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Mythen und Romantik : Geheimnisvolle Märchenreise durch den Spessart

Anziehungspunkt: Die Ronneburg ist als Ausflugsziel in der Region bekannt. Das Sinntal jedoch weniger. Bild: Wolfgang Eilmes

Im Main-Kinzig-Kreis sucht eine junge Tourismusgesellschaft neue Wege für die Vermarktung. Dafür setzt sie auf Mythen und Romantik - und kleineren Themen, die das Herz berühren.

          Kurt Hartmann erscheint einem Märchen der Brüder Grimm entsprungen. Mit grünem Kapuzenumhang, breitkrempigem Hut, der ihn vor dem Regen schützt, und urigem Stab steht er inmitten seiner Schafherde wie eine Sagengestalt vergangener Jahrhunderte. Doch der Schäfer aus dem Bergwinkel, der Hügellandschaft rund um Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis, ist echt und wie dafür geschaffen, die Idylle und die Geheimnisse der Spessartregion zu verkörpern. Genau diese Aufgabe erfüllt er in einer professionellen Fotostrecke im ersten Spessart-Magazin der Spessart Tourismus- und Marketing-Gesellschaft des Main-Kinzig-Kreises. „Wir wollen den Sagen, Märchen und Mythen des Spessarts mehr Raum und Bedeutung verleihen und damit auch ein internationales Publikum ansprechen, etwa aus Asien und den Vereinigen Staaten“, sagt Bernhard Mosbacher.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der 53 Jahre alte Tourismusexperte aus dem Taunus steht seit gut einem Jahr der jungen Gesellschaft als Geschäftsführer vor. Sie übernahm mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer im vergangenen Jahr die zuvor in der Kreisverwaltung verankerte Aufgabe der touristischen Vermarktung des Landkreises. In den neuen Räumen an der Seestraße in Gelnhausens Innenstadt arbeitet Mosbacher mit drei Mitstreiterinnen seit vergangenem Herbst am touristischen Neubeginn und der Etablierung der Marke Spessart.

          Märchenreise mit mehreren Stationen

          Die soll sich unter anderem durch mehr Übersichtlichkeit auszeichnen. Noch stapeln sich im Kreishaus Berge von Hochglanzbroschüren und Farbprospekten, die in vergangenen Jahren für die Beherbergungsbetriebe und Attraktionen im Kreis warben. Die Papierflut soll ein Ende haben. Künftig will man sich auf das Spessart-Magazin konzentrieren, in dem informative, geheimnisvolle und romantische Geschichten wie die von Schäfer Hartmann erzählt werden. Sie sollen dem Leser eine lebendige Vorstellung verschaffen von der Natur und der Kultur, den Wellness- und Gesundheitsangeboten, der Tradition und der Geschichte, den Freizeitmöglichkeiten und vielfältigen Sehenswürdigkeiten im Main-Kinzig-Kreis. Das Heft erscheint ein- bis zweimal im Jahr, liegt in Hotels und Gaststätten des Kreises aus, wird an Tourismuskunden verschickt und wirbt auf Messen für den Kreis mit der Romantik des Spessartwaldes und der Idylle des Kinzigtals. Auch im Rhein-Main-Gebiet soll es beispielsweise über Lesezirkel dafür sorgen, dass der Kreis als attraktive und gut an das überörtliche Verkehrsnetz angebundene Ausflugsregion bekannter wird.

          Das ist auch die Aufgabe des neu aufgebauten Internetauftritts der Tourismusgesellschaft. Schon freigeschaltet ist ein „Spessart-Blog“ mit munteren Schilderungen etwa des Hanauer Märchenpfads oder über das Wandern und Radfahren im Spessart. Wenn die Seiten im Herbst rundum fertig sind, sollen sie unter anderem den Überblick über Hotellerie, Ferienhäuser und gastronomische Betriebe im Kreis bieten und die Nutzer entsprechend weiterleiten. Dabei setzt Mosbacher auf einen möglichst einheitlichen Auftritt mit Wiedererkennungswert. Dazu gehört auch das neue Logo: ein einfach gestalteter grüner Schriftzug „Spessart“ in einem geöffneten Kreis.

          Im Büro der Tourismusgesellschaft laufen die Fäden zusammen. Mosbacher versteht sich als Ansprechpartner sowohl der wirtschaftlichen als auch der politischen Akteure. Er ist davon überzeugt, dass die Aktivitäten auf vielen Ebenen besser vernetzt und Angebote einheitlicher werden können, etwa die Öffnungszeiten der Gastronomie und der Sehenswürdigkeiten. Das Thema Brüder Grimm werde in Hanau und in Steinau schon gut vermarktet, allerdings könnte die Zusammenarbeit der beiden Städte enger werden, um beispielsweise die Touristen vom Flughafen über die Autobahn direkt auf eine Märchenreise mit mehreren Stationen zu schicken. Darin eingebunden werden könnte auch Birstein am Rand des Vogelsbergs, eine wichtige Wirkungsstätte des Malerbruders Ludwig Emil Grimm.

          Kleinere Themen, die das Herz berühren

          Selbstverständlich ist für Mosbacher die Kooperation mit den bayerischen Nachbarn. Vergessen sind die Auseinandersetzungen um den vorübergehenden Austritt des Main-Kinzig-Kreises vor vier Jahren aus der bayerischen Tourismusorganisation Spessart Mainland. Heute arbeitet man wieder konstruktiv zusammen. Ein erstes großes Gemeinschaftsprojekt soll die Vermarktung der idyllischsten Weihnachtsmärkte im hessischen und bayerischen Spessart sein. Zum Thema geheimnisvolle Wälder, Märchen und Mythen passen für Mosbacher auch das „Wirtshaus im Spessart“, die „Spessarträuber“ und das Schloss Mespelbrunn im bayerischen Spessartteil. Sie sollen deshalb einen festen Platz im Konzept finden. Als weitere gemeinsame „Leitthemen“ für die nächste Zeit nennt er das Mountainbiken im hessisch-bayerischen Spessart sowie das Wandern auf einem „Qualitätsweg“ Franken und Spessartbogen.

          Im Blick haben will die Tourismusgesellschaft nicht nur die großen Attraktionen wie die Ronneburg, die Kaiserpfalz in Gelnhausen, den Staatspark Wilhelmsbad in Hanau, die Burg Schwarzenfels in Sinntal, das Schloss in Steinau sowie die beiden Kurstädte Bad Orb und Bad Soden-Salmünster. „Wir wollen auch mit kleineren Themen, die das Herz berühren, Lust auf den Spessart und den Main-Kinzig-Kreis machen“, sagt Mosbacher. Diese findet er oft in der Natur, im Wald und in den Feuchtgebieten des Kreises. Von ergreifender Schönheit sei beispielsweise das Meer der Schachblumen, das sich Jahr für Jahr im Sinntal entfaltet. Hier gibt es das größte Vorkommen Deutschlands der sehr seltenen Pflanze.

          Auch die Rückkehr von Storch und Biber stellt für Mosbacher ein Wunder von unschätzbarem Wert dar. Um den Schätzen der Natur und den Naturliebhabern gerecht zu werden, müsse es einen behutsam betriebenen Tourismus geben. Auch den finde man schon im Kreis, etwa in den kompetenten Führern des Naturparks Hessischer Spessart.

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