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Mainzer Musikforschung : Jazzer gab es auch in der NSDAP

  • -Aktualisiert am

Erfolgsduo: UFA-Star Kirsten Heiberg und ihr damaliger Ehemann Franz Grothe 1945. Der Komponist setzte seine Karriere nach dem Krieg fort; Heiberg kehrte nach der Trennung von Grothe nach Norwegen zurück. Wegen ihrer Engagements in Nazi-Deutschland bekam sie in ihrer Heimat nur noch wenige Rollen. Bild: akg-images / NTB scanpix / NTB

Zwei Forscher der Universität Mainz untersuchen die Unterhaltungsmusik im „Dritten Reich“. Dabei stoßen sie auf viele Grauzonen. Ein wissenschaftliches Bild dieser Geschichte fehlt bisher.

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          Schauspielerinnen und Sängerinnen wie Zarah Leander und Kirsten Heiberg waren während des „Dritten Reichs“ umschwärmte Stars. Ihre Namen sind bekannt, ebenso die von Musikern und Komponisten wie Peter Kreuder. Film- und Unterhaltungsmusik während der NS-Diktatur, ihre Hintergründe und die Biographien der Akteure seien jedoch aus Forschersicht noch immer weitestgehend „Terra incognita“, sagt Peter Niedermüller, Professor am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Universität Mainz. Das wollen er und Kollegin Pia Nordblom, Wissenschaftlerin am Historischen Seminar, jetzt ändern.

          Das Forschungsprojekt „Deutsche Unterhaltungsmusik im 20. Jahrhundert“, das Niedermüller leitet, soll das Musikgeschehen vom Ende der Weimarer Republik bis 1945 ausleuchten. „Bisher stützt sich vieles auf Klischees. Wir wollen jedoch ein wissenschaftlich validiertes Geschichtsbild entwickeln. Wir betreiben Grundlagenforschung“, sagt der 52 Jahre alte Forscher. Das Projekt läuft zunächst drei Jahre, finanziell unterstützt wird es von der GEMA und der Franz Grothe-Stiftung. Im Fokus steht dabei nicht nur die Frage nach der politischen Einflussnahme und Repression durch die Nationalsozialisten, sondern auch das Handeln einzelner Musiker. Als Filmmusikexperte will Niedermüller zudem untersuchen, wie und zu welchem Zweck Unterhaltungsmusik in Spielfilme eingebettet wurde.

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