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Nerobergbahn : Schräges Wahrzeichen der Landeshauptstadt

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Die Nerobergbahn fährt seit 120 Jahren auf den Hausberg Wiesbadens Bild: dpa

Sie ist ein Relikt aus den großen Zeiten der „Weltkurstadt“. Vor 120 Jahren ging in Wiesbaden die Nerobergbahn in Betrieb. Zum Jubiläum gibt es Fahrten mit Empfang auf der Bergstation.

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          Sie ist ein Relikt aus den großen Zeiten der „Weltkurstadt“ und gehört heute zu Wiesbaden wie die Wilhelmstraße, das Kurhaus oder der Landtag: die Nerobergbahn, die den Wiesbadenern und ihren Gästen seit 120 Jahren zuverlässig zu Diensten steht.

          Schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten rumpelten die beiden kleinen gelb-blauen Bergbahnwagen mit beschaulicher Geschwindigkeit von exakt 6,78 Kilometer in der Stunde. Wie einst schafft sich noch heute die technische Merkwürdigkeit vom Nerotal über ein stattliches Viadukt hinauf auf den Wiesbadener Hausberg. 440 Meter müssen die beiden gelben Wägelchen dabei zurücklegen und eine Steigung von bis zu 25 Prozent bewältigen. Dabei dauert die planmäßige Fahrzeit von der Talstation zum 245 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Neroberg damals wie heute dreieinhalb Minuten – genau so lange wie die Talfahrt.

          Wasser sorgt für das nötige Gewicht

          Denn Berg- und Talbahn sind fest miteinander verbunden durch ein Stahlseil, und sie sind, wollen sie ihre Bestimmung erfüllen, aufeinander angewiesen wie zwei Schalen einer Waage: Wird die eine ordentlich mit Gewicht gefüllt, geht die andere in die Höhe. Bei Wiesbadens „Drahtseil-Zahnstangenbahn“ – sie ist deutschlandweit die älteste – sorgt Wasser für das nötige Gewicht. Bis zu 7000 Liter werden an der Bergstation in die Riesentanks des Wagens gefüllt, auf dass die jeweils talwärts Fahrende ihren „Zwilling“ in die Höhe ziehen kann. Der hat seinen flüssigen Ballast unten im Tal gelassen – und weil Wasser ein wertvolles Gut ist, wird es zur Wiederverwendung hinaufgepumpt in das unter dem Nerobergtempelchen angelegte Reservoir.

          Die Nerobergbahn, im September des Dreikaiserjahres 1888 mit allem Pomp in Betrieb genommen, dürfte zu den umweltfreundlichsten öffentlichen Verkehrsmitteln zählen – frei von Schadstoffen, wie in einem kleinen Prospekt über „Wiesbadens romantisches Wahrzeichen“ versichert wird, und dazu ausgesprochen geräuscharm. Auch nennenswerte Zwischenfälle hat es offenbar mit ihr nie gegeben, sieht man von jenem wahrhaft gravierenden Vorfall ab, der ihre Betriebsarithmetik ausnahmsweise durcheinandergebracht haben soll: 50 wohlbeleibte schwäbische Bäuerinnen waren in der Talstation zugestiegen, das Maximum des Zulässigen – doch die oben eingefüllte Wassermenge, die erfahrungsgemäß 50 Personen aufwog, wollte einfach nicht ausreichen. Der Tank war voll, die Bahn aber wollte sich nicht bewegen. Der damalige Bahnmeister Christ war wohl zu höflich, die eine oder andere der Damen zum Aussteigen zu bewegen. Er habe mit der Eisenstange tatkräftig nachgeholfen, „bis die bergseitige Schwerkraft zu siegen begann“, berichtet der Chronist der Wiesbadener Verkehrsbetriebe, Klaus Kopp, in seinem Buch über die Nerobergbahn, das vor 20 Jahren zu ihrem Hundertjährigen erschienen ist.

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