https://www.faz.net/-gzg-adslu

„Zu viel Boden abgedeckt“ : Folien auf Äckern als Feinde der Natur

  • -Aktualisiert am

Wachstumstreiber: Folien wie diese helfen Bauern enorm etwa beim Spargelanbau, rufen aber Naturschützer auf den Plan Bild: dpa

Folien auf Äckern begünstigen das Wachstum etwa von Spargel und helfen so Bauern. Naturschützer sagen aber: Sie engen aber zugleich den knappen Lebensraum von Vögeln und anderen Tieren immer weiter ein. Umweltschützer protestieren deshalb gegen die Verwendung.

          1 Min.

          Wer schon vor Ostern Spargel aus der Rhein-Main-Region essen möchte oder sich früh im Jahr an heimischen Erdbeeren erfreuen will, weiß den Einsatz von schützenden Folien in der Landwirtschaft zu schätzen. Vor allem in Südhessen setzen Erzeuger beim Spargelanbau verstärkt darauf, die Äcker ein- oder gar mehrlagig einzupacken respektive Folientunnel aufzustellen, um das empfindliche Edelgemüse zum Beispiel vor späten Frösten zu bewahren. Nicht nur die deutlich frühere Marktreife – in diesem Jahr begann die Saison offiziell am 8. April – werden als Vorteile genannt.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Unter Folien wachse zudem weniger Unkraut, wodurch der Einsatz von Herbiziden reduziert werden könne; positiv wirke sich das Abdecken zudem auf den Wasserverbrauch aus. Und nicht zuletzt schmecke Spargel meist milder und zarter, wenn er unter Folien gewachsen sei. Diese wiederum könnten mehrere Jahre lang genutzt werden, ehe sie nach Angaben des Arbeitskreises Spargel Südhessen mit Hilfe darauf spezialisierter Recycling-Unternehmen entsorgt werden.

          412 Fußballfelder bedeckt

          Auf die unstrittig ebenfalls vorhandenen Nachteile, wie den Eintrag von Plastik in die Böden, verweist dagegen der Naturschutzbund Worfelden, der im Kreis Groß-Gerau zur Diskussion über den zunehmenden Foliengebrauch anregen möchte. So seien rund um Worfelden und Klein-Gerau in diesem Jahr rund 38 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche über einen längeren Zeitraum hinweg abgedeckt worden – was einer Fläche von 412 Fußballfeldern entspreche. Dadurch werde der ohnehin immer knapper werdende Lebensraum von Vögeln und anderen Tieren noch stärker eingeschränkt.

          Die Bestände von Kiebitzen, Rebhühnern und Feldlerchen seien in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen. „Der Kreis Groß-Gerau gehört zur Ökomodell Region Süd. Das passt nicht zusammen“, befand denn auch der Erste Kreisbeigeordnete, Walter Astheimer (Die Grünen), bei einem im Landratsamt anberaumten Pressegespräch zum strittigen Thema Folienanbau. Um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen landwirtschaftlicher Produktion und dem Erhalt der Artenvielfalt hinzubekommen, müssten sich Bauern sowie Natur- und Umweltschützer möglichst gemeinsam engagieren, so die Botschaft aus dem Kreishaus. Aber auch das hessische Umweltministerium sollte reagieren, um den Einsatz von Folien auf den Ackerflächen durch entsprechende Regelungen einzuschränken.

          Kreis und Naturschützer halten etwa einen Anteil von zehn Prozent Folienfläche für zumutbar; zum Ausgleich müssten dann allerdings zusätzliche Rückzugsräume für Bodenbrüter geschaffen und beispielsweise breite Grünstreifen angelegt werden.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Im Streit mit der EU: Vor dem polnischen Verfassungsgericht am 22. September

          Polens Streit mit der EU : Aus politischen Gründen vertagt?

          Zum vierten Mal hat das polnische Verfassungsgericht die Entscheidung darüber aufgeschoben, ob nationales über EU-Recht steht. Dahinter stecke Kalkül, heißt es aus Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.