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Montessori-Ausbildung : Kindliche Neugier als wichtigstes Kapital

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Spielen und lernen: Im Montessori-Kinderhaus am Elsässer Platz in Wiesbaden. Bild: Frank Röth

Seit 30 Jahren schult das Wiesbadener Montessori-Bildungszentrum Lehrer und Erzieher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Die Pädagogen sollen Kindern das selbstbestimmte Lernen ermöglichen.

          Hände und Arme ruhen keine Sekunde. Mimik und Gestik unterstreichen jedes Wort. Wenn Rainer Völkel erklärt, was die Lehre von Maria Montessori bedeutet und wie Kinder von ihr profitieren, dann ist er in seinem Element. Das ist kein Wunder, denn Völkel ist sowohl Vorsitzender des Wiesbadener Montessori-Bildungszentrums als auch des Vereins Montessori Kinderhaus am Elsässer Platz. Der 76 Jahre alte Pädagoge ist dies mit Leib und Seele. Aber: Völkel unterrichtet keine Kinder, sondern Lehrer und Erzieher. Seit 30 Jahren sorgt das Bildungszentrum dafür, dass es ausreichend Pädagogen gibt, die Kinder im Sinne von Maria Montessori unterrichten können. „Die kindliche Neugier ist das wichtigste Kapital, das der Pädagoge hat“, lautet Völkels Credo, und er konkretisiert: „Die Kinder wollen wissen, ob es den lieben Gott gibt und warum sich Erwachsene scheiden lassen.“

          Ausgebildete Montessori-Pädagogen sollen die Kinder befähigen, sich die Antworten auf diese und ähnliche Fragen selbst zu holen, etwa bei Experten. „Der Schüler folgt dem Lehrer, und der Lehrer folgt dem Lehrplan. Wohin die Reise geht, weiß der Schüler aber nicht, denn er kennt ja den Lehrplan nicht.“ Für Völkel hat der traditionelle Unterricht ein entscheidendes Defizit: Er gehe nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder und Schüler ein. In der Montessori-Pädagogik gebe es einen Lehrplan in dieser Form nicht, stellt er klar und verdeutlicht den Unterschied: Eine Montessori-Schule sei proppenvoll mit allen möglichen Sachen. Sie seien dafür da, dass Schüler sich das Wissen möglichst selbständig aneignen könnten. „Der Schüler kommt wie in einem Supermarkt in einen Laden und entscheidet dann, was er machen möchte.“Der Vorteil liegt nach Völkels Einschätzung klar auf der Hand: „Sie müssen den Schüler nicht motivieren. Er beginnt sofort zu lernen.“ Auf Interesse folge Motivation und anschließend der Lernerfolg.

          Montessori-Ausbildung seit 90 Jahren

          Damit Lehrer verstehen, wie sie ihre Schüler auf diesem Weg begleiten, bilden Völkel und seine Kollegen sie zu Montessori-Pädagogen aus. Ursprünglich war das Bildungszentrum eine Abteilung des Kinderhauses – seit 30 Jahren ist es ein eigener Verein; und der ist sehr aktiv. In der vergangenen Woche ging der vorerst letzte Kurs zu Ende. Darin machten 38 Personen das Montessori-Diplom, wie Völkel erläutert. Die Kurse dauern etwa zwei Jahre und werden berufsbegleitend angeboten. Von den 38 Absolventen arbeiten drei im Kinderhaus, die übrigen Teilnehmer sind Erzieherinnen der Stadt Wiesbaden und Lehrer aus verschiedenen Schulen. Das Kinderhaus am Elsässer Platz und das Montessori-Bildungszentrum sind zwei verschiedene Vereine, auch wenn das Bildungswerk Räume im Kinderhaus angemietet hat. Der Kinderhausverein macht Kinder- und Schülerarbeit, wie Völkel darstellt, und er zählt als Beispiele die Puppenspielwoche oder Kinderkultur auf. Zudem ist das Haus eine Kindertagesstätte. Schon bei der Gründung des Vereins sei es darum gegangen, auch Erwachsenenbildung anzubieten, um Erzieherinnen für das Kinderhaus auszubilden, erinnert sich Völkel.

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