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Nescafé-Werk Mainz : Kaffeepäuschen sind Pflicht

Damit die Güte von Nescafé immer gleich hoch bleibt, gibt es umfangreiche Qualitätskontrollen bei Nestlé in Mainz Bild: Cornelia Sick

Im Mainzer Nescafé-Werk wird seit 50 Jahren löslicher Kaffee hergestellt. 360 Mitarbeiter sind ganzjährig und rund um die Uhr im Einsatz. Das Unternehmen kündigt Investitionen in Höhe von zwölf Millionen Euro an.

          3 Min.

          Dreimal am Tag kommen sie im ersten Stock des Produktionsgebäudes zusammen: Jene Kollegen mit der speziellen Ausbildung und dem ganz besonderen Geschmacksempfinden, die sich dann an runden Tischen im Degustierzimmer niederlassen, um dem im Erdgeschoss gerade hergestellten Löslichen auf den Grund zu gehen. Diese regelmäßig wiederkehrende Blindverkostung der Marken Nescafé Classic und Nescafé Gold sowie des Kakaogetränks Nesquik zählt zu den wesentlichen Qualitätskontrollen im Mainzer Nestlé-Werk, das seit nunmehr 50 Jahren den deutschen und den westeuropäischen, in jüngster Zeit vor allem aber auch den osteuropäischen Markt mit Heißgetränken aus Gläsern, Dosen oder Tütchen versorgt. Weltweit werden nach Angaben des Schweizer Marktführers in jeder Sekunde 4100 Tassen Nescafé getrunken – was am Ende eines jeden Tages mehr als 350 Millionen Tassen wären.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Als Industriebetrieb müsse man sicherstellen, dass die aus Kaffeebohnen unterschiedlicher Länder wie Kolumbien, Brasilien und Kenia hergestellten Mischungen selbst über Jahre hinweg stets von gleicher Güte seien, erklärte gestern Werkleiter Knut Schaefer. Das von ihm geführte Unternehmen im Mombacher Industriegebiet, für das 1958 der Grundstein gelegt worden war und das zwei Jahre später, am 8. September 1960, in Betrieb genommen wurde, gehört zu den ältesten Werken der mittlerweile 25 Nestlé-Standorten in Deutschland. Mehr als 360 Mitarbeiter halten die drei vollautomatischen Produktionslinien für Classic, Gold und Nesquik im Vierschichtbetrieb das ganze Jahr über rund um die Uhr am Laufen. Die meiste Arbeit machen bei alledem die Verpackung und der Transport. Schließlich werden in Mainz innerhalb eines Jahres jeweils rund 15.000 Tonnen Kaffee- und Kakaoprodukte für Kunden in mehr als 40 Ländern hergestellt.

          3,5 Milliarden Franken Umsatz aus Deutschland

          Der Nestlé-Konzern hat für 2009 ein organisches Wachstum von mehr als vier Prozent, einen Gesamtumsatz von 108 Milliarden und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von knapp 16 Milliarden Schweizer Franken für seine weltweit 449 Werke gemeldet. Die Kollegen in Deutschland steuerten dazu knapp 3,5 Milliarden Euro bei. Mit der Herstellung löslichen Kaffees, einem der Kerngeschäfte des Konzerns, beschäftigen sich aktuell die Mitarbeiter von 30 Werken rund um den Globus. Obwohl auf dem Gelände an der Rheinallee kaum mehr Raum für Anbauten sei, werden laut Schaefer „zum Fünfzigsten“ des Mainzer Werkes bis zum Frühjahr 2011 rund zwölf Millionen Euro in neue Anlagen und eine weitere Qualitätsverbesserung investiert.

          15.000 Tonnen Nescafé und Nesquik werden jedes Jahr in Mainz hergestellt
          15.000 Tonnen Nescafé und Nesquik werden jedes Jahr in Mainz hergestellt : Bild: Cornelia Sick

          Die Wirtschaftskrise 2009 habe beim Export allenfalls für eine „kleine Delle gesorgt“, sagte Joachim Weber, ehemaliger Mainzer Werkleiter und inzwischen für Technik bei der Nestlé Kaffee und Schokoladen GmbH zuständig. Zweifellos sei der Konkurrenzkampf der Kaffeeröster gerade mit Blick auf jüngere Kunden nicht eben leichter geworden. Cappuccino oder Latte Macchiato aus der eigenen Edelstahlmaschine scheint zum Lebensgefühl vieler Menschen unter 35 doch besser zu passen als jener Instantkaffee aus dem Glas, den es schon zu Omas und Opas- Zeiten gab.

          Angebote für jüngere Kaffeetrinker

          Einerseits habe das eigene Unternehmen mit den Kaffeeautomaten „Nespresso“ und „Nescafé Dolce Gusto“ inzwischen aber auch dieser Zielgruppe etwas zu bieten, meinten Weber und Schaefer. Zum anderen liege der Reiz des Löslichen ja gerade darin, dass man jederzeit und ohne Apparaturen einen Bohnenkaffee aufbrühen könne, der keinen Vergleich zum Filterkaffee scheuen müsse; was angesichts von etwa 1000 für den Geschmack mit verantwortlichen Kaffee-Aromastoffen, von denen wohl 200 bis heute noch gar nicht identifiziert werden konnten, keine einfache Aufgabe sei.

          Doch genau so lautete der Auftrag, den die erfindungsreichen Schweizer 1930 aus Brasilien erhalten hatten. Sie sollten ein Kaffeekonzentrat in Würfelform schaffen, um das begehrte Heißgetränk fortan an vielen Orten schnell und mühelos zubereiten zu können. Das mit dem Würfel hat zwar nicht geklappt. Doch immerhin fand das Forscherteam um Max Morgenthaler innerhalb von sieben Jahren eine passende Lösung in Pulverform. Dafür werden die Bohnen geröstet, gemahlen und mehrfach aufgebrüht sowie anschließend entweder schonend getrocknet oder eingefroren und abermals zerkleinert. Am Ende bleibt ein Extrakt ohne Wasseranteile übrig.

          Ein wenig Nescafé gehörte 1969 auch zur Bordverpflegung in der Apollo 11, jenem Raumschiff, das die ersten Menschen zum Mond gebracht hat.

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