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Neu-Anspach : Mit 10.000 neuen Einwohnern zur Stadt geworden

Kunst vor dem Feldberg-Center in Neu Anspach Bild: Marcus Kaufhold

Seit 35 Jahren plant Neu-Anspach sein Wachstum über eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme. 2200 Häuser und Wohnungen sind entstanden - unter anderem. Doch trotz der Erfolge sind die Skeptiker nie verstummt.

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          Das Häuschen im Grünen ist meist ein Reihenhäuschen. Manchmal auch nur eine Wohnung. Hauptsache im Taunus und Frankfurt noch in Reichweite. Dieses nicht nur in den sechziger Jahren vorherrschende Ideal haben gut 10.000 Menschen in Neu-Anspach verwirklichen können. Um diese Zahl ist die Einwohnerschaft der einstigen Dörfer Anspach, Hausen-Arnsbach, Rod am Berg und Westerfeld in den vergangenen 35 Jahren gestiegen. 1970 hatten sich die ersten drei zusammengeschlossen, Westerfeld stieß 1972 dazu. Also schon vor der verordneten Gebietsreform, die andere Orte landesweit um ihre Selbständigkeit fürchten ließ. Es bestand Handlungsbedarf, stellt der Neu-Anspacher Geograph und Hessenpark-Gründer Eugen Ernst in seinem jüngsten Buch über den Taunus fest. Denn rund um den Feldberg begannen Wochenendhaus-Ansammlungen sich als Vorboten der Zersiedelung zu festen Wohnsitzen auszuwachsen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Um dem Siedlungsdruck zu begegnen, führte das Städtebauförderungsgesetz die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ein. Planvolles Wachstum, bei dem die öffentliche Hand die Wertsteigerung der früheren Äcker bei der Umwandlung in Wohnungsbauflächen abschöpft und mit dem Erlös die Infrastruktur bezahlt: Nach diesem Prinzip wurden quer durch Hessen, von Dietzenbach über Stadtallendorf bis Baunatal, Kommunen entwickelt. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Manche Pläne erwiesen sich als zu ambitioniert. So wurde das für Neu-Anspach ausgegebene Ziel von 30.000 Einwohnern bald halbiert. Andere Pläne, wie der für Dietzenbach, konnten nur mit großer Verzögerung verwirklicht werden, weil sich die Alteigentümer der Grundstücke mit dem festgesetzten Preis und der Enteignung nicht abfinden wollten. Und wenn sich die Vermarktung der Baugebiete hinzieht, kann dies wie beim neuen Frankfurter Stadtteil Riedberg zu hohen Finanzierungskosten führen. Dann wird aus dem kalkulierten Überschuss ein Zuschussgeschäft.

          „Erfolgsmodell“ hinter dem Taunuskamm

          Die Konflikte in Neu-Anspach, das vor zwei Jahren als Konsequenz des Wachstums von der Gemeinde zur Stadt wurde, waren weit geringer als anderswo. Aber nicht nur deshalb spricht die Naussauische Heimstätte, die 1974 von der Kommune als treuhänderischer Entwicklungsträger und Projektmanager eingesetzt worden ist, von einem „Erfolgsmodell“ hinter dem Taunuskamm. Auf den 135 Hektar Entwicklungsfläche seien außer 2200 Häuser und Wohnungen auch neun Jugendeinrichtungen, Sportplätze, Friedhöfe, eine Stadtbücherei, ein Bauhof und ein Bürgerhaus entstanden. Nicht zu vergessen die zahlreichen örtlichen und überörtlichen Straßen mit einem Investitionsvolumen von 48 Millionen Euro.

          Auch finanziell mache sich die Entwicklungsmaßnahme für die Stadt bezahlt. Der Wirtschaftsplan weise bis Ende 2008 Gesamteinnahmen von 98 Millionen Euro aus, denen Ausgaben von 92 Millionen gegenüberstünden. Damit blieben derzeit noch sechs Millionen Euro für weitere Investitionen übrig, hat die Nassauische Heimstätte ausgerechnet.

          Die Kalkulation sehen viele Politiker in Neu-Anspach mit gewisser Skepsis. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Kraft etwa glaubt nicht an einen Abschluss mit Gewinn. Zum einen stünden noch erhebliche Investitionen aus, die von der Stadt zu einem guten Teil selbst bestritten werden müssten. Er nannte als Beispiel den vierten Bauabschnitt der Heisterbachstraße. Vor allem aber kämen die Stadt die Folgekosten der Infrastruktur teuer zu stehen. Das gelte sowohl für die Unterhaltung der Gebäude und Sportanlagen als auch für die laufenden Ausgaben. „Allein bei der Kinderbetreuung haben wir drei Millionen Euro Unterdeckung“, so Kraft.

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