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Natur : Brütende Wanderfalken als Herrscher auf Ehrenfels

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Die Burgruine Ehrenfels im unteren Rheingau ist eines der schönsten Fotomotive in diesem Teil des Unesco-Welterbes "Oberes Mittelrheintal". Im 13.Jahrhundert war sie ein wichtiges Bollwerk und zugleich gewinnbringende Zollstation der Mainzer Bischöfe.

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          Die Burgruine Ehrenfels im unteren Rheingau ist eines der schönsten Fotomotive in diesem Teil des Unesco-Welterbes "Oberes Mittelrheintal". Im 13.Jahrhundert war sie ein wichtiges Bollwerk und zugleich gewinnbringende Zollstation der Mainzer Bischöfe. Ausgehungert übergaben ihre Verteidiger im Dreißigjährigen Krieg den schwedischen Belagerern die Burg, die in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer wechselte, ehe sie im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs im Mai 1689 zerstört wurde.

          Den allmählichen Verfall der Ruine stoppte erst das Land Hessen, das in den Jahren 1987 bis 1992 viel Geld in die Sicherung und Instandsetzung der Ruine steckte und ihre Nutzung schließlich der Stadt Rüdesheim übertrug. Seither harrt die Ehrenfels einer geregelten Nutzung, doch die Überlegungen der Stadt werden nicht mehr dazu führen, daß Besucher die Ecktürme besteigen und den Ausblick genießen können. Der einstige Rittersitz ist heute Stammsitz eines von drei brütenden Wanderfalkenpaaren im Rheingau-Taunus-Kreis, und zu ihrem Schutz müssen Touristen weichen und Wanderer auf Distanz bleiben.

          In dieser Klarheit wurde der Streit um die Burg und ihre Nutzung aber erst in diesem Herbst entschieden, nachdem Rüdesheim formell die ersten Schritte eingeleitet hatte, um die Burg in ihr touristisches Konzept einzubeziehen. Anlaß dafür war der neue Rhein-Burgen-Wanderweg im Mittelrheintal. Weil die Burg im Landschaftsschutzgebiet Rhein-Taunus und im 850 Hektar großen Vogelschutzgebiet "Weinberge zwischen Rüdesheim und Lorchhausen" liegt, wurde die Naturschutzabteilung im Bad Schwalbacher Kreishaus mit der Angelegenheit befaßt. Dort hatte man schon seit Jahren die gelegentlichen Überlegungen der Stadt einer touristischen Nutzung der Ehrenfels mit Argusaugen und Skepsis verfolgt. Offiziell hatte die Stadt seit 1992 nie um die Genehmigung diverser Aktivitäten nachgesucht, inoffiziell hatte es gelegentlich Veranstaltungen gegeben.

          Mit der Anerkennung des Mittelrheintals als Unesco-Welterbe änderte sich die Lage. Unter Beteiligung des Rheingau-Taunus-Kreises entwickelten Lorch und Rüdesheim ein Konzept zur Förderung von Projekten im Mittelrheintal, in dem unter anderem auch "die Erarbeitung eines Nutzungskonzepts für die Burgruine Ehrenfels und bessere Erschließung" vorgesehen war. Diese Liste diente dem Land gegenüber auch als Basis für Förderanträge, und das mit Erfolg: Erst im August 2004 übergab Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Abeln (CDU) in Rüdesheim Förderbescheide über 54000 Euro als fünfzigprozentigen Landeszuschuß zu den Kosten für eine einheitliche Beschilderung des Tals und den teilweisen Kosten einer "behutsamen Erschließung der Burgruine Ehrenfels".

          Doch was das Land Hessen und die Abteilung Kreisentwicklung im Kreishaus tatkräftig unterstützten, blieb der Abteilung Naturschutz und der Staatlichen Vogelschutzwarte offenbar zunächst verborgen. Aufgeschreckt wurden die Natur- und Vogelschützer im Kreishaus erst im März dieses Jahres durch Berichte einiger Naturschutzverbände und der Lokalzeitungen über die "Säuberungsaktion" einer privaten Gruppe an der Burg, in deren Zuge auch eine Bretterwand abgebaut wurde, die den direkten Zugang zum Gemäuer bislang verhindert hatte.

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