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Naturpark Rhein-Taunus : Skiloipen haben keine Zukunft

Weitblick: Der Naturpark bietet 20 zertifizierte Wanderwege, einer ist der Rheinsteig bei Lorch. Bild: Franz Bischof

Die Pandemie führt dem Naturpark Rhein-Taunus viele neue Besucher zu. Noch mehr als das steigende Müllaufkommen macht der Naturparkverwaltung der Klimawandel zu schaffen.

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          Lockdown, Beherbergungsverbote, Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht: In der freien Natur ist wenig von den gravierenden Folgen der Pandemie zu spüren. Entsprechend häufig zieht es Stadtbewohner seit dem Frühjahr in die ländliche Umgebung. Der Naturpark Rhein-Taunus kann diese Entwicklung an den vollen Müllkörben seiner knapp 100 Waldparkplätze ablesen. Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich das Müllaufkommen in dem 811 Quadratkilometer großen Naturpark auf rund 24 Tonnen verdoppelt. Und das, obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt gestiegen ist und viele ihre Abfälle auch wieder mitnehmen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Unbestritten ist: In der Pandemie haben viele Bürger den Wert der wohnortnahen Erholungslandschaft neu schätzen gelernt. Naturpark-Geschäftsführer Andreas Wennemann spricht von einer „intensiven Erholungsnutzung“. Die Infrastruktur des Naturparks mit seinen Parkplätzen, Liegewiesen, Lehrpfaden, Grillhütten, Spielwiesen und 700 Kilometern Wanderwegen war und ist gut ausgelastet. „Nie war der Naturpark so wertvoll wie heute“, sagt Wennemann.

          Zur Attraktion des schon 1968 gegründeten Naturparks tragen 20 zertifizierte Qualitäts- und Premium-Wanderwege bei. Im vergangenen Jahr waren die Wispertrails hinzugekommen: Dieses Netz aus 15 neuen, sehr gut ausgeschilderten und von Wegepaten betreuten Wanderrouten im Wispertaunus mit einer Gesamtlänge von mehr als 200 Kilometern ist ein voller Erfolg. Initiator Robert Carrera und seine Mitstreiter bilanzieren „volle Parkplätze, ausgebuchte Restaurants und fehlende Übernachtungsmöglichkeiten“. Die Zahl der Rufbus-Nutzer in der Region habe sich seither verdoppelt, heißt es.

          Ein weiterer Premium-Spazierwanderweg soll schon bald durch den Kurpark von Bad Schwalbach und den angrenzenden Erholungswald führen. Erst kürzlich hat die Stadt Geisenheim einen zehn Kilometer langen Weinwanderweg neu ausgeschildert.

          Jahresetat von etwa 425.000 Euro

          Alle diese Initiativen stärken den Naturpark. Allerdings nicht unmittelbar finanziell, denn von den Besuchern in Wald und Flur wird kein Obolus erhoben. Die Müllentsorgung ist teuer, die Pflege von Hütten und Wegen aufwendig. Dabei verfügt der Naturpark nur über einen höchst bescheidenen Jahresetat von etwa 425.000 Euro. Wichtigste Geldgeber sind mit jeweils 115.000 Euro jährlich die einzigen beiden Verbandsmitglieder: die Landeshauptstadt Wiesbaden und der Rheingau-Taunus-Kreis. Sie hatten ihre Beiträge erst 2019 jeweils um 20.000 Euro erhöht, nachdem das Regierungspräsidium zuvor ausdrücklich eine auskömmliche Finanzierung des Zweckverbands angemahnt hatte. Für große Sprünge reicht das Geld dennoch nicht. Nur 7000 Euro kann der Naturpark im nächsten Jahr investieren. Das Geld fließt in die Sanierung von Hütten und die Reparatur von Gerätschaften.

          Geschäftsführer Wennemann sieht den Naturpark vor einem Konsolidierungsjahr. Landeshauptstadt und Landkreis müssten eine grundsätzliche Diskussion darüber führen, was sie vom Naturpark künftig erwarteten und wie diese Wünsche finanziert werden sollten. Wennemann hofft noch immer auf ein Nachfolgeprojekt für die vom Bund finanzierten Untersuchungen zur Bechsteinfledermaus: Fünf Jahre lang hatten Fachleute die Lebensräume der Bechsteinfledermaus im Untertaunus untersucht, um dort Lehren für ganz Deutschland zu ziehen. Das ist gelungen, und der Naturpark erhielt neuen Schub. Dabei sind seine Voraussetzungen ohnehin beeindruckend: Er hat mit 62 Prozent den größten Waldanteil aller zwölf Naturparks in Hessen. Hier leben viele bedrohte Arten wie Äskulapnatter, Wildkatze, Schwarzstorch und Luchs.

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