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Morde in Rüsselsheim : Bilder wecken Erinnerungen

  • -Aktualisiert am

Bei der Spurensicherung war ein immenser Aufwand nötig. Bild: DPA

Umgestoßene Tische und Stühle, zersprungenes Glas und überall Blut. Blut in und vor der Eisdiele „De Rocco“. Szenen des Grauens riefen im Darmstädter Landgericht die Erinnerung an die blutige Auseinandersetzung wach.

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          Umgestoßene Tische und Stühle, zersprungenes Glas und überall Blut. Blut in und vor der Eisdiele „De Rocco“, Spuren von Blut auf dem Boden, auf den Eiskarten – und ganz besonders viel dort, wo die Leichname liegen: Szenen des Grauens, mit modernster Kameratechnik auf Großleinwände gebannt, riefen am Mittwoch im Schwurgerichtssaal des Darmstädter Landgerichts die Erinnerung an die blutige Auseinandersetzung zwischen Angehörigen türkischer Familien wach, bei der am Abend des 12. August in Rüsselsheim zwei junge Männer und die zufällig am Tatort anwesende 55 Jahre alte Griechin Anna K. ums Leben kamen.

          Deren Mann vermochte dem virtuellen „Besuch“ am Tatort nicht standzuhalten. Obgleich das Gericht auf Intervention der Verteidigung hin beschloss, die Aufnahmen der unbekleideten Toten nicht auf Großleinwand, sondern lediglich auf gewohnte Art am Richtertisch in Augenschein zu nehmen, verließ der Nebenkläger sichtlich erschüttert den Saal. Ebenso der Vater des getöteten Denis E. und dessen Witwe, während dessen des Mordes angeklagte Brüder, Erdal und Serdal E., keine Chance hatten, den Bildern zu entkommen.

          Die verfeindeten Gruppen haben wild um sich geschossen

          Mit der vom Hessischen Landeskriminalamt (LKA) verwendeten Spezialkamera lassen sich 360-Grad-Panoramen oder Weitwinkel-Bilder erstellen und Räume sowie Tatorte exakt vermessen; Personen, Gegenstände und Details können bei Bedarf zur näheren Betrachtung auch herangezoomt werden.

          Auf diese Weise können sich die Prozessbeteiligten ein weitaus genaueres Bild vom Tatort machen als mit den üblichen Fotodokumentationen. Die Fundorte der unzähligen, mit weißen „Tatortkärtchen“ markierten Patronenhülsen und Geschossteile beispielsweise lassen darauf schließen, dass die verfeindeten Gruppen wild um sich geschossen haben müssen – Projektile oder Teile davon steckten nicht nur in Wänden und Möbeln, sondern fanden sich weit zerstreut in und vor dem Eiscafé.

          Immenser Aufwand bei der Sicherung der Tatortspuren

          Allerdings ließ sich das Bedürfnis insbesondere der Verteidigung, akribisch jeder einzelnen von der Kamera eingefangenen Spur nachzugehen, nicht ohne weitere befriedigen.

          Gottfried Stürmer vom LKA beschrieb als Zeuge vor Gericht den immensen Aufwand zur Sicherung der Tatortspuren. Bis in den frühen Morgen hinein hätten die kriminaltechnischen Spezialisten gearbeitet, das Café selbst habe man wegen des weitläufigen Tatorts sogar erst am nächsten Tag untersuchen können. Beteiligt waren an der „Tatortsicherung“ neben dem LKA Kriminalbeamte aus Rüsselsheim, Darmstadt und Heppenheim.

          Gestern hörte das Gericht auch einen Beamten der Rüsselsheimer Polizei, der als einer der ersten am Tatort war und nach seinen Worten „ein ziemliches Chaos“ vorfand. Links vor dem Eingang habe ein Mann gelegen, der „offensichtlich tot“ gewesen sei, ein weiterer nahe der benachbarten griechischen Taverne habe ebenfalls kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben, berichtete der Polizeikommissar. Einem Dritten, der blutüberströmt auf dem Boden vor der Taverne gesessen habe und von einer Frau gestützt worden sei, habe er ein Messer aus der Hand genommen, sich aber nicht weiter um ihn gekümmert. Wichtiger nämlich sei ihm gewesen, Anna K. Hilfe zu leisten, die um diese Zeit noch um ihr Leben gekämpft habe. Alle Bemühungen des Beamten, wenig später von Sanitätern unterstützt, erwiesen sich jedoch als vergeblich. Anna K. erlag ihren Schussverletzungen noch am Tatort.

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