufes ab und entlastete die diensthabenden Beamten. Es habe keine Verstöße gegen Dienstvorschriften gegeben, hieß es. Die Ergebnisse der Voruntersuchung teilte die Staatsanwaltschaft der Öffentlichkeit in einer 24 Seiten umfassenden Pressemitteilung mit.

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