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Nahverkehr : Geld zurück bei Verspätungen von Bussen und Bahnen

Jetzt aber schnell: Auch Busfahrer müssen sich künftig öfter beeilen - sonst wird es für die Verkehrsgesellschaften teuer Bild: Daniel Pilar

Gute Nachrichten für alle Pendler im Rhein-Main-Gebiet: Fünf Verkehrsgesellschaften, darunter der RMV, bieten ab sofort eine Pünktlichkeitsgarantie für Busse und Bahnen. Einziger Wermutstropfen: Diese gilt nicht für S-Bahnen und Nahverkehrszüge.

          Von Freitag an gilt in Frankfurt und Südhessen eine Pünktlichkeitsgarantie für Busse und Bahnen. Verspätet sich ein öffentliches Verkehrsmittel um mehr als zehn Minuten, erhält der Fahrgast auf Antrag sein Geld zurück. Die „Zehn-Minuten-Garantie“ gilt für die Tarifzone Frankfurt einschließlich des Flughafens, für die Stadt und den Kreis Offenbach, für Langen, Darmstadt, Dieburg und Seeheim-Jugenheim mit ihren 240 Millionen Fahrten im Jahr.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht einbezogen sind allerdings die von der Deutschen Bahn AG betriebenen und als besonders unpünktlich geltenden S-Bahnen und Nahverkehrszüge. Das Schienennetz der Bahn sei noch so mangelhaft, dass sie erst nach einem Ausbau des Knotens Frankfurt einbezogen werden könne, sagte Volker Sparmann, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Für die Regionalbusse des RMV gilt dagegen die Garantie.

          Sauberkeits- und Sicherheitsgarantie sollen folgen

          Sparmann nannte das Vorhaben den größten Modellversuch Europas. Nirgendwo sonst im Ballungsraum einer Großstadt werden Sparmann zufolge Kunden bei Verspätungen derart weitgehend entschädigt. Lediglich Nordhessen ist mit der „Fünf-Minuten-Garantie“ des Nordhessischen Verkehrsverbundes noch weiter gegangen. Das dortige Netz ist nach Angaben von Sparmann aber nur ein Drittel so groß wie das des RMV und zehnmal weniger dicht befahren, weshalb in Nordhessen viel einfacher für Pünktlichkeit zu sorgen sei als im hochkomplexen Rhein-Main-Gebiet.

          Die „Zehn-Minuten-Garantie“ gewähren fünf Verkehrsgesellschaften: der RMV, die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Offenbach, die Kreis-Verkehrsgesellschaft Offenbach sowie die Lokale Nahverkehrsorganisation der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Sie rechnen damit, dass sich andere Kommunen und Kreise anschließen werden, sollte sich die Pünktlichkeitsgarantie als Erfolg erweisen. Der Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis zeigten schon jetzt starkes Interesse. Man habe aber in der Testphase bewusst die Zahl der Teilnehmer überschaubar gehalten, hieß es gestern bei der Vorstellung des Projekts im Rathaus Offenbach. In fernerer Zukunft wollen die Beteiligten auch eine Sauberkeits- und eine Sicherheitsgarantie einführen.

          Mehr Fahrgäste sollen Mindereinnahmen ausgleichen

          Mit der „Zehn-Minuten-Garantie“ möchten die Nahverkehrsgesellschaften die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs verbessern und zusätzliche Kunden gewinnen. Nach Angaben von Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon (Die Grünen) meiden viele potentielle Fahrgäste Busse und Bahnen, weil sie diese für unpünktlich und unzuverlässig halten. Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen), der das Projekt maßgeblich in die Wege geleitet hat, sprach von einem „Signal“ an Kunden und Verkehrsträger, dass es für gute Leistungen gutes Geld, für schlechte aber kein Geld gebe.

          Sikorski rechnet im ungünstigsten Fall mit Fahrgeld-Rückzahlungen zwischen 300 000 und 400 000 Euro jährlich im Tarifgebiet Frankfurt. Durch Mehreinnahmen über Neukunden glauben die Teilnehmer an der Pünktlichkeitsgarantie, die entstehende Finanzlücke schließen zu können. Die finanzielle Belastung werde sich in Grenzen halten, sagte der Darmstädter Stadtrat Klaus Feuchtinger (Die Grünen) voraus. Sparmann zufolge erwägen laut Umfragen 15 Prozent der Bürger, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Gelinge es, mit der „Zehn-Minuten-Garantie“ die Zahl der Fahrgäste um ein Prozent zu steigern, glichen die Mehreinnahmen die Mindereinnahmen aus.

          Wie der Fahrgast sein Geld erstattet bekommt

          Die Garantie gilt täglich rund um die Uhr. Bei Verspätung eines Verkehrsmittels nach 21 Uhr kann auch eine Taxiquittung eingereicht werden, die Verkehrsgesellschaften zahlen in diesem Fall einen Zuschuss bis zu 15 Euro. Bei Verspätungen auf Grund von „höherer Gewalt“ wie Unwettern oder Streiks wird der Fahrpreis nicht erstattet. Staus fallen jedoch nicht unter diesen Begriff. Der Fahrgast muss eine verspätete Fahrt binnen dreier Tage einer der Verkehrsgesellschaften per Internet melden. Er kann aber auch anrufen oder schreiben. Sein Fahrgeld wird ihm an einer von insgesamt 15 RMV-Vertriebsstellen und Mobilitätszentralen erstattet. Besitzer von Monatskarten erhalten je verspäteter Fahrt einen anteiligen Betrag zurück, in Frankfurt zum Beispiel 1,10 Euro.

          Neben den S-Bahnen und Regionalbahnen sind einige wenige Sonderbuslinien im Stadtgebiet Offenbach und im Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie Anrufsammeltaxis im Kreis Offenbach ausgenommen. Nicht unter die Zusage fallen auch Fernverkehrs-Fahrscheine der Deutschen Bahn, Fahrten mit den Karten, die von Schulen und Schulträgern unentgeltlich an Jugendliche ausgegeben werden, sowie Kombitickets etwa für Eintracht-Spiele. In Offenbach ersetzt die „Zehn-Minuten-Garantie“ die bisher dort gültige „Pünktlichkeitsgarantie“.

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