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Möbelhändler auf Standortsuche : Frankfurt konnte Segmüller nichts anbieten

Schon in Weiterstadt, bald in Bad Vilbel? Möbelriese Segmüller Bild: Cornelia Sick

Drei Jahre lang hat der Möbelriese Segmüller mit der Stadt Frankfurt über seinen Ansiedlungswunsch gesprochen - ohne Ergebnis. Das nun geplante Möbelhaus in Bad Vilbel wäre das achte des Unternehmens. Und größer als das Weiterstädter.

          Das bayerische Familienunternehmen Segmüller hat über drei Jahre hinweg vergeblich mit der Stadt Frankfurt über den Bau eines Möbelhauses verhandelt, bevor es nach Bad Vilbel auswich. Das berichtete ein Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) auf Anfrage. Im Gespräch war vor allem ein Gelände unweit des 2007 eröffneten Ikea-Hauses am Autobahnkreuz Bad Homburg. Die Pläne scheiterten an den Eigentumsverhältnissen der in Frage kommenden Grundstücke und der Verkehrserschließung, wie der Sprecher weiter ausführte. Es habe „eine Vielzahl von Gesprächen“ gegeben. Dies wurde auch im Büro von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bestätigt. Die Wünsche Segmüllers seien eingehend geprüft worden, eine geeignete Fläche sei jedoch nicht zu finden gewesen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Sprecher des Planungsdezernenten äußerte Bedauern darüber, dass Segmüller nun in der Nachbarstadt bauen wolle. Er wies darauf hin, dass auch das Frankfurter Einzelhandelskonzept bei der Diskussion eine Rolle gespielt habe, das derzeit überarbeitet werde. Während es aus dem Einzelhandelsverband heißt, dass nach diesem Konzept der in einem vor mehreren Jahren erstellten Gutachten errechnete Bedarf an Möbelgeschäften inzwischen durch die Eröffnung von Ikea befriedigt sei, heißt es im Planungsdezernat, dem müsse der Wegfall der Möbelgeschäfte Wesner, Helberger und zuletzt Thomas gegenübergestellt werden, so dass grundsätzlich weiterhin eine Unterversorgung bestehe. Es handele sich dabei allerdings lediglich um eine Verkaufsfläche von 18.000 Quadratmetern. Segmüller plant in Bad Vilbel hingegen mit 45.000 Quadratmetern, das sind noch 5000 mehr als im Haus in Weiterstadt.

          Alte Autobahnauffahrt Frankfurt-Bonames im Blick

          Aus den Gesprächen mit Segmüller waren in den vergangenen Jahren einzelne Punkte bekanntgeworden. Ins Auge gefasst worden war ein Golfplatz im Gewerbegebiet Am Martinszehnten, der zum Teil dem Betreiber selbst gehört, zum Teil langfristig gepachtet ist. Zu den Schwierigkeiten zählte, dass man für die Verkehrsanbindung den Bund hätte dafür gewinnen müssen, die alte Autobahnauffahrt Frankfurt-Bonames wieder zu öffnen. „Es wäre ein großes Stück Arbeit geworden“, hieß es im Römer.

          Segmüller zeigte sich an einem Standort im Norden Frankfurts stets interessiert, weil man in dem Unternehmen die Erkenntnis gewonnen hat, dass die Bewohner des Taunus und der Wetterau eher selten bis Weiterstadt zum Einkauf fahren. Welche Chancen für das Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet liegen, wird man in dem 2004 eröffneten Möbelhaus an der Autobahn 5 studiert haben. Es wird von Segmüller inzwischen unwidersprochen als das umsatzstärkste Möbelhaus Deutschlands bezeichnet.

          Heftiger Kampf in der Möbelbranche

          Die hohe Kaufkraft der Region gilt als der entscheidende Grund, warum der in ganz Deutschland zu beobachtende Kampf in der Möbelbranche hier besonders heftig tobt. Ikea will sein traditionsreiches Haus in Wallau erweitern und um einen Fachmarkt ergänzen und liebäugelt mit einem vierten Haus in der Region, womöglich wiederum in Frankfurt. Möbel Höffner hat in Hofheim-Diedenbergen schon Ackerflächen gekauft. Die Kette, nach Ikea die Nummer zwei in der Branche, ist bereits in Gründau-Lieblos vertreten, ebenso wie Segmüller fehlt dem Unternehmen jedoch ein Standort in Taunusnähe.

          Der Wettbewerb in der Möbelbranche wird seit Jahren über die Flächen ausgetragen. Nach einer Studie der Handelsberatung BBE erhöhte sich von 1995 bis 2005 die Verkaufsfläche in Deutschland um knapp ein Fünftel, während der Umsatz im gleichen Maße sank. Auch in jüngerer Zeit sind die Umsätze bestenfalls konstant, während die großen Ketten nach wie vor Expansionspläne haben. Ikea eröffnet ohnehin Jahr für Jahr neue Häuser, doch auch das österreichische Familienunternehmen XXX Lutz, zu dem Mann Mobilia und Möma zählen, hat solche Investitionen angekündigt, allerdings nicht im Rhein-Main-Gebiet, ebenso Porta. Von den Unternehmensberatern von BBE heißt es, trotz alledem sei die Möbelbranche derzeit noch mittelständisch geprägt. Der harte Wettbewerb werde jedoch zu einem Konzentrationsprozess führen.

          Platz fünf in der Riesen-Liste

          Während die ganz Großen wie Ikea und Höffner mit Jahresumsätzen von mehr als drei und knapp zwei Milliarden Euro derlei abwarten können, stellt sich für Lutz, Porta und Segmüller, die auf den Plätzen drei bis fünf folgen, die Frage, ob sie in diesem Konzentrationsprozess zu den Gewinnern oder zu den Verlierern zählen werden. Segmüller würde in Bad Vilbel gerade erst sein achtes Möbelhaus eröffnen, Ikea betreibt in Deutschland 45.

          Während der hessische Einzelhandelsverband dem Vorhaben Segmüllers skeptisch gegenübersteht und es nicht für genehmigungsfähig hält, äußerte die Industrie- und Handelskammer Frankfurt, die Pläne belegten die Attraktivität der Region für den Handel. Gegen ein reines Möbelhaus sei auch nichts einzuwenden, bedenklich sei es hingegen, wenn auch Randsortimente angeboten würden. Der Einzelhandel in der Umgebung dürfte jedenfalls nicht gefährdet werden.

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