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Terrorpaar aus Oberursel : Verbindung zur Islamistenszene

Ermittlungen auch über Hessen hinaus: ein Mitglied der Tatortgruppe des Bundeskriminalamtes in Oberursel Bild: dpa

Die Ermittler bringen immer mehr Details über Hailil und Senay D. ans Licht. Das Islamistenpaar hatte vermutlich Kontakte zu anderen Salafisten in Hessen - und könnte weitere Anschläge geplant haben.

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          Nach dem vereitelten Anschlag, der mutmaßlich dem traditionellen Radrennen am 1.Mai gelten sollte, steht die hessische Islamistenszene im Fokus der Sicherheitsbehörden. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören ist, werden Verbindungen in andere Bundesländer für wahrscheinlich gehalten und deshalb geprüft. Allerdings habe sich der Verdacht erhärtet, dass Halil und Senay D. aus Oberursel vor allem im Umfeld von hessischen Islamisten agierten.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So soll sich Halil D. unmittelbar vor dem Rennen mit einem polizeibekannten Salafisten aus der Region getroffen haben. Spuren führen vor allem nach Offenbach, aber auch in die Frankfurter Szene. Allerdings soll es sich dabei nicht um Personen handeln, die im Zusammenhang mit der umstrittenen „Lies“-Kampagne aufgefallen sind, bei der Salafisten jüngst Koran-Exemplare in den Innenstädten verschiedener Städte verteilt hatten. Vielmehr sollen die Beschuldigen Verbindungen zu Personen haben, die schon seit vielen Jahren zur hessischen Islamistenszene zählen.

          Extremisten dürften nicht das Leben umkrempeln

          Geprüft wird unter anderem, wie weitreichend die Verbindungen zu dem aus Langen stammenden und inzwischen verurteilten Adem Y. sind, der 2007 Mitglied der sogenannten Sauerland-Gruppe war. Aber auch weitere Islamisten aus der Region, von denen sich einige mittlerweile im Ausland aufhalten, werden mit dem Ehepaar in Verbindung gebracht und als mögliche Unterstützer überprüft.

          Am Wochenende machte der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) deutlich, dass er die anstehenden sportlichen Großveranstaltungen in Frankfurt wie den JP Morgen Chase Lauf, den Ironman und den Marathon nicht allesamt gefährdet sehe. Am Ende zähle zwar die Gefahreneinschätzung von Polizei und Verfassungsschutz, sagte der Stadtrat, „wir dürfen es aber nicht dazu kommen lassen, dass einige Extremisten es schaffen, das ganze Leben der Bürger umzukrempeln“. Es müsse auch in Zukunft möglich sein, in Frankfurt große Sportevents abzuhalten.

          Es könnte weitere Ziele gegeben haben

          „Es gibt außer dem Sport sonst fast keine gesellschaftlichen Ereignisse, bei denen jeder seine Chance hat, gleich, welcher Herkunft er ist.“ In den nächsten Wochen will Frank ein Treffen mit den Veranstaltern der großen Läufe und des Ironman einberufen, um gemeinsam mit der Polizei eine neue Sicherheitsstrategie zu entwickeln.

          Jo Schindler, Veranstalter des Frankfurt Marathons, warnte davor, in Hysterie zu verfallen. Die Absage des Radrennens am Freitag und die damit verbundenen Erkenntnisse über mögliche Anschlagspläne seien erschreckend. Es sei aber ratsam, erst einmal die Ermittlungen abzuwarten, sagte Schindler. „Es macht in der Bewertung ja einen Unterschied, ob es sich, wie in Boston, um Einzeltäter handelt oder ob eine ganze Gruppe unter Verdacht steht, Anschläge auf sportliche Großereignisse verüben zu wollen.“

          Diese Frage ist auch aus Sicht der Ermittler noch offen. Die Beschuldigten Halil und Senay D., die seit Donnerstagabend in Haft sind, machen weiterhin keine Angaben. Die Polizei vermutet, dass das Radrennen sehr wahrscheinlich ein Anschlagsziel war. Darauf ließen die Aktivitäten des Paares schließen. Wie berichtet, wurde Halil D. in den Tagen vor dem Radrennen mehrfach an der Strecke beobachtet. Er habe sie systematisch abgegangen, hieß es. Die Ermittler schließen aber nicht aus, dass das Paar auch Ziele für weitere Attentate in Erwägung gezogen hat. Dafür gebe es jedoch derzeit keine konkreten Hinweise.

          Offenbar hatte Halil D. weitreichende Kenntnisse für den Umgang mit Sprengstoff. Seit Jahren soll er sich damit befasst haben, zunächst in einer Art Selbststudium, dann als Student der Goethe-Universität. Deshalb führen die weiteren Ermittlungen auch in sein universitäres Umfeld.

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