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Mordfall Susanna : Verdächtiger Ali B. ist auf dem Weg nach Frankfurt

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Wiesbaden: Kerzen, eine Engelsfigur und persönliche Trauerbekundungen liegen in der Nähe des Leichenfundortes von Susanna F. Bild: dpa

Am Samstagabend landet Ali B. am Frankfurter Flughafen. Der Verdächtige im Mordfall Susanna soll dann noch in der Nacht vernommen werden. Die Bundeskanzlerin begrüßt die schnelle Rückführung nach Deutschland.

          Der Mordverdächtige Ali B. ist auf dem Weg nach Deutschland. Die kurdischen Behörden haben Sicherheitskreisen zufolge dem Gesuch aus Deutschland stattgegeben, den 20 Jahre alten Iraker auszuliefern. Nach F.A.Z.-Informationen hat B. die nordirakische Stadt Erbil am Samstagnachmittag in einer Lufthansa-Maschine verlassen. Das Flugzeug soll den Frankfurter Flughafen gegen 20.30 Uhr erreichen. Mit an Bord befindet sich auch der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. Die erste Vernehmung von Ali B. sei noch für die Nacht geplant, am Sonntag werde er dann dem Haftrichter vorgeführt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag. Dann werde ihm der Haftbefehl eröffnet. Zuständig für die Vernehmung ist demnach das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden.

          Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festnahme des Tatverdächtigen im Nordirak und die Rückführung nach Deutschland begrüßt. „Das unfassbare Leid, dass der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich“, sagte sie am Samstag am Rande des G-7-Gipfels im kanadischen La Malbaie. Sie sprach von einem „abscheulichen Mord“ und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz „mit aller Klarheit ein Urteil sprechen“. Merkel wertete den Fall als Aufforderung an alle, Integration ernst zu nehmen und für gemeinsame Werte einzustehen. „Wir können nur zusammenleben, wenn wir uns gemeinsam an unsere Gesetze halten“, sagte sie.

          Der im Zusammenhang mit dem Mord an der vierzehnjährigen Susanna F. gesuchte Verdächtige war in der Nacht zum Freitag gegen zwei Uhr in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordirak festgenommen worden. Bevor er zur Fahndung ausgeschrieben wurde, reiste der Mann nach Angaben des Bundesinnenministeriums mit seiner Familie am vergangenen Wochenende legal über den Düsseldorfer Flughafen aus und setzte sich nach Erbil im Nordirak ab. Dort wurde er auf Bitten Deutschlands durch kurdische Sicherheitsbehörden festgenommen. Offenbar hatte ein Familienmitglied von B. den Beamten vor Ort einen Tipp über den Aufenthaltsort gegeben.

          „Er hat gestanden“

          Dem Vernehmen nach soll sich Ali B. im Irak zu der Tat schon geäußert haben. In welchem Umfang, blieb zunächst unklar – er soll aber geständig sein. Der kurdisch-irakische Fernsehsender Sender „Rudaw“ zitierte einen lokalen Polizeioffizier mit den Worten: „Er hat gestanden, ein 14 Jahre altes deutsches Mädchen vergewaltigt und umgebracht zu haben.“ Ali B. habe nach seiner Festnahme ausgesagt, es sei zu einem Streit mit dem Opfer gekommen. Das Mädchen habe versucht, die Polizei anzurufen, was Ali B. dann zu der Tat getrieben habe.

          Die am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefundene 14-jährige Susanna aus Mainz wurde nach bisherigem Ermittlungsstand Opfer eines Gewaltdelikts. Ali B. steht im Verdacht, das Mädchen in der Nacht vom 22. auf 23. Mai vergewaltigt und anschließend durch Gewalt gegen den Hals getötet zu haben. Susanna war zwei Wochen lang vermisst worden, bevor ihre Leiche in einem Erdloch in Wiesbaden entdeckt wurde.

          Die Mutter des Verdächtigen reagierte ungläubig auf die Vorwürfe. „Das ist schwer zu glauben, das kann doch alles nicht wahr sein“, sagte Kalida M. in der nordirakischen Stadt Sacho der Deutschen Welle. Ihr Sohn habe ihr versichert, sich nicht an die Tat erinnern zu können, weil er zu betrunken gewesen sei. Die Familie habe erst durch die Verhaftung des 20-Jährigen im Irak und die Nachrichten im Internet von den Vorwürfen erfahren. Sie, ihr Mann und die sechs Kinder hätten Deutschland am 2. Juni freiwillig verlassen, weil ihr Mann schwer krank sei.

          „Ich wollte nicht, dass er im Ramadan in der Fremde stirbt und ich dann ein schlechtes Gefühl habe“, sagte Kalida M. Sie wandte sich gegen eine Auslieferung ihres Sohnes an Deutschland. „Ich will nicht, dass mein Sohn in einem fremden Land bestraft wird. Wenn er wirklich schuldig ist, dann soll er hier im eigenen Land bestraft werden.“ Sollte er wegen Mordes verurteilt werden, würde Ali B. im Irak die Todesstrafe drohen.

          „Dürfen nicht zulassen, dass Hass gesät wird“

          Der Tatverdächtige lebte in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft. Sein Asylantrag war im Dezember 2016 abgelehnt worden, wogegen er geklagt hat. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren, unter anderem wegen des Verdachts auf Raub.

          Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, mahnte, in dem Fall einen kühlen Kopf zu bewahren. „Ich warne vor Schnellschüssen“, sagte die Staatsministerin im Kanzleramt in einem Interview des Deutschlandfunks, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Die Verantwortlichen müssten zwar die volle Härte des Rechtsstaates erfahren. „Dennoch gilt gleichzeitig, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass durch diese Tat Hass in unserem Land gesät wird, dass ganze Gruppen unter einen Generalverdacht gestellt werden.“

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