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Moderne Ordensbrüder : Nur ein Schriftzug verrät das Kloster

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Im Dominikanerkloster in Mainz kommt es nicht auf das äußere Erscheinungsbild an, sondern auf den Inhalt. Bild: Michael Kretzer

Dominikanerklöster kommen auch ohne Kreuzgang und alte Gemäuer aus. In Mainz leben die Ordensbrüder in einem modernen Gebäude in der Neustadt.

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          Vielen Menschen kommen bei dem Wort Kloster die mittelalterlichen Abteien von Eberbach, Maulbronn oder Maria Laach in den Sinn. Mit diesen Anlagen hat das Dominikanerkloster an der Gartenfeldstraße in der Mainzer Neustadt allerdings nicht viel gemein – zumindest baulich. Schließlich leben die Mönche in einem modernen fünfstöckigen Gebäude, an dessen Fassade bis auf den beleuchteten Schriftzug „Dominikaner“ so gut wie nichts auf die klerikale Nutzung hinweist. „Das Kloster ist von außen unscheinbar, ohne das Schild würde man es nicht bemerken“, sagt auch Pater Josef kleine Bornhorst, der Prior des Mainzer Konvents.

          Vor etwa zwölf Monaten sind die Mainzer Dominikaner in das binnen einem Jahr errichtete Gebäude eingezogen. Das alte Domizil an der Kirche St. Bonifaz, deren Gemeinde von dem Orden seelsorgerisch betreut wird, sei mit der stetig wachsenden Zahl der Brüder zu eng geworden, berichtet der Prior. Nach seinen Worten konnte auch eine angemietete Wohnung an der Boppstraße auf Dauer keine Abhilfe schaffen. Der Neubau ist auf einem Grundstück entstanden, das der Pfarrei St. Bonifaz gehört und nur 150 Meter von der Kirche entfernt liegt. Zu dem Komplex gehört auch ein einst von einem Kindergarten genutzter Flachbau, der mit einem roten Verbindungsgebäude an das Haupthaus angeschlossen wurde. Insgesamt seien wohl rund zwei Millionen Euro investiert worden, so der Prior.

          Zu den Menschen gehen und Gottes Wort predigen

          Auf einen kleinen Garten müssen die Dominikaner in Mainz zwar nicht verzichten, wohl aber auf einen klostertypischen Kreuzgang. Der Umzug in das moderne Gebäude nach Mainz sei für ihn schon eine „große Umstellung“ gewesen, sagt Pater Josef, der erst im vergangenen Jahr nach Mainz gekommen ist und zuvor 15 Jahre lang im altehrwürdigen Dominikanerkloster in Worms gelebt hatte. Man wolle nun versuchen, den neuen Standort an der Gartenfeldstraße „mit Leben zu erfüllen“. In der Mainzer Neustadt habe das Kloster ein interessantes Umfeld mit vielen jungen Leuten und anderen Religionsgemeinschaften.

          Dass das Kloster mitten in der Stadt liegt, entspricht dem Selbstverständnis der Dominikaner. Der Ordensgründer, der heilige Dominikus, habe gefordert, zu den Menschen zu gehen und ihnen Gottes Wort zu predigen, so der Prior. Seiner Ansicht nach „muss sich das Kloster für die Menschen öffnen“. In diesem Zusammenhang weist er auf das Kunstprojekt „Dreimal klingeln“ hin, an dem sich das Kloster am 12. und 13. September beteiligt.

          15 Quadratmeter Zimmer mit Nasszelle - denoch ist das Kloster voll belegt

          In Mainz waren die Dominikaner schon einmal von 1256 bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1789 vertreten gewesen; 1993 kehrte der Orden, der sich nicht nur in St. Bonifaz, sondern auch in der Gefangenen- und Krankenseelsorge engagiert, in die Stadt zurück. Heute wohnen in dem Kloster sieben Patres und neun Studenten, die an der Universität Mainz Theologie studieren. Schließlich ist der Mainzer Konvent auch Studienhaus der Dominikanerprovinz Teutonia, in dem die jungen Männer bis zur ihrer „feierlichen Profess“, dem ewigen Ordensgelübde, oder ihrer Priesterweihe als Fratres auf die künftigen Aufgaben vorbereitet werden. Vor ihrer Zeit in Mainz haben sie in der Regel ein einjähriges Noviziat im Wormser Dominikanerkloster absolviert und dann ein Gelübde auf drei Jahre, die sogenannte einfache Profess, abgelegt. Einer von ihnen ist Frater Frank Ewerzumrode, der an seiner Promotion über Calvin und dessen Abendmahlslehre schreibt und außerdem in der Bibliothek des Klosters arbeitet. Er schätze die Gemeinschaft der Dominikaner und die Möglichkeit, auch wissenschaftlich zu arbeiten, so der Achtundzwanzigjährige.

          Jeder der 16 Brüder im Alter zwischen 22 und 88 Jahren bewohnt in dem Kloster, das derzeit voll belegt ist, ein eigenes etwa 15 Quadratmeter großes Zimmer mit Nasszelle. Der Orden lege Wert darauf, dass neben der Gemeinschaft auch Individualität möglich sei, so der Prior, der auf eine „gesunde Mischung“ setzt. „Die Leute sollen als Dominikaner an der Klosterpforte ja nicht ihre Freiheit abgeben“, sagt er. So sei es durchaus möglich, dass ein Bruder eine Feier oder ein Fußballspiel besuche; dennoch gebe es Einschränkungen.

          Während Essens- und der Gemeinschaftsraum schon genutzt werden, ist die Kapelle noch im Entstehen. Vor die Fenster des einstigen Kindergartenraumes sollen laut dem Prior farbige Glastafeln gesetzt werden, die dann für eine „gewisse Sakralität“ sorgen.

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