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: Nachfolger für Nobelrestaurant "Marcobrunn" im Schloß Reichartshausen

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Für das geschlossene Spitzenrestaurant "Marcobrunn" in Schloß Reinhartshausen im Rheingau gibt es keine Wiedereröffnung, aber es hat sich eine Nachfolgerin mit neuem Konzept gefunden: "Prinzess von Erbach" ...

          Für das geschlossene Spitzenrestaurant "Marcobrunn" in Schloß Reinhartshausen im Rheingau gibt es keine Wiedereröffnung, aber es hat sich eine Nachfolgerin mit neuem Konzept gefunden: "Prinzess von Erbach" heißt das Restaurant, das der Gastronom Michael Balzer am 2.Juli in den bisherigen "Marcobrunn"-Räumen eröffnen will.

          Wie berichtet, war das von Alfred Friedrich und seiner Frau seit 1999 geleitete Feinschmecker-Lokal "Marcobrunn" im Januar überraschend geschlossen worden. Seitdem gab es Spekulationen, ob und mit welchem Konzept es wieder eröffnet wird oder ob es das gleiche Schicksal wie das "Graue Haus" in Winkel erleidet, das schon seit Jahren auf eine Wiedereröffnung wartet.

          Daß der umtriebige und kreative Gastronom Michael Balzer nun auch das einstige "Marcobrunn" pachtet, ist indes keine Überraschung. Der 32Jahre alte Restaurantfachmann hatte erst im Frühjahr 2002 die Bewirtschaftung des "Schloßkellers" übernommen und wenig später auch die "Schloßschänke". Daß der "Schloßkeller", der 2001 im Zuge einer Neuordnung der Gastronomie nach der Übernahme des Schlosses durch eine Investorengruppe unter Führung von Dieter Bock erstmals verpachtet worden war, eine schwierige Herausforderung für einen Gastronomen darstellt, zeigte sich schon nach einem Jahr, als der erste Pächter Reiner Burger auf- und an Balzer übergab.

          Balzer hat seither versucht, den 144Plätze umfassenden Keller am Markt als gemütliches und zugleich stilvolles Restaurant "nach italienischer Art" zu etablieren. Heute räumt er ein, daß die Hemmschwelle eines "Schlosses" für viele Besucher zu groß und der Keller im Rheingauer Sommer kein attraktiver Platz sei. Daran änderten auch die Einrichtung einer großen Sommerterrasse, der zweifache Wechsel des gesamten Teams in Küche und Service und der Bau eines separaten Eingangs nichts. Zudem sei es schwierig gewesen, Veranstaltungen und ein A-la-carte-Angebot unter einen Hut zu bringen.

          Balzers Pachtvertrag für den "Schloßkeller" wurde nun zum 30.Juni aufgelöst. Er will den "Schloßkeller" aber weiter für Veranstaltungen wie Feste und Hochzeiten nutzen. Dazu gibt ihm sein neuer Vertrag die Möglichkeit, der auch vorsieht, daß Balzer alle Räume des Schlosses einschließlich Kelterhalle, Schloß-Sälen und Rheininsel Mariannenaue belegen darf.

          Das renovierte, im Kolonialstil umgestaltete und neu möblierte "Prinzess von Erbach", dessen Bezeichnung den Spitznamen der Erbacher für Marianne von Preußen aufgreift, soll mit seinen beiden Räumen "Belvedere" und "Kleines Palais" den 60Gästen eine "lichte und luftige" Atmosphäre bieten. Die Küche solle trotz aller "Verspieltheit in der Darbietung" erstklassige Qualität bieten, wenn auch "unter Sterne-Niveau". 100Weine soll es im Ausschank geben. Geöffnet wird mit Ausnahme am Sonntag nur abends, Dienstag wird Ruhetag.

          Balzer steht mit seinem neuen Vertrag in direkter, hausinterner Konkurrenz zur Hotelküche. Wenn das eigenständig geführte Weingut des Schlosses nun beispielsweise für Gäste ein Menü bestellt, kann es sich bei Balzer und beim Hotel ein Angebot dafür machen lassen. Balzer erwartet davon jedoch weniger Reibungsverluste oder Ärger, sondern eher einen wechselseitig motivierenden internen Wettbewerb im Haus, wie er sagt.

          Für diesen Wettbewerb hat sich die Hotelküche durch einen neuen Küchenchef schon gewappnet. Oliver Barda wird künftig für die Gäste im Restaurant "Wintergarten" sowie bei Gesellschaften und Tagungen kochen. Der 32Jahre alte Koch hat in seiner Heimatstadt Lüneburg sein Handwerk gelernt, in mehreren renommierten Schweizer Hotels gearbeitet sowie in Hamburg. Bei Kempinski leitete er in Berlin die Küche des "Bristol" und später auch auf den Kreuzfahrtschiffen "MS Berlin" und "Aida-Vita".

          An der Bavaria Hotelfachschule Neuötting legte er die Prüfung zum Küchenmeister ab. In einer Mitteilung von Schloß Reinhartshausen heißt es, Barda habe in aller Welt kulinarische Ideen gesammelt, die er jetzt in die Tat umsetzen wolle, darunter auch "Live-Cooking-Parties". Barda koche nach klassisch französischer Ausrichtung, und er versuche, den Produkten soviel Eigenleben wie nur möglich zu lassen. OLIVER BOCK

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