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Neubau in Friedberg : Supermarkt und Dach-Café

  • -Aktualisiert am

Leerstand an zentraler Stelle: das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg Bild: Wolfram Ahlers

Für das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg steht nun eine Nachfolgenutzung an. Die Werkmann-Gruppe will das Grundstück umgestalten, das massige Gebäude soll aufgebrochen werden.

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          Nicht nur Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) bezeichnet das Areal des ehemaligen Kaufhauses Joh als einen Anker in der Friedberger Innenstadt, dessen Nachnutzung von besonderer Be­deutung sei. Auch die Bevölkerung teilt diese Einschätzung. Als der neue Eigentümer der Immobilie, die Werkmann-Unternehmensgruppe, einen Namenswettbewerb für das neu zu gestaltende Gebäudeensemble initiierte, war die Resonanz jedenfalls beachtlich: Rund 300 Vorschläge wurden eingereicht und an der Abstimmung beteiligten sich fast 1000 Bürger. Nun ist die Sache entschieden: Kaiser-Forum heißt das frühere Kaufhaus Joh.

          Was passend ist, zum einen, weil sich das Anwesen im Zentrum der Kaiserstraße befindet, und zum anderen. weil auch der umgestaltete Bau die Öffentlichkeit anzieht. Denn nach dem in Abstimmung mit der Stadt entwickelten Konzept wird es auf einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern ein Mix aus Handel, Büroräumen, Praxen und Wohnungen geben.

          Drei verbundene Baukörper sollen entstehen

          Nach dem vom Friedberger Architektenbüro BLFP erarbeiteten Entwurf sollen auf dem Grundstück drei miteinander verbundene Baukörper entstehen, die sich bis in den hinteren Teil des Areals in Richtung Stadtkirche erstrecken und mit begrünten Innenhöfen aufgelockert werden. Wesentliche Neuerung ist also der Aufbruch des massigen Gebäudekörpers. Vom ehemaligen Kaufhaus erhalten bleiben demnach nur Unter- und Erdgeschoss. Darauf sollen Staffelgeschosse kommen, wobei an den Details der künftigen Fassadengestaltung noch gefeilt wird.

          Die meiste Fläche im Erdgeschoss ist für einen Lebensmittelmarkt vorgesehen, zudem soll eine Selbstbedienungs-Bankfiliale und die Touristeninformation der Stadt unterkommen, die derzeit an der Stadthalle ein wenig abseits des Fremdenverkehrsgeschehens liegt. In den neu errichteten oberen Geschossen können sich Büros und Praxen einrichten, vor allem aber entsteht inmitten der Innenstadt neuer Wohnraum. Konzipiert sind bis zu 50 Wohnungen unterschiedlicher Größe, vom Ein-Zimmer-Appartement bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung. Einen besonderen Akzent setzen soll ein Dach-Café mit Blick auf die Einkaufsmeile und Verkehrsader Kaiserstraße und die Altstadt. Die früheren Lagerräume des Kaufhauses sollen nach Umbau und Erweiterung als Tiefgarage für Bewohner und Kunden fungieren. Wobei weitere Außenparkplätze im Gespräch sind.

          Bis aus all dem Realität geworden ist, wird freilich noch Zeit vergehen. Nach Auskunft von Geschäftsführer Uwe Werkmann geht es derzeit um die Abstimmung mit den beteiligten Behörden, unter anderem der Denkmalpflege, und den Gremien der Stadt für das Bebauungsplanverfahren. Die Ergebnisse kommen danach in die Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung. Voraussichtlich im nächsten Jahr dürfte die Baugenehmigung vorliegen, so dass dann in einem ersten Schritt für das circa 35-Millionen-Euro-Projekt der Abbruch der oberen Geschosse in Angriff genommen werden kann

          Veränderung nach einem Jahrzehnt

          Was bedeutet, dass sich nach rund einem Jahrzehnt auf dem Anwesen wieder wirklich etwas tut. Nachdem das Kaufhaus Joh lange zu den Frequenzbringern der Einkaufsmeile Kaiserstraße zählte, musste es im Herbst 2013 im Zuge der Insolvenz des Unternehmens mit Stammsitz in Gelnhausen schließen. In der Folgezeiten gab es dann und wann noch Nischennutzungen, ansonsten aber steht das stattliche, in den siebziger Jahren errichtete Gebäude seither leer. Versuche, eine stabile Nachfolgelösung zu etablieren scheiterten. So fand eine britische Investmentgesellschaft, die das Haus übernommen hatte, keinen Nachmieter. Dann nahm sich als neuer Besitzer die Bauträgergesellschaft 3 V Invest aus dem Raum München der Immobilie an und entwickelte auch detaillierte Pläne, wie das Anwesen genutzt werden könnte, wenn schon die Wiederbelebung eines Universalkaufhauses an dieser Stelle nicht mehr in die Zeit passte. Eine Mischnutzung war vorgesehen, ähnlich der, die Werkmann nun realisiert. Es ging jedoch nicht voran, was der Investor unter anderem mit der schwierigen Suche nach geeigneten Mietern begründete.

          Das Konzept wurde überarbeitet, das eine oder andere verworfen und neu eingefügt. Voran ging es trotzdem nicht. Vermutungen wurden geäußert, das Unternehmen wolle sich aus dem Projekt zurückziehen und warte einen günstigen Zeitpunkt zur Veräußerung ab. Das wurde zwar dementiert und wie zum Beleg dafür wurden nochmals Änderungspläne eingereicht. Den städtischen Gremien aber riss der Geduldsfaden, sie lehnten eine nochmalige Änderung des Bebauungsplans ab, und für den Entwurf eines städtebaulichen Vertrags fand sich keine Mehrheit. So kam es schließlich zum abermaligen Besitzerwechsel; ein im Wortsinn naheliegender, denn die Werkmann-Gruppe ist schon in der Nachbarschaft tätig, mit einem neuen Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Reuß.

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